Vergessene Kinder stärken

+
Es zieht sich quer durch alle Schichten: Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland in einer Familie auf, in der mindestens ein Elternteil suchtkrank ist. Symbolfoto: shutterstock

Bundesweite Aktionswoche für Mädchen und Jungen, die in suchtbelasteten Familien leben. Mit welchen Problemen sie kämpfen und wo sie Unterstützung finden.

Aalen

Daniel ist zehn Jahre alt. Er hat drei bereits erwachsene Geschwister und zwei jüngere Brüder. Sein Vater ist alkoholabhängig. Dadurch hat er schon viele Arbeitsstellen verloren und es kommt innerhalb der Familie häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Mutter versucht auszugleichen. Gelingt ihr das nicht, greift sie aus Verzweiflung selbst zum Alkohol.

Daniel ist eines von rund drei Millionen Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland mit mindestens einem suchtkranken Elternteil aufwachsen, berichtet die Caritas in einer Pressemitteilung. Mit einer bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien soll auf mögliche Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden.

„Kinder, die in einer suchtbelasteten Familie leben, sind in erhöhtem Maße Stress ausgesetzt, übernehmen oft zu viel Verantwortung in der Familie und erfahren zu wenig Sicherheit und Zuverlässigkeit. Die Gruppen für Kinder aus suchtbelasteten Familien bieten den jungen Menschen einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen können und der ihnen Sicherheit gibt“, erklärt Martina Marquardt, Leiterin der Caritas-Suchtberatungsstelle.

Als Daniel zur ersten Gruppenstunde der Kindergruppe „Kunterbunt“ kommt, wirkt er ängstlich, aber auch interessiert. Vor allem das Abschlussessen bereitet ihm große Freude, weil alle gemeinsam am Tisch sitzen und essen. In der Gruppenstunde „Ich weiß, was ich kann“ erzählt Daniel, dass er „nichts“ kann. Er kann sich in der Schule nichts merken, weil er schlecht schläft. Nachts macht er sich Sorgen, dass Papa wieder laut wird und mit Mama schimpft. Die anderen Kinder der Gruppe ermuntern ihn und melden ihm zurück, dass er so toll erzählen kann und er auch sehr gut malt.

Was wird Daniel nach Abschluss der Kindergruppe wohl bleiben? Die Erfahrung, angenommen zu werden, so wie er ist. Die Erkenntnis, dass es viele Kinder gibt, die in einer ähnlichen Familiensituation leben wie er. Das Erlebnis, auf sich selbst stolz sein zu können. Und das tiefe Wissen, dass er sich jederzeit vertrauensvoll an uns wenden kann, so Martina Marquardt.

Neben einem Elternabend und Beratungsgesprächen mit den Eltern finden neun Gruppenstunden statt, bei denen die Kinder Rückhalt durch andere erfahren können. Die Informationen zu einzelnen Suchtmitteln werden kindgerecht vermittelt. Kinder sollen Verständnis für ihre Situation erfahren und Problemlösungen entwickeln, so die Caritas.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare