Vegan: mehr als Gemüse und Körner

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Ein Besuch beim veganen Brunch des Vereins Animal Rights Watch Ostwürttemberg zeigt, wie vielfältig vegane Ernährung ist. Was aus pflanzlichen Zutaten gezaubert werden kann.

Schwäbisch Gmünd

Die Tage werden kürzer und kälter. Morgens bedeckt der Tau die Wiesen und die abgeernteten Felder. Aber der Herbst lockt auch mit kulinarischen Genüssen, wozu sich regionale Produkte wie Kartoffeln, Zucchini oder Kürbis hervorragend eignen. Gerichte aus heimischen Obst und Gemüse lassen sich wunderbar zu deftigen, wärmenden Gerichten verarbeiten.

Ein Besuch beim veganen Brunch des Gmünder Teams von Animal Rights Watch (Ariwa) Ostwürttemberg präsentierte die ganze spannende Palette veganer Kost, die sich auf mehr als nur Körner, Gemüse und Salat beschränkt. Die folgenden Rezepte und Anregungen stammen von den Ariwa-Mitgliedern.

Die Grundprodukte der veganen Küche sind Vollkornprodukte und Getreide, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen verfeinert mit vielen Gewürzen. In Kombination mit heimischen Zutaten lassen sich die wunderbarsten Gerichte zaubern, dazu braucht es nur eine erweiterte "Grundausstattung" an Gewürzen und Zutaten. "Vegane Kost ist keineswegs langweilig", erklärt Dr. Ina Neufeld. Viele Gerichte lassen sich "veganisieren", dazu bedarf es nur den Austausch einiger Produkte.

Ran an die Kochtöpfe

Ein Hokkaido-Kürbis dient als Grundlage für eine vegane Kürbissuppe. Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Möhren werden dazu zerkleinert oder gewürfelt. Das Kürbisfruchtfleisch wird in Stücke geschnitten, die Kerne zur Seite gelegt. Die Zwiebel und die Knoblauchzehe in heißem Öl anbraten, Möhren und Kürbisstücke hinzufügen und mit der Gemüsebrühe aufgießen. Nach 20 Minuten ist das Gemüse weich, zum Verfeinern Kokosmilch hinzugießen, die Suppe mit einem Stabmixer pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Als Garnitur eignen sich die angerösteten Kürbiskerne. Mit untergerührter Sojasahne wird die Suppe cremiger, die Zugabe von Ingwer bringt dem Gericht eine leichte Schärfe.

Ein herzhafter veganer Zwiebelkuchen gelingt ganz einfach. Für den Teig sollte Pflanzenmargarine verwendet werden, der Speck wird durch Räuchertofu ersetzt, Sahne gibt es vegan als Hafersahne, zum andicken eigenen sich pflanzliche Dickungsmittel.

Vegane Kost ist nicht langweilig.

Dr. Ina Neufeld Medizinerin

Hackfleisch ist in der traditionellen Küche ein absoluter Alleskönner, kann aber auch in veganer Version zubereitet werden. Mit Hackfleisch lassen sich jede Menge tolle und leckere Gerichte herstellen, ob Lasagne, Hackbraten, Fleischküchle, Chili con Carne oder auch Spaghetti Bolognese. Wer auf tierisches Hack verzichten möchte, hat dafür die Auswahl an veganem Hackfleisch aus Soja, aus Sonnenblumenkernprotein, aus Erbseneiweiß oder auch aus Weizeneiweiß. Es gibt "Küchenkniffe", die hilfreich sind, wenn das vegane Fleischküchle schön zusammenhalten soll, statt Eier einfach Kichererbsenmehl verwenden. "Man muss nur experimentierfreudig sein", lacht Neufeld.

"Die Supermärkte stellen sich langsam auf alternative Ernährungsformen um, viele Grundprodukte sind für vegane Ernährung in den Regalen zu finden", versichert Tatiana Cerulla die vor einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen und Gründen des Tierwohls ihre Ernährung umgestellt hat. Dass sich das Geschmacksempfinden ändert, gibt Tatiana zu. Wenn sie einmal Heißhunger auf etwas "richtig Deftiges" bekommt, greift die Stuttgarterin auch einmal auf Fleischersatzprodukte wie vegane Bratwurst. Die Zucchiniküchlein von Tatiana waren beim veganen Brunch beliebt. Die Zubereitung ist denkbar einfach. Man benötig Zucchini, Dinkelmehl und Leinschrot, Zitronen- und Olivenöl, Gewürze und Algen, das ganze scharf angebraten – fertig ist der Frikadellenersatz.

Grillabend ohne Grillwurst

Aber die vegane Küche kann noch mehr und zieht sich über den ganzen Globus, ob orientalisch oder asiatisch, mediterran oder Heimatküche, jede Geschmacksrichtung wird tierfrei bedient. Schon mal einen veganen Grillabend eingelegt? Die Umsetzung ist einfach und lecker, alternativ zu Steaks und Grillwurst einfach mal leckere Gemüsespieße auflegen. Es muss nicht immer Hackfleisch sein, Champignons lassen sich auch super mit herzhaft gewürztem Tofu füllen und die Fleischküchle sind durchaus durch Linsenfrikadellen austauschbar. Wer will, kann auch mit Seitan experimentieren.

Der Brunchbesuch zeigt: Die vegane Küche ist gar nicht so öde, wie manch einer vermuten mag.

Was ist eigentlich "vegan"?

Veganer sind Menschen, die keine tierischen Produkte wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier konsumieren. Auch tragen sie keine Kleidung oder Schuhe, die aus tierischen Materialien bestehen. Sie verwenden nur Kosmetikprodukte und Reinigungsmittel, die keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten und nicht in Tierversuchen getestet wurden. Darüber hinaus gehen Veganer nicht in Zoos oder besuchen keine Zirkusse mit Tieren. Veganer meiden die Nutzung von Tieren oder tierischen Produkten in allen Lebensbereichen. Sie tun dies meist aus ethischen Gründen, weil sie nicht wollen, dass Tiere für sie gequält und getötet werden. Auch der Umweltschutz und die Gesundheit sind Gründe für eine vegane Lebensweise. Quelle: Peta

Eine Scheibe abschneiden

Hand aufs Herz. Viele unter uns erfreuen sich an einem deftigen Stück Fleisch, feiner Wurst und anderen Gerichten mit tierischen Produkten. Menschen, die sich zu einer alternativen und daher tierfreien Ernährungsform entschieden haben, erfahren oft ein süffisantes Lächeln und werden gerne etwas abfällig als "Körnerfresser" tituliert.

Na ja, was kann vegane Küche schon, war der Gedanke beim Besuch des veganen Brunch des Gmünder Team von Ariwa Ostwürttemberg, der schnell in Staunen umschlug und völlig neue Erkenntnisse brachte. Schon der herzhafte Duft der Gerichte war verführerisch, die Präsentation der tierfreien Kost brauchte keinen Vergleich zu scheuen, für den Gaumen präsentierten sich die Gerichte als echte Geschmacksbomben. Herzhaft, deftig, fein und süß: Die vegane Küche überzeugt und beweist: Es muss nicht täglich Schnitzel sein.

Veganes Leben setzt sich nicht nur in der Küche fort, sondern ist eine echte Lebenseinstellung, die bei strenger Betrachtung, den Verzicht aller tierischen Produkte mit sich bringt. Die Küche selbst besteht aus weitaus mehr als nur "tierische Produkte weglassen". Mit Fantasie und Experimentierfreude können die wundervollsten Gerichte gezaubert werden, die – ehrlich gesagt – die fehlenden tierischen Produkte nicht vermissen lassen.

Die Disziplin, die von den Veganern bei der Umsetzung ihres Lebensstils an den Tag gelegt wird, ist von daher beachtlich, davon können sich einige "Fleischfresser" schon mal eine "dicke Scheibe" abscheiden.

Kartoffelsalat ohne Fleischbrühe

Ernährung Auch des Schwabens liebste Beilage können Köchinnen und Köche ohne viel Aufwand vegan zubereiten. Für einen veganen Kartoffelsalat einfach die Fleischbrühe durch Gemüsebrühe ersetzten. Ob's einen geschmacklichen Unterschied gibt? Probieren Sie's aus. Foto: JPS

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Viele unterschiedliche Gerichte haben die Köchinnen und Köche in Schwäbisch Gmünd zubereitet.
Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Leckere Kuchen gibt's beim Brunch – alle ohne Milch, Sahne oder Ei.
Auch Deftiges kommt auf den Teller ...
... oder auch eine wärmende Suppe.

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