Von fiesen Gräfinnen und einem Höllenhund in Lauchheim

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Werner Kowarsch kennt die Burggeschichte gut.
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Warum die "Gräfinnen von Gromberg" noch herumspuken sollen und wie zwar nicht ihrer, aber doch ein Schatz gefunden wurde.

Was ist Wahrheit, was ist Dichtung? Wenn man die Geschichten liest, die der Aalener Oberlehrer Emil Bayer einst in seinen "Sagen der Heimat zwischen Albuch und Ries" zusammengetragen hat, dann stellt sich diese Frage unweigerlich. Zu seinem 130. Geburtstag im Dezember 2019 ist Bayers Sagensammlung von der Stiftung Literaturforschung Ostwürttemberg mit Sitz in Lautern erneut herausgegeben worden. Ein Buch, aufgeteilt in acht Raumschaften wie Ellwangen, Bopfingen, Neresheim/Härtsfeld oder Lauterburg/Rosenstein. Insgesamt 125 meist kurze Texte, die in der neu aufgelegten Fassung durch Kunstdrucke, Gemälde und Fotografien ergänzt wurden. Einige Sagen aus dem Buch haben wir unseren Leserinnen und Lesern schon näher vorgestellt. Nun machen wir uns auf die Spuren dreier Lauchheimer Damen mit blauem Blut.

Lauchheim/Kapfenburg: die Gräfinnen vom Gromberg

Wobei schon der Titel getrost unter der Kategorie Dichtung eingeordnet werden kann, wie Werner Kowarsch, Heimatforscher und ehemaliger Lauchheimer Bürgermeister erklärt. "Das waren sicherlich keinen Gräfinnen", sagt er. Lediglich Adelige: "Die Fräuleins von Gromberg sagt man hier", fährt Kowarsch fort. Die drei Schwestern zu Gräfinnen zu machen, das klinge ganz nach dem Heimatforscher Dr. Gerlach, der immer mehr aus einer Sache gemacht habe. Aufgeschrieben zu einer Zeit, in der die Lauchheimer relativ bedeutungslos gewesen seien und sich mit solchen Geschichten zu mehr Selbstbewusstsein verholfen hätten. "Da wurde manchmal auch ein wenig übertrieben", sagt Kowarsch.

Blumig gedichtet ist die Sage auf jeden Fall. Drei Töchter habe der Graf von Gromberg gehabt, so ist bei Bayer in Reimen zu lesen. Eine davon blind. Als er starb, brachten zwei davon die Blinde um ihr rechtmäßiges Erbe. Gut ging das nicht aus, obwohl, so die Sage "Gar stolz bald Freier ritten Zur Burg bei Lauchheim viel ...". Doch beim lustigen Jagen scheuten die Pferde, die Schwestern fielen mit den Augen voraus in die Dornen und erblindeten ebenfalls. Und obwohl die Burg längst zerfallen war, würden die Schwestern dort immer noch "klirren mit dem Golde", so die Bayer-Sage.

Tatsächlich sind noch Mauerreste dort zu sehen, wo die Burg einst gestanden hat. Ebenso sieht man den Verlauf eines Burggrabens. Dass es die Burg gab, ist nicht strittig, so Kowarsch. Man wisse, dass die Gromberger zur Zeit der Staufer in Lauchheim ansässig waren, dass sie mehrere Burgen und Kirchenpatronate in der Gegend hatten. "Sie gehörten zum bedeutenden Adel, die Gromberg, die den Mittelpunkt der Sage bildet, war der Stammsitz." Von dort und der Kapfenburg aus habe man vermutlich die Handelsstraße, die heutige B29, ins Ries überwacht. 1378, längst verlassen und bereits Ruine, sei die Burg verkauft worden.

Von Irrlichtern und Höllenhund auf dem Gromberg

Die Sage aber, die die Lauchheimer kennen, sei ein wenig anders und nicht so ausgeschmückt wie die aus Bayers Buch. Zwar geht es in dieser auch um die drei Töchter, die blinde, jüngste, aber auch in dieser Version Betrogene, habe ihr Geld für eine Messe gestiftet. Eine nach der anderen sei gestorben, die zwei Sehenden würden aber weiter auf dem Gromberg irrlichtern. Ihr Geld sei von einem Höllenhund bewacht worden. An Fronleichnam aber habe der keine Macht und in einer solchen Nacht hätten die Jesuiten es geholt, um auf dem Schönenberg die Wallfahrtskirche zu bauen. "Der Ort wird aber nicht gemieden und es ist auch nicht bekannt, dass es dort spukt", sagt Kowarsch. "Sie klirren mit dem Golde, davon kann keine Rede sein." Bis 1980 aber habe es im Ort zwei Frauen gegeben, die glaubten, dass noch Geld auf der Gromberg sei. "Die sind mit ihrem Sohn und einem Leiterwagen da rauf gezogen und haben den Schatz gesucht." Aber auch wenn die Jesuiten es nicht geholt hätten – normalerweise habe man bei der Auflösung einer Burg das Geld ja mitgenommen – so Kowarsch. Gefunden worden sei dort nichts.

Ein Schatz unter einer Lauchheimer Kellertreppe

Allerdings: Gold gefunden wurde in Lauchheim trotzdem, wenn auch nicht auf dem Gromberg. Bei Renovierungsarbeiten hatte ein Lauchheimer Bürger in seinem Keller unter einer Steinplatte 2008 einen wahren Schatz entdeckt: 84 Goldgulden aus dem 15. Jahrhundert waren in einem Tongefäß verborgen. Kowarsch mutmaßt, dass dieses Geld wohl von den letzten Lauchheimer Grombergern vergessen wurde. "1496 taucht ein Baltes Gromberg mit seiner Frau Anna noch in der Reichssteuerliste auf", so Kowarsch. Ersichtlich sei daraus, dass die Familie betucht gewesen sei. Mit der Sage habe das nichts zu tun. Die Goldgulden stammen aus dem 15. Jahrhundert.

Die Schwestern von Gromberg aber haben einen festen Platz in der Stadt bekommen. Einmal im Jahr werden sie wieder zum Leben erweckt. Bei den Bettelsacknarren, wo es jetzt die Gromberger Fräuleins gibt.

"Sagen der Heimat" ist erhältlich im örtlichen Buchhandel oder kann beim Einhorn-Verlag bestellt werden. Es kostet 20 Euro. Mail: Kontakt@einhornverlag.de

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