Viel Applaus am ersten Arbeitstag

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Dr. Joachim Bläse wird in der Sitzung am Dienstagabend von Regierungspräsident Wolfgang Reimer in das Amt des Landrates eingesetzt – und gibt gleich zehn Ziele seiner Amtszeit vor.

Aalen

Erster Arbeitstag für den neuen Landrat: Im Kreistag, vor 230 Gästen, ist Dr. Joachim Bläse am Dienstagabend in Aalens Stadthalle von Regierungspräsident Wolfgang Reimer ins Amt verpflichtet worden. Sekt und Häppchen dann zum Feierabend – coronagerecht. Viel Applaus, Zuspruch, beste Wünsche und Gottes Segen waren Bläse zuvor und danach sicher. Der Landrat revanchierte sich mit einer langen Dankesliste und einer "Regierungserklärung".

Sportliche To-do-Liste

Rockiger Auftakt mit "Staubstumm", der Band der Stiftung Haus Lindenhof. "Jeder Mensch ist OK" hallt es in die Halle "und Joachim Bläse ganz besonders", ist die Band sicher. Großartig musizierten später auch das Percussionsensemble der Musikschule Waldstetten und das Gmünder Kurorchester.

Als Erste darf Kreisrätin Julia Landgraf-Schmid (Grüne) ans Rednerpult treten. Sie dankte zunächst Claudia Bläse, die ihren Mann künftig noch weniger sehen wird und ihm trotzdem ihr OK gab. Der geborene Landrat sei Bläse, findet Landgraf-Schmid. "Sie begegnen jedem gleichermaßen wertschätzend", sagt sie und setzt dann an, zu einer Metapher über den Läufer Bläse. Langstrecke, nicht Sprint sei der Landratsjob und Erfolgsrezepte für Athleten siegten auch in der Kommunalpolitik, trug sie eine sportliche To-do-Liste für ihn vor.

Tipps vom RP-Chef

Regierungspräsident Wolfgang Reimer umriss die Herausforderungen, denen sich auch der Ostalbkreis stellen muss. Corona, die Transformation der Arbeitswelt, ein heruntergespartes Gesundheitswesen, eine drohende Finanzkrise und noch vieles mehr gelte es zu meistern. Dennoch bestehe Grund zu Optimismus, denn die Wirtschaft sei zu stabilen Wachstumsraten fähig. "Verzichten Sie auf Haushaltssperren. Der Staat wird aus den Schulden herauswachsen", riet er Bläse und den Bürgermeistern im Saal. Impulse der öffentlichen Hand seien wichtiger denn je, um die Volkswirtschaft am Laufen zu halten. Das RP werde den Landkreis unterstützen, wie bisher und ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen, verspricht Reimer

Bläse habe ein fantastisches Wahlergebnis erzielt. 64 von 72 Stimmen seien ein Vertrauensbeweis und solide Basis für erfolgreiches Wirken. Kritik werde es trotzdem geben. "So ist das in der Demokratie. Zum Glück".

OB Rentschler ein Hellseher

Eben dieses "beinahe nordkoreanische Wahlergebnis" habe er vorhergesagt, präsentiert Aalens OB Thilo Rentschler danach lachend einen "Beweiszettel". Rentschler sprach für die kommunale Familie. Er wünscht Bläse "ein gutes Händchen, Glück und Gesundheit". Drei Komponenten machten einen gute Landrat aus, sagt Rentschler: "Langjährige Erfahrung als Bürgermeister, Respekt vor der Aufgabe sowie konstruktive, ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit." Dr. Bläse vereine dies alles, weshalb das Amt bei ihm in besten Händen sei. Das Denken in Altkreisen sei altbacken und der Landkreis werde unter Bläse noch enger zusammenwachsen, ist Thilo Rentschler überzeugt.

Dekanin empfiehlt Moses

Grüße der Kirchen überbringt Gmünds Dekanin Ursula Richter. "Gmünd wird sie vermissen, aber der Landkreis sich über ihre Talente freuen", sagt sie. Ein Teamplayer, der guten Stil pflege, sei Bläse, einer, der die Menschen mitnimmt. "Und besonders kümmern sie sich um die, die nicht auf der Sonnenseite stehen", würdigt Richter ihn. Für sein Amt wünscht sie ihm "Weisheit und ein demütiges Herz". Und würden ihm die Regierungsgeschäfte mal zu viel, dann möge er an Mose denken. 70 Menschen habe der Allmächtige mit göttlichem Geist versehen und Moses an die Seite gestellt, als dieser allzu sehr klagte. "Und 70 Köpfe etwa zählt doch auch der Kreistag", lacht sie.

Bläses Zehn-Punkte-Programm

Dank hat Bläse abschließend für jeden, der ihn auf dem Weg ins Amt unterstützt hat. Der christliche Glaube sei sein Fundament. Sein Ziel sei es, die Mitte der Gesellschaft in Bewegung zu bringen. Und weil das Amt des Landrats Ziele brauche, hat er für seine Amtszeit ein Zehn-Punkte-Programm formuliert, das er in Überschriften verliest.

  • 1. Die wirtschaftliche Stellung halten, Arbeitsplätze sichern und vor allem jungen Menschen Perspektiven schaffen.
  • 2. Corona beherrschen, das Gesundheitswesen ausstatten.
  • 3. Die Infrastruktur kreisweit nachhaltig aufstellen, vor allem Breitband ist hier der Faktor.
  • 4. Mobilität neu denken.
  • 5. Die Klinikstruktur zukunftssicher aufstellen.
  • 6. Mithelfen, die Klimaschutzziele 2030 zu erreichen.
  • 7. Sauberkeit und Sicherheit.
  • 8. Soziales Miteinander weiterentwickeln.
  • 9. Die Finanzen stabil halten.
  • 10. Marketing und Kommunikation weiter vorantreiben.

Geschehen soll dies mit einer "inneren Haltung im Sinne des europäischen Geistes" und nicht des Nationalismus. "Wenn das Land uns in der Flüchtlingsfrage braucht, dann werden wir uns nicht wegducken", sagt er. Und: "Ich bin stolz auf unsere Demokratie. Wir sollten nicht am Stuhl sägen, auf dem wir sitzen. Im Ostalbkreis ist kein Platz für Populismus, Rassismus, Antisemitismus, Extremismus oder mangelnde Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern." Tosender Applaus.

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