Video-Interview mit Horst Haitzinger

Ein Leben für politische Karikaturen

+
Horst Haitzinger in seinem Büro in München. Hier entstanden jahrzehntelang seine bekannten Karikaturen zum Weltgeschehen.
  • schließen

Horst Haitzinger zeigt 150 seiner Karikaturen im Limesmuseum Aalen. Der bekannte Künstler trinkt ein Glas mit Lars und plaudert über sein Leben.

Aalen. Horst Haitzinger kann sich in der Öffentlichkeit unbemerkt bewegen. Erkannt wird er eher selten. Dabei kennt fast jeder Zeitungsfan diesen Mann. Haitzinger hat bis November 2019 im deutschsprachigen Raum Karikaturgeschichte geschrieben. Mehr als 16.000 pointierte Zeichnungen stammen aus seiner Feder. Auch die Schwäbische Post und Gmünder Tagespost druckte seine politischen Kunstwerke immer wieder ab. Am Sonntag, 10. Juli, eröffnet Haitzinger, inzwischen 83 Jahre alt, im Limesmuseum Aalen die Ausstellung „Mehr als nur Europa“ - Horst Haitzinger und die Antike in politischen Karikaturen. Vorab trafen wir ihn in seiner Wohnung in München.

Im Norden Münchens lebt Haitzinger mit seiner Frau in einem Mehrfamilienhaus. Zwei Wohnungen nebeneinander gehören ihm. In der größeren Wohnung wohnt er mit seiner Frau. Die kleinere Wohnung nebenan ist sein Büro. Bücher, Zeichnungen, Stifte, sein überschaubarer Schreibtisch, ein kleiner Küchentisch und ein Sofa stehen in der Wohnung. „Eigentlich wollte ich längst aufgeräumt haben“, sagt er. Hat er nicht. Bis 2019 hat er an dieser Stelle fast täglich das Weltgeschehen künstlerisch kommentiert.

Sein Arbeitstag war strukturiert. Am Schreibtisch um 9 Uhr, Nachrichten hören, Thema finden, Zeichnen. Wenn er bis 14 Uhr keinen Einfall hatte, wurde er nervös. Er hatte immer einen Einfall … immer – und zwar seit seinem 19. Lebensjahr. Seit 1968 ist er eine feste Größe als politischer Karikaturist. Strauß, Kohl, Merkel, Trump, Kriege, Umweltzerstörungen, politische Schweinereien – Haitzinger hatte immer etwas zu sagen – oder besser zu zeichnen. Und fast alle deutschen Zeitungen zählten zu seinen Kunden. Im November 2019 malte er zum letzten Mal eine Karikatur. Mit 80 Jahren ging er in den Ruhestand. „Bevor man meiner überdrüssig wird“, sagt er. Die Wahrheit ist: Seine Fangemeinde vermisst den wachen Geist.

Haitzinger bezeichnet sich selbst als „Grüner Realo“. Dabei ist er, wenn es um die innere Sicherheit geht, „eher konservativ“ und bei sozialen Themen „eher links“. Keinen Politiker, den er nicht karikiert hat, auch wenn ihm etwa beim US-Präsidenten Donald Trump manchmal nichts mehr einfiel. „Der war ja selbst eine Karikatur.“ Zeichnen konnte er ihn trotzdem. Nur bei Erich Honecker tat er sich schwer. Schwer tat er sich auch, als er damals den Politiker Uwe Barschel in eine Mülltonne legte. Kurz, nachdem er die Zeichnung an die Redaktionen gefaxt hatte, nahm sich Barschel das Leben. Er telefonierte sich die Finger wund, um die Karikatur zurückzuziehen. Die Karikatur wurde nie gedruckt.

Haitzinger kommt ohne PC aus. Das Digitale ist nicht seine Welt. Ein Handy hat er von einer seiner zwei Töchter bekommen. Er nutzt es aber kaum. Seine neue „Freizeit“ verbringt Haitzinger mit Malen. Er malt seit jungen Jahren, hat die Passion als Karikaturist aber zurückgestellt. Seine Ölgemälde sind unverkäuflich. Sind sie wertvoll? Haitzinger flüstert. „Ich kann Ihnen die Summe sagen, mit denen sie in den Ausstellungen versichert werden: zwischen 200.000 und 300.000 Euro.“ Er sagt das, ohne anzugeben. Das hat er auch gar nicht nötig.

Zum Tode von Helmut Schmidt zeichnete Haitzinger den Altkanzler im Politiker Olymp.

Sonderausstellung im Limesmuseum

„Mehr als nur Europa“ - Horst Haitzinger und die Antike in politischen Karikaturen. Ausstellung im Limesmuseum, 10. Juli bis 13. November.

Immer wieder hat der bekannte Karikaturist Vergleiche und Bezüge zur griechisch-römischen Antike verwendete. So kommen nicht nur Gebäude wie das Kolosseum in Rom oder der Parthenon in Athen vor, ebenso treten unterschiedlichste mythische Gestalten von Europa über Sisyphos bis hin zum Trojanischen Pferd auf. AIn der Ausstellung, die vom Limesmueum Ruffenhofen zusammen mit Haitzinger konzipiert wurde, werden etwa 150 Originale des Künstlers gezeigt und knapp kommentiert. Die Eröffnung findet am Sonntag, 10. Juli um 11 Uhr im Limesmuseum Aalen statt. Im Rahmen der Eröffnung spricht Dr. Matthias Pausch vom Limeseum Ruffenhofen mit dem Künstler Horst Haitzinger über die Ausstellung und seine Werke. 

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Kommentare