Tour 4: Kocher, Löwenstein und Lein

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Der Leineckstausee bei Pfahlbronn ist derzeit fast leer. Das Niedrigwasser ist nicht der extremen Trockenheit, sondern der Tatsache geschuldet, dass er demnächst werden soll. Fotos: mam
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Durchs Kocher- und Rottal zum bekannten Biker-Treff „Platte“. Und Abstecher zu drei Stauseen im Einzugsgebiet der Lein.

Abtsgmünd

Ziemlich exakt am Zusammenfluss von Kocher und Lein beginnt und endet diese Tour. Genaugenommen auf der anderen Straßenseite der eindrucksvoll renaturierten Flussmündung, also bei Rewe im Gewerbegebiet „Osteren“. Zunächst geht’s im Kochertal in Richtung Gaildorf, durch flüssig befahrbare Kurven, auf ebenem Asphalt. Wie übrigens die meisten Kilometer dieser Runde angenehm unholperig sind.

Der Rot entlang

Nach Bröckingen verlässt der Reporter die B 19 und wechselt auf die andere Talseite zur B 298 in Richtung Gaildorf. Schon nach etwa 300 Metern biegt er aber nach links und düst entlang des Flüsschens Rot nach Fichtenberg und Oberrot. Er fährt in dem nur locker besiedelten Tal vorbei an braun gebrannten Viehweiden, an durstigen Maisfeldern und an trockenen Streuobstwiesen, deren Obstbäume sich angesichts der Dürre fragen, ob sie ihre Äpfel noch tragen können, bis sie wirklich reif sind.

Bald findet er sich im vermeintlichen Mekka der Bausparer wieder, denn die Hinweise auf Wüstenrot und Schwäbisch Hall tragen einstellige Kilometerangaben. Ab Mainhardt nimmt er die B 39 Richtung Heilbronn. Sein erstes Ziel ist die „Platte“ kurz vor Löwenstein: ein Parkplatz, von dem aus sich eine beeindruckende Fernsicht ins Hohenloher Land öffnet, bei geeignetem Wetter. Doch auch wenn’s diesig ist, gibt’s was zu sehen: Motorräder. Die Löwensteiner Platte ist ein bekannter Biker-Treff, mit einem Imbisswagen, der von April bis Oktober täglich zwischen 9 und 21 Uhr geöffnet hat. „Wenn es allerdings regnet, nicht unbedingt“, sagt die Betreiberin. Sie erzählt, anstelle des Imbisswagens werde demnächst eine stabile Imbisshütte gebaut, die man nicht immer wieder wegfahren müsse. Der Reporter trinkt einen Kaffee und gönnt sich ein Eis.

Eine rote Moto Guzzi

Etwa 30 Motorräder stehen unter der Woche am frühen Nachmittag hier. An Wochenenden sind es deutlich mehr. Einige NSU-Oldtimergespanne und Solomaschinen haben sich versammelt. Zwei fette Harleys und eine noch dickere BMW – die neue 1800er Cruiser in Vollausstattung. Angetan hat es dem Reporter auch eine rote Moto Guzzi „Le Mans“, ein legendäres Rennmotorrad, dessen Fahrer aber nicht mehr rot, sondern längst grau ist.

Auf klassische „Benzingespräche“ hat er keine Lust, doch er fragt herum nach dem Besitzer der BMW R 18, kann ihn aber nicht finden. Schade, er wäre zu neugierig gewesen, wie sich der Zweizylinder-Boxermotor dieses Hubraummonsters fährt. So plaudert er etwas mit den alten Herren der NSU-Riege. Am Lenker einer 250er „NSU max“ aus den 1950er Jahren sitzt einer, der die Achtzig erreicht haben dürfte. Tja, Motorradfahren hält jung.

Von der „Platte“ nach Sulzbach

Abschied von der „Platte“: kurz bergab Richtung Löwenstein, dann in der ersten Kehre links in Richtung Spiegelberg und Sulzbach an der Murr. Jetzt ist der Asphalt nicht mehr ganz so komfortabel, dafür die Landschaft malerisch. In Sulzbach tangiert man die B 14 Richtung Schwäbisch Hall, um sie sogleich wieder zur verlassen in Richtung Murrhardt und Gschwend. Einen Kilometer vor Unterneustetten geht’s erneut rechts und hoch nach Kaisersbach. Dort findet der Reporter die Aichstruter Straße und folgt dieser bis zum Schwabenpark, wo gefühlt tausende Autos parken, aber kein einziges Motorrad. Kindergekreische ist aus dem Erlebnispark zu hören. Im Weiler Aichstrut dann biegt er erneut rechts und folgt einem schmalen Sträßle bis zum Stausee Aichstrut am Oberlauf der Lein. Dort kann man schwimmen, Infrastruktur wie Duschen, Toiletten, Kiosk und sogar ein Campingplatz sowie ein Wohnmobilstellplatz warten auf Besucher.

An der Lein und ihren Zuflüssen wurden nach verheerenden Überschwemmungen zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren insgesamt elf Stauseen angelegt. Sie helfen, das Lein- und das mittlere Kochertal vor Hochwasser zu schützen.

Im Prinzip könne man in allen Seen baden, jedoch auf eigene Gefahr, betont Michael Segan (Alfdorf), der Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Kocher-Lein. Anders sei dies beim Stausee Aichstrut, wo sogar die DLRG Badeaufsicht leiste, so der ehemalige Schultes.

In Welzheim tuckert man etwas durch die Stadt und fährt dann über Rienharz nach Pfahlbronn, zum Leineckstausee. Der ist fast leer, denn er soll demnächst saniert werden. Der Reporter zuckelt über die Staumauer, rauscht rüber nach Alfdorf, um in der Ortsmitte scharf links in die Schützenstraße abzubiegen. Er folgt der Landestraße 1153 bis zum Weiler Kapf, dort rechts in den Tennhöfleweg. Jetzt kommen doch noch ein paar Kilometer schmale und kurvige Tuckerstrecke bis nach Spraitbach. Unterwegs liegt der Reichenbachsee, der ausreichend Wasser bereithält.

In Spraitbach auf die B 298 Richtung Gmünd, bei der Amandusmühle links hoch nach Durlangen, auf einer lebendigen Strecke wieder runter nach Täferrot und schön übersichtlich-kurvig weiter bis Leinzell. Über Heuchlingen, Laubach und Leinroden wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Bei Rewe steht der Tageskilometerzähler auf 159.

Weitere Informationen im Internet:

„Platte“ Löwenstein: www.biker-treff.de und www.stadt-loewenstein.de

Schwabenpark: www.schwabenpark.de

Stauseen: www.kocher-lein.de

Warum Motorradfahren jung hält

Engagierte Zweiradpiloten haben es schon immer gefühlt. Eine japanische Studie aus dem Jahr 2010 belegt es: Motorradfahren hält geistig jung. Wer täglich Motorrad fährt, fördert seine Reflexe, schult seine Koordination und Konzentration, macht im Alltag weniger Fehler und fühlt sich allgemein glücklicher. Vor allem aber bleibt man geistig länger fit.

Einer, der das schon vorher stark vermutet hat, heißt Bernt Spiegel. Der heute 96-jährige Wirtschafts- und Sozialpsychologe ist noch vor 15 Jahren auf seiner 1000er Honda „Fireblade“ durch die Nordschleife des Nürburgrings gebraust. Sein Buch „Die obere Hälfte des Motorrads“ von 2006 gibt erstaunliche Einblicke in die Einheit von Fahrer und Maschine, nebst physikalischer, philosophischer und psychologischer Aspekte. Es gilt als „ganz andere Fahrschule“ und sei allen Fahrerinnen und Fahrern hier wärmstens empfohlen.

Die Strecke der Tour 4 unseres Reporters, wie sie auf der Landkarte ausschaut. Grafik: rico
Ein BMW- und zwei NSU-Gespanne auf der „Platte“ bei Löwenstein, Fahrer beim Fachsimpeln.
Stausee Aichstrut bei Welzheim von der Anhöhe im Osten aus.
Riesen-Schiffschaukel im Schwabenpark.

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