Durchgekaut

Von Bubaspitzla und Brezga

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Jürgen Steck über das Schwäbische, das man nicht aufgeben darf

Es gab eine Zeit, da war volkstümelnde Musik der letzte Schrei. Und geschrien haben sie alle irgendetwas, das sich zumindest so anhören sollte, als wären sie alle mit Stefan Mross im oberbayerischen Traunstein in die Schulklasse gegangen. Egal, ob die Interpreten aus Hamburg, Bielefeld oder aus dem Ostalbkreis kamen: Zünftig ist es nur, wenn es sich bayerisch anhört. Wenn Schwaben meinen, singen zu müssen wie Bayern singen: Das ist nicht nur kein Hörgenuss. Das ist auch grundfalsch. Weil Plagiate selten besser sind als das Original. Und weil es auch von mangelndem Selbstbewusstsein zeugt. Schwäbisch ist nicht nur die Sprache des immer noch beliebtesten Ministerpräsidenten. Es ist auch die Sprache, in der mit die schönsten Volkslieder gesungen werden. Wir denken an das wunderbare "Karle, trag du da Schirm, mi friert's an d'Fiaß", das ja kein Quatschlied ist, sondern unverhohlene Kritik an der wilhelminischen Monarchie, weil es zur Melodie der Kaiserhymne zum Vortrage kam. Oder die wunderbaren, herzhaften Alois"-Strophen, die man aus Schwäbisch Gmünd kennt. Oder Willi Seilers "Gsangverei‘". Oder "Nex verkomma lassa" von Ernst Mantel. Oder das "Linsengericht" von den Stumpfes. Womit wir bei der Kulinarik sind – und dem Bezug zu dem Ostermenü auf dieser Seite. Dieses ist wunderbar. Doch über zwei Dinge muss ich mit Florian Schäfauer, dem Chefkoch, bei Gelegenheit mal reden: Darüber, das Schupfnudeln bei uns "Buabaspitzla" heißen – und "Brezn": Das sind "Brezga" fai, gell?

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