Volles Sturm reißt alle mit

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Winteroper mit Mozarts Figaro: Michael Volle, Gabriela Scherer, Michaela Maria Meyer und Marcus Bosch (v.l.).
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Mozart "Le nozze die Figaro" bei den Opernfestspielen Heidenheim mit Starbariton Michael Volle wird vom Publikum minutenlang gefeiert.

Eine Urgewalt. Stimmlich. Aber auch als Darsteller. Bariton Michael Volle ließ am Sonntagabend im Heidenheimer Festspielhaus CCR das Publikum im ausverkauften Haus vergessen, dass es sich bei dieser "Nozze di figaro" um eine konzertante Aufführung handelt und wurde seinem Prädikat "Weltklasse" überaus gerecht. Volle tigerte mal liebestoll, dann wieder rasend vor Eifersucht über die Bühne. Und machte mit seiner Darbietung die diesjährige Heidenheimer Winteroper zu einem ganz besonderen Ereignis. Der Lohn dafür: mehrere Minuten lang stehender Applaus und Bravo-Rufe. Für Volle, aber auch die Leistungen der anderen Sängerinnen und Sänger und einer unter dem Dirigat von Marcus Bosch temporeich, filigran und keck aufspielenden Cappella Aquileia. Flaniert wurde diese vom gepflegt agierenden Vokalwerk Nürnberg. Sie alle setzten gemeinsam das reich gedeckte Tableau an Emotionen in Mozarts Musik mitreißend um.

Emotionen – die freilich nicht nur den Grafen Almaviva umtreiben, der von Volle so agil besetzt wird mit seinen packenden Bariton. Der zu donnern ebenso vermag wie zu schmeicheln. Susanna vor allem, der Kammerzofe seiner Ehefrau, die Figaro heiraten möchte, auf die der Graf aber beide Augen geworfen hat. Sopranistin Michaela Maria Meyer packt selbstbewusst Leidenschaft und List in ihren Part; Sopranistin Gabriela Scherer als Gräfin Almaviva, auch im richtigen Leben die Partnerin von Volle, Milde und Enttäuschung – die beiden Frauen sind zusammen ein starkes, sich stimmlich mehr als gefällig ergänzendes Gespann.

Sich genüsslich auf der Bühne auszutoben gelingt auch Ida Aldrian als Cherubino – herzergreifend warm, hell und klar ihr Mezzo.

Auch Zlatka Khershberg als Marcellina und Laura Louisa Lietzmann als Barbarina schaffen es, mit ihren vergleichsweise kurzen Partien zu gefallen – viele starke Frauen hat dieser Abend zu bieten.

Und die Männer, allen voran als Figaro Lancelot Nomura? Halten sich wacker angesichts des Testosteronsturms, den Volle entfacht. Nicht erst am Ende wird das Publikum von diesem mit- und hingerissen.

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