Von Fasnachtsküchla, Krapfen und Berliner

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Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer steht in der Küche und macht seine persönlich ersten Fassnachtsküche.
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Warum Fettgebackenes lustig macht, die Fasnacht ohne nicht vorstellbar ist und der Hefeteig belebend auf die Sinne wirkt. Ein Selbstversuch.

Ellwangen

In grauer Vorzeit wurde die Fasnacht erfunden und mit ihr ein paar kulinarische Besonderheiten, die wir an dieser Stelle näher ergründen möchten. Wie allgemein bekannt ist, geht die Fasnacht der Fastenzeit unmittelbar voraus. Deshalb werden noch heute in der fünften Jahreszeit gerne all jene Dinge verspeist, die zumindest in katholischen Gegenden danach tabu sind: Würste, süßes Gebäck, Schokolade und Bonbons.

Um Würste und Bonbons werden wir uns später kümmern. Hier geht es um das süße Gebäck und wem fiele da nicht zuallererst das Sprüchlein ein, mit dem früher die Kinder von Haus zu Haus zogen: "Luschdig isch die Fasenacht, wenn mei Mudder Kiachla bacht, wenn se aber koine bacht, pfeif i auf die Fasenacht." Als Dank für das Sprüchle gab es dann ein Fasnachtsküchle und damit wären wir beim Thema.

Die "Fasnachtskiachla" sind elementarer Bestandteil meiner Kindheitserinnerungen und es war höchste Zeit, selbst welche zu backen. Natürlich sollten sie genau so werden, wie die von meiner Mutter. Und deshalb machte ich mich zuerst einmal an die Recherche.

Was sind eigentlich "Fasnachtskiachla" oder "-küchle"? Man findet dazu im Internet einiges heraus. Zum Beispiel, dass sie aus Hefeteig im heißen Fett gebacken werden. Und dass es die Fasnachtsküchle in unterschiedlichen Formen gibt. Im österreichisch/bayrischen Sprachraum nennt man sie "Krapfen", im Norddeutschen "Berliner Pfannkuchen" oder einfach "Berliner". Im Kochbuch meiner Mutter finden sich dazu gleich mehrere Rezepte, unter der Rubrik "Fettgebackenes". Die Grundlage dafür ist ein süßer Hefeteig.

Den Hefeteig zu kneten ist eine Herausforderung, das erkenne ich schnell, als 500 Gramm Mehl, 12 Gramm Hefe, 100 Gramm Zucker, ein Achtel Liter lauwarme Milch, 100 Gramm Butter, ein halber Teelöffel Salz und ein Ei an meinen Händen kleben. Kleiner Tipp: es empfiehlt sich, etwas zusätzliches Mehl bereit zu legen, und sich mit dessen Hilfe vom Hefeteig zu befreien.

Während ich den Teig in einer abgedeckten Schüssel an einen warmen Platz stelle und eine Stunde "gehen lasse", mache ich mich an den Topf mit heißem Fett, in dem die Fasnachtsküchle gebacken werden. Ich erinnere mich noch gut an daran, wie ich als Kind neben dem Herd stand und staunte, wie die Hefeteigstücke goldbraun herausgebacken wurden. Als Bauernfamilie, die jeden Januar ein Schwein schlachtete, kam bei uns als Fett für die Kiachla natürlich nur das frische Schweineschmalz in Frage. Nach dem Backen stand der Topf noch wochenlang in der kühlen Speisekammer. Das Schmalz wurde natürlich weiter verwendet, entweder für weitere Fritiergerichte, löffelweise zum Anbraten oder auch einfach als Brotaufstrich.

Nach reiflicher Überlegung verwende ich doch lieber Margarine statt Schmalz, wegen der Kalorien und auch weil es preiswerter ist. So zwei bis drei Kilo Fett sollte man schon haben, damit der Hefeteig auch darin schwimmen kann.

Laut Rezeptbuch wird der Teig für die "ausgezogenen Küchle" ausgewellt und dann mit einem Glas kreisrund ausgestochen. Doch mittlerweile interessiert mich das Rezept nicht mehr. Es muss die Hefe sein, die meine Fantasie anregt und mich zum Experimentieren bringt. "Man kann doch die Stücke beliebig formen", denke ich und beginne aus dem Teig meine ganz eigenen Fasnachtsküchle zu formen: dünn Ausgezogene, runde dicke Böbbel, Kringel mit Loch. Wahrscheinlich ging es Till Eulenspiegel nicht anders, als er damals "Uhlen un Apen" statt der langweiligen Brötchen gebacken hat. Wahrscheinlich war Fasnacht und da passen Eulen und Affen doch viel besser. 

Ob sich die Hefen bewusstseinserweiternd oder vielmehr -befreiend auf den menschlichen Organismus auswirken? Den Teig mit den Händen zu drücken, zu kneten, in Stücke zu schneiden, wieder zusammenzuballen und erneut zu formen: das ist kreativ und macht eine Menge Spaß. Und irgendwie ist der Hefeteig ja auch wirklich lebendig, wenn man sieht, wie die Teigstücke noch einmal aufgehen, bis das Fett heiß ist.

Dann geht es ganz schnell: der Teig fällt in das siedende Fett und taucht erst einmal ab. (Vorsicht vor den Spritzern, die sind heiß!) Schnell steigt er auf und schwimmt an der Oberfläche. Mein Fett ist zu heiß, die Küchle werden schnell braun bis dunkelbraun und sollten ja auch noch umgedreht werden. Dann zum Abtropfen auf ein Gitter legen, abkühlen lassen, mit Puderzucker bestreuen und essen.

Meine Fasnachtsküchle sind am Ende denen aus meiner Erinnerung an früher relativ unähnlich. Doch geschmacklich sind sie herrlich wie einst und der Duft in der Küche, wenn die frischen Küchle auf dem Tisch stehen: das ist Fasnacht.

Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer steht in der Küche und macht seine persönlich ersten Fassnachtsküche.
Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer steht in der Küche und macht seine persönlich ersten Fassnachtsküche.
In heißem Fett werden die Küchle ausgebacken.
Die fertigen Küchle.
Schmeckt! Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer hat seine ersten Fasnachtsküchle fertig.
Die Zutaten für den Teig der Fasnachtsküchle werden miteinander vermengt.
Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer steht in der Küche und macht seine persönlich ersten Fassnachtsküche.
Bitte recht freundlich. Die fertigen Fasnachtsküche werden für das Bild drapiert.
Schwäpo-Redakteur Gerhard Königer steht in der Küche und macht seine persönlich ersten Fassnachtsküche.
Beobachtet von der Kamera backt Gerhard Königer die Fasnachtsküchle im siedenden Pflanzenfett aus
In heißem Fett werden die Küchle ausgebacken.
Die Zutaten für den Teig der Fasnachtsküchle werden miteinander vermengt.

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