Vereinssammlung: Zoff um Altpapier

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Der Fußballverein (FV) Unterkochen wird künftig kein Altpapier mehr sammeln. Symbolfoto: pixabay
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Der Fußballverein Unterkochen will keine Sammlungen mehr organisieren und kündigt den Vertrag mit der GOA. Warum der Vorsitzende sauer ist.

Aalen-Unterkochen

Bernd Mauß sagt über sich, dass er nicht so leicht aus der Ruhe kommt. Doch auf die GOA ist er im Moment richtig sauer. Er ist einer der Vorsitzenden des Fußballvereins (FV) Unterkochen. Seit er denken kann, sammelt der Verein im Aalener Teilort Altpapier. Etwa 30 Jahre, schätzt Mauß, verdienten die Mitglieder so etwas für die Vereinskasse. „Als kleiner Bub bin ich mit dem Leiterwagen zum Palm gefahren “, erzählt er.

Doch mit der Vereinssammlung ist jetzt Schluss. Seit ein paar Jahren ist es nicht mehr möglich, gesammeltes Altpapier direkt an die Papierfabrik Palm in Unterkochen zu verkaufen. Vereine müssen einen Vertrag mit der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung (GOA) abschließen. Zuletzt habe der FV Unterkochen das im November getan.

Im Vertrag steht, dass der Verein 35 Euro pro Tonne gesammeltes Altpapier bekommt. „Doch die Preise für Altpapier sind extrem gestiegen“, sagt Mauß. Ihm zufolge um etwa 100 Euro pro Tonne auf inzwischen rund 200 Euro pro Tonne. Also habe er bereits im Sommer bei der GOA nachgefragt, ob es nicht möglich sei, die Preissteigerung teilweise an die Vereine weiterzugegeben. Auf 70 Euro pro Tonne hat der Vorsitzende gehofft. „Die GOA verdient immer noch 200 Euro pro Tonne“, sagt Mauß. Doch die Antwort der GOA fiel nicht aus, wie erhofft. Es bleibt bei 35 Euro pro Tonne. GOA-Pressesprecherin Amanda Hausmann erläutert: „Diese Regelung wurde getroffen, da die GOA die Vereine für die Erbringung der Dienstleistung der Einsammlung von Altpapier bezahlt und nicht das Altpapier.“ Somit sei der Aufwand für die Vereine völlig unabhängig von den stark schwankenden Altpapierpreisen. „Ansonsten müsste der Sammelzuschuss bei einer negativen Markpreisentwicklung nach unten angepasst werden beziehungsweise sogar gestrichen werden, was sicherlich nicht im Sinne der Vereine wäre“, sagt Hausmann.

Allerdings, so die Pressesprecherin, verbesserten sich die Konditionen ab April. Dann gebe es einen „mengenabhängigen Vesperzuschuss“ von 2,50 Euro pro Tonne „und die Möglichkeit eines zehnprozentigen Zuschlags auf die Grundvergütung (3,50 Euro pro Tonne) bei einer Befüllung der gestellten Container mit mindestens 3,5 Tonnen Altpapier, statt bislang vier Tonnen.“ Das habe der Aufsichtsrat der GOA beschlossen. „Keine faire Reaktion“, findet Mauß. Der Vorsitzende ärgert sich darüber, dass die GOA die Vereine mit einem so geringen Betrag abspeise. Die Gesellschaft ist eine Tochter des Landkreises. „Als solche sollte sie die ehrenamtliche Arbeit der Vereine unterstützen“, findet der Vorsitzende. „Den Vertrag haben wir gleich gekündigt“, sagt er. Der Verein wird kein Altpapier mehr sammeln. „Unter diesen Bedingungen lohnt sich das nicht“, sagt Mauß. Früher einmal habe der Verein bei einer Sammlung zwischen 1000 und 1200 Euro verdienen können. Heute seien es nur noch rund 400 Euro. Mitverantwortlich macht der Vorsitzende auch die Blauen Tonnen der GOA. Dadurch habe sich die Menge an Altpapier reduziert, die die Menschen bei Vereinssammlungen bereitstellen. Ein bis zwei Mal im Jahr hat der Verein in Unterkochen Altpapier gesammelt. 30 Personen waren dafür einen Samstagvormittag lang im Einsatz. Das ist jetzt Geschichte.

Außer dem FV Unterkochen habe kein weiterer Verein gekündigt, sagt die GOA-Sprecherin. 192 beauftragte Vereine sammeln ihr zufolge noch Altpapier. Über 300 Sammlungen organisieren sie pro Jahr im Kreis.

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