Ungewohnte Klänge und wilde Tänze

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Martin Stiefel bei seiner Performance

"Der Trieb" & Martin Stiefel unterhalten im Garten des a.l.s.o. Kulturcafés ihr Publikum mit Improvisationen.

Jeder Topf findet seinen Deckel. Martin Stiefel hatte an diesem Abend viele Deckel, ohne den zugehörigen Topf. Topfdeckel-Performance – im Garten des Kulturcafés a.l.s.o. in Schwäbisch Gmünd mit seiner Interpretation von "Rolling Stone" und Sisyphus. Eine Vorstellung, die schwankte zwischen Dadaismus und Skurrilität.

Dass die Vorstellung schräg werden würde, hatten die Künstler bereits im Vorfeld angekündigt: "Die Veranstaltung findet im Garten des Kulturcafés statt. Nach der Neugestaltung ist er an diesem Abend wahrscheinlich das Einzige, das nicht schräg ist."

Der aus dem Remstal stammende, in München lebende, Martin Stiefel wachte in einem alten Waschzuber auf, weil Schlagzeuger Lego Heubach erst auf dem Zuber, dann auf den Topfdeckeln trommelt. Die hat Stiefel an einem Fischernetz befestigt und sich das überzogen. Dabei bewegt er sich wie ein zu groß geratener Hering, der sich befreien möchte. Tanzt einen Hexentanz, – oder was sonst es sein mag – tritt gegen den Zuber, rollt ihn über den Boden.

Dazu improvisierte die Band "Der Trieb" mit Martins Bruder Uli Stiefel (Keybord), Johannes Riediger (Bassgitarre), Polle Pollreiß (Querflöte, Saxophon, Klarinette) und Lego Heubach (Schlagzeug): "Wir versuchen zu interagieren", sagte Pollreiß.

Die Klangperformance der Schorndorfer Band war mindestens genauso wild und disharmonisch wie die krude Vorstellung Martin Stiefels als Sisyphus. Er in karottenfarbener Langhaarperücke, nacktem Oberkörper tobt mit einem Ball, auf den in Umrissen die Kontinente aufgemalt sind, über den Parcours vor der Bühne und stellt in seiner Performance die Unendlichkeit des Leidens des Griechen dar. Für Stiefel die "Aufarbeitung eines Größenwahns".

Nun ist im nächsten Bild bei Stiefel eine Waschmaschine an der Reihe. In die alte Miele packt er einen Ziegelstein, schaltet auf Schleudergang, dann stellt er sich in Anzug und Krawatte die angepasste bürgerliche Alltäglichkeit symbolisierend daneben und schreit ins Mikrophon: "I bin a rollender Stoi!"

Er fühle sich dem Dadaismus sehr verbunden, sagte der 65-jährige Performance-Künstler, der seiner Vorstellung autobiografische Elemente zugesteht. Dennoch, so sein Kommentar am Ende, sei "aus vielen kleinen Missverständnissen ein großes entstanden". Was wohl auch daher rührt, dass die musikalische Begleitung der spontanen Aktionen improvisiert war.

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