Von giftig bis schmackhaft

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Darinka Ilse (62) kann jede Pflanze am Wegesrand bestimmen. Wenn es knifflig wird, zieht sie ihr Pflanzenbestimmungsbuch zu Rate.
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Darinka Ilse zeigt bei einer Wanderung rund um Essingens Köpfle, was auf Wiesen und am Wegesrand wächst und welche Tricks so manche Pflanze auf Lager hat.

Essingen

Mit seinem Äußeren kann er nicht gerade punkten: In unscheinbarem Grün wächst der Aronstab am Wegesrand. Aber: Die inneren Werte zählen. „Er bietet Fliegen ein lauschiges Wohnzimmer und duftet nach Aas“, erklärt Darinka Ilse während einer Kräuterwanderung rund um Essingens Köpfle. Ohne Duft und Wärme hätte die Pflanze kaum eine Chance, von Fliegen beachtet und befruchtet zu werden, wie die 62-Jährige erklärt. „Sobald der Duft eine Fliege anlockt, wird sie im Innern festgehalten, um die Pflanze zu bestäuben. Danach wird sie wieder freigelassen“, erklärt die Kräuterkennerin sinngemäß.

Es geht weiter. Strecke wird dabei keine gemacht. Nach einigen Schritten hält die Essingerin meist inne und wirft einen genauen Blick auf das Grün zu ihren Füßen. „Hier haben wir eine Einbeere, die wächst selten“, sagt sie und zeigt auf eine vierblättrige Pflanze, die paris quadrifolia im Fachchinesisch heißt. In den kommenden Monaten wird sich eine giftige Beere auf dieser bilden. Und was, wenn diese gegessen wird? „Das macht man nicht, denn sie schmeckt grässlich“, sagt die 62-Jährige. Wer es dennoch tut, müsse sich auf Übelkeit und Erbrechen einstellen. Im Mittelalter hätten die Menschen die Frucht in ihre Kleidung eingenäht. „Sie dachten das schützt vor der Pest. Dass dem nicht so ist, haben wir ja gesehen“, erzählt Darinka Ilse.

Begutachten, nicht abreißen ist das Motto der Kräuterfrau, die bei Weleda in Schwäbisch Gmünd arbeitet und Kräuterwanderungen im Programm des Essinger Albvereins anbietet. Eine Ausnahme macht sie beim Giersch, der entlang des Pfads in Mengen wächst. „Den kann man wie Spinat zubereitet oder in einen Quark schneiden“, erklärt sie und zupft vorsichtig einen Stängel zum Betrachten ab.

Anregungen fürs Mittagessen gibt es im Wald noch mehr. Die Koblauchranke kann statt Knobi oder Bärlauch in den Salat wandern, wie Darinka Ilse sagt. Aber nur in frischem Zustand, sonst gehe das Aroma verloren. Auch lecker: Löwenzahn. „Den vergisst man oft. Er ist eine tolle Heilpflanze.“ Vor der Blüte könnten die Blätter für einen Wildsalat verwendet werden. Die Bitterstoffe seien gut für Leber und Galle und könnten bei Appetitlosigkeit zum Einsatz kommen. „Getrocknet kann man sie für einen Tee verwenden.

Die 62-Jährige geht weiter durch den Wald und erreicht eine Wiese. Gräser über Gräser sprießen dort, vereinzelt Gänseblümchen und Spitzwegerich. Eigentlich nichts Besonderes, oder? „Gänseblümchen sind gute Heilpflanzen“, betont Darinka Ilse. Arnika für arme Menschen werde das Gewächs auch genannt. Es helfe bei Prellungen oder Zerrungen. Und Spitzwegerich kann so manche Wanderung erträglicher machen. Denn: „Wenn man gestochen wird, kann man das Blatt zwischen den Fingern verreiben und auf den Stich legen. Dann juckt es nicht mehr.“

Einige Meter entfernt sprießt Waldmeister. „Wenn er richtig blüht, kann man eine Maibowle draus machen.“ Dazu müsse die Pflanze welk sein. Erst dann entwickle sich der typische Geschmack. Aber Achtung: Zu viel Bowle verursacht Kopfweh. „Das kommt vom Cumarin, das blutverdünnend wirkt.“

Wenn es die Corona-Lage zulässt, will Darinka Ilse eine Kräuterwanderung anbieten. Infos dazu unter www.essingen.albverein.eu

Ein Video zeigt die vorgestellten Pflanzen unter www.schwaepo.de.

Gänseblümchen sind ganz tolle Heilpflanzen.“

Darinka Ilse, Pflanzenexpertin

Maibowle

Erkennen kann man Waldmeister an einem eckigen Stängel, der Blattquirle und den weißen Blüten.
Der NABU steuert das Rezept bei: Man füllt einen Liter trockenen Weißwein in ein Gefäß und hängt für eine Stunde kopfüber ein Bündel mit fünf bis zehn Waldmeisterpflanzen hinein. Die Stielansätze vom Wein fernhalten, damit keine Bitterstoffe austreten. Erdbeer- oder Minzeblätter, Orangen- oder Zitronenscheiben passen dazu. Anschließend die Flüssigkeit abseien und einen Liter Sekt hinzufügen. Für die alkoholfreie Variante Apfelsaft und Sprudel verwenden.

Das Lungenkraut kann seine Blütenfarbe wechseln. „Die roten Blüten sind befruchtet, die blauen noch nicht“, erklärt die 62-Jährige.
Der Aronstab lockt Fliegen auf besondere Art an.

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