Trotz Corona: Viel mehr Lehrstellen als Bewerber

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Den Schulabschluss ist in der Tasche, nun stellt sich die Frage nach der richtigen Ausbildung.
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Ostalb-Arbeitsmarkt bietet - entgegen dem Bundestrend - Jugendlichen Perspektiven.

Aalen. Junge Menschen sind besonders von der Pandemie betroffen - auch in puncto Beschäftigung. Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie kommt in einer Studie zur Erkenntnis, dass sie in der Pandemie geringere Chancen auf einen Ausbildungsplatz oder einen Anschlussarbeitsvertrag haben und schneller entlassen werden.

Landrat Dr. Joachim Bläse ist es daher „sehr wichtig“, dass sich die jungen Leute nicht als „verlorene Generation“ begreifen, wie er am Dienstag im Kreisausschuss für Arbeit sagte. „Sie haben in der Pandemie vieles getragen, mussten auf vieles verzichten, unserer aller Aufgabe ist es nun, ihnen klar zu machen: Ihr seid uns wichtig, wir kümmern uns um euch“, ansonsten drohe die Gefahr, dass sich viele junge Leute in ein Schneckenhaus zurückzögen und resignierten, sagte Bläse weiter.

Hoffnung geben können jungen Menschen unter 25 die Arbeitsmarktzahlen vom Mai 2021, die der Chef der Agentur für Arbeit, Elmar Zillert, in der Sitzung präsentierte. Diese zeigen: Die Lage entspannt sich.

Demnach wurden auf dem Ausbildungsmarkt der Berufsberatung 2021 bisher 3292 Ausbildungsangebote gemeldet. Dies sind zwar 762 Ausbildungsplätze weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, aber mehr als besetzt werden können.

2090 Jugendliche ließen sich als Bewerber um eine Lehrstelle bei der Berufsberatung vormerken. Die Zahl der Jugendlichen, die sich um eine Lehrstelle bewerben, reduzierte sich gegenüber 2020 um weitere 36. Ende Mai waren 1507 Ausbildungsplätze noch frei. Für 2021 bedeutet das, dass jedem Interessenten rechnerisch 1,6 Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen.

Im Mai 2021 haben zwar alle Personengruppen von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes profitiert. Den stärksten Rückgang verzeichnete aber die Gruppe der unter 25-Jährigen. Ihre Zahl reduzierte sich um 83 auf aktuell 718 Menschen. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies einen Rückgang um 10,4 Prozent und im Vorjahresvergleich sogar ein Rückgang um 33,9 Prozent, verdeutlichte Zillert. Insgesamt betrachtet, verbessere sich das Thema Jugendarbeitslosigkeit kontinuierlich seit Jahren, auch die Corona-Delle werde daran dauerhaft nichts ändern, ist Zillert überzeugt.

Im Landkreis bedürfe es keiner Ausbildungsprämien, vielmehr brauche es Anreize für die jungen Leute, sich zu bewerben, denn ihre Chancen stünden gut.

Gebraucht und gefragt sei der Nachwuchs wie nie zuvor. In den kommenden Jahren gingen nämlich von 180 000 Arbeitnehmern in der Region rund 45 000 aus dem Arbeitsmarkt. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz würden dieses demografische Problem nicht lösen, die Anwerbung von Kräften aus dem Ausland auch nicht. „Da gibt es viele Länder, die beliebter sind als Deutschland“, meint Zillert.

Die Jugend sei heute aber sensibler. „Der Run auf den Industriemechaniker ist vorbei. Was KI für viele Berufe bedeutet, das haben junge Leute erkannt“, sagt Zillert. Zudem gelte es heute, die Jugend auf anderen Wegen zu erreichen, auf digitalen, mit der „Berufsvorbereitung per App“.

Zillert rechnet 2021 mit vielen „Abbrechern“ - in Studium und Ausbildung. Dies sei Corona geschuldet, das Praktika und schulische Berufsorientierung zum Erliegen brachte. Dennoch ist er optimistisch: „Der Ostalbkreis hat vorbildliche Netzwerke, daher meistern wir auch das“, meint Zillert. Martin Simon

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