Vom bösen Junker Hans, den Bauern und einem Pudel

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Die Ruinen der Kocherburg, Von hier aus hat sich der grausame Junker Hans einst auf die Jagd gemacht. Die Bauern aus dem Dorf mussten ihm dabei helfen.
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Ein gewalttätiger Vogt lebte wohl einst auf der Kocherburg. Was Artur Grimm über die Sage und ihren Wahrheitsgehalt weiß.

Sie kennen offenbar keine Furcht. Denn schon seit einiger Zeit legen Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Initiative Ruine Kocherburg und die Ostalb-Archäologie GbR diese frei. Dabei soll dort nach seinem Tod noch lange Zeit der Junker Hans als Geist herumgespukt haben. Auch von einem schwarzen Pudel ist mitunter die Rede, der auf der Kocherburg einen Goldschatz bewachen soll. Der aber hat wiederum etwas mit der Sage von den "Schwestern von der Kocherburg" zu tun. Beide Überlieferungen hat Emil Bayer mit in sein Buch "Sagen der Heimat zwischen Albuch und Ries" mit aufgenommen. Bayers Sammlung wurde zu seinem 130. Geburtstag von der Stiftung Literaturforschung Ostwürttemberg mit Sitz in Lautern erneut herausgegeben.

Oberes Kochertal: Junker Hans

Acht Teile hat das Buch, in denen jeweils die Sagen einer Raumschaft wie Ellwangen, Bopfingen, Neresheim oder Lauterburg/Rosenstein zusammengefasst sind. Einige Sagen hat diese Zeitung schon auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft. Diesmal geht es um den grausamen Vogt.

Von dem hat auch Artur Grimm von der Initiative Ruine Kocherburg natürlich schon gehört. "Das war vermutlich einer der Ellwanger Fürste", sagt er. Das Gebiet der ehemaligen Fürstpropstei habe ja bis an die Grenzen des heutigen Ostalbkreises gereicht. Und Junker Hans sei vermutlich derjenige gewesen, der das Gebiet Oberer Kocher verwaltet habe. "Ellwangen war weit weg. Und offenbar war der Vogt ein Hundling."

Der Sage nach auf jeden Fall. Denn nach dieser soll der Vogt ein wilder Jäger gewesen sein, grausam und gewaltig. War ihm nach seiner Leidenschaft, dem Jagen, holte er die Bauern aus der Kirche, um mit ihnen eine Treibjagd zu machen. "Der bekam die Jagd nicht alleine hin", so Grimm.

Dass das nicht gut ankam, versteht sich von selbst. Die Bauern verfluchten ihn. Und so spukte er nach seinem Ableben er Sage nach noch ordentlich rum. "Mit Ross und Wagen fuhr er über den Steilhang des Berges von der Kocherburg herab (...) begleitet von seinem ganzen Jagdgefolge und der bellenden Meute", schreibt Bayer. Zu dem gehörten, so Grimm, offenbar auch Pudel. "Das waren damals Jagdhunde." Sie hätten sogar Schwimmhäute gehabt.

Die Wahrheit über den Pudel

Offenbar war der Vogt ein Hundling.

Artur Grimm Heimatforscher

Ob die Pudel nun zu Junker Hans oder den Schwestern gehören – fest steht: bei den Ausgrabungen wurden tatsächlich zumindest Pudelnachweise gefunden. Ein grünglasiertes Ofenkachelfragment aus Ton, das einen Pudel zeigt. Und neben der Felsenhöhle unterhalb der Ostmauer der Kocherburg wurden Tierknochen entdeckt. Die wurden von Archäozoologen untersucht und heraus kam bereits 2013: "Das ist ein Pudel", so Grimm.

Die meisten Sagen hätten immer einen realen Hintergrund, so Artur Grimm. Bekannt wäre die vom Junker Hans aber in der Bevölkerung nur noch den über 70-Jährigen. "Ich bin jetzt 83, die Hälfte der Unterkochener ist über 60," sagt er.

Aufgeschrieben wurde die Sage aber nicht nur von Emil Bayer. Auch der ehemalige Ortsvorsteher Karl Maier hat sie in ein Büchlein übernommen. Dies wurde im Jahr 2012 zum 875-jährigen Jubiläum des Stadtteils Unterkochen herausgegeben und handelt "Von Legenden und Sagen rund um die Kocherburg".

"Sagen der Heimat" ist erhältlich im örtlichen Buchhandel oder beim Einhorn-Verlag. Es kostet 20 Euro. Mail: Kontakt@einhornverlag.de

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Artur Grimm an der Mauer der Kocherburg-Ruine.

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