Von teuren Masken und leeren Betten

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70 Pflegestellen sind an die Kliniken Ostalb derzeit nicht besetzt.
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Auch jenseits von Standortfragen haben die Kliniken Ostalb mit Herausforderungen zu kämpfen. Welche Probleme es gibt - und welche möglichen Lösungsansätze vorgeschlagen werden.

Aalen

Zu hohe Verluste und zu wenig Personal: Das sind zwei wichtige Treiber der Debatte um die Zukunft der drei Klinken im Ostalbkreis, der Stauferklinik in Mutlangen, des Ostalbklinikums in Aalen und der Virngrundklinik in Ellwangen. Aktuelle Zahlen, vorgelegt im Verwaltungsrat der Klinken Ostalb, untermauern den Handlungsdruck.

23,3 Millionen Euro (Vorjahr: 14,1 Millionen Euro) musste der Landkreis im Jahr für die drei Kliniken aufwenden. Ein Grund ist die Coronapandemie. Durch Corona konnten Betten nicht belegt, Operationen nicht durchgeführt werden - zwar gab es eine Pauschalzahlung, die ist aber nicht auskömmlich. Zudem ist der Sachkostenbedarf gestiegen - so mussten Unmengen an FFP2-Masken und Schutzkittel angeschafft werden. Kleines Beispiel: Im Jahr 2019 wurden 30 780 FFP2-Masken benötigt, im Jahr 2020 waren es schon 343 319 und im Jahr 2021 dann 1 145 447 Stück. Und die waren zeitweise richtig teuer. Und obwohl es weniger Fallzahlen gab und viele Betten leer standen, hat man volle Personalkosten. Und dazu noch Geld ausgeben müssen für Honorarkräfte, weil Personal ausgefallen ist. In diesem Jahr dürfte der Abmangel noch höher ausfallen. Die Klinikverwaltung rechnet mit einem Verlust von 24,8 Millionen Euro. Zur Wahrheit gehört aber auch: Bereits in den Jahren vor Corona sind die Kosten für die Kliniken immer mehr aus dem Ruder gelaufen, lagen etwa im Jahr 2018 bei 12,5 Millionen Euro. 

Der Blick aufs Personal ist ähnlich. In der Pflege fehlen 90 „Vollkräfte“, bei den Ärzten sind es knapp 20 Stellen. Dabei scheint das Problem nicht zu sein, dass die Kräfte abwandern. „Wir haben Probleme, Stellen nachzubesetzen“, sagt Personalvorständin Sylvia Pansow. Was sich auch bemerkbar macht, sind geänderte Rahmenbedingungen. So sollen Ärzte künftig zwei freie Wochenenden haben im Monat, weniger Bereitschaftsdienste und einen Tag Urlaub mehr. Das ist gut für die Ärztinnen und Ärzte - die Klinik braucht aber unterm Strich mehr ärztliches Personal. Dramatischer scheint sich der demografische Wandel auszuwirken: Bei den Ärzten scheiden in den nächsten zehn Jahren 17 Prozent altersbedingt aus, im Pflegedienst 22 Prozent der Mitarbeitenden, bei den Funktionsdiensten - etwa im OP-Bereich oder in Ambulanzen - 27 Prozent und im medizinisch-technischen Bereich sogar 31 Prozent. Kein Problem, aber eine Herausforderung: Dadurch, dass Medizin immer weiblicher werde, gebe es auch mehr Fehlzeiten wegen Schwangerschaften.

Probleme bei den Ärzten aus Sicht der Verwaltung: Um den Übergang in den nächsten Jahren gestalten zu können, muss klar sein, wohin die Reise geht. Als problematisch wird auch betrachtet, dass viele Chefärzte und Leitende Ärzte in den Ruhestand gehen. Erfahrungsgemäß dauere es etwa ein Jahr, bis eine solche Stelle nachbesetz ist. Insbesondere in Ellwangen könnte dies ein Problem sein. Mögliche Maßnahme könnte, etwa in der Orthopädie, wo es „einen massiven Personalmangel“ gibt - sein, ein Konzept für eine „standortübergreifende Lösung“ zu erarbeiten. In der Radiologie in Aalen müsse überlegt werden, wer zukünftiger Betreiber ist, dann, wie die Neonatologie erhalten werden kann und bei der Urologie in Ellwangen, wo diese zukünftig verortet ist. 

Probleme in der Pflege: Schon jetzt fehlen, um alle Betten zu betreiben, rund 70 Pflegefachkräfte. Und pro Jahr hören rund 120 auf. Von den Pflegeschülern nehmen nur gut die Hälfte ein Übernahmeangebot an. Das bedeutet im Übrigen auch und egal, wie man das findet: Wenn Pflegekräfte fehlen, können Betten nicht belegt werden - und können auch keine Umsätze gemacht werden. Maßnahmen könnten sein, mehr Stellen für Teilzeitkräfte anzubieten, in die Mitarbeiterbindung zu investieren - und die Übernahmequote bei Auszubildenden zu erhöhen. 

Probleme gibt es zudem, Stellen im OP-Bereich nachzubesetzen. Es fehlen Mitarbeiter in der Anästhesie und auch Hebammen. Bei den Hebammen allerdings erwartet man eine Entspannung, weil die Akademisierung des Berufs einen kleinen Boom ausgelöst hat. Maßnahmen könnten sein, die entsprechenden Ausbildungsaktivitäten zu verstärken. 

Und schließlich gibt es Probleme, Stellen in den Bereichen Physiotherapie, Labor und bei den Radiologie-Assistenzen. Maßnahmen könnten hier sein, Ausbildungsplätze zu schaffen - und das Labor zu zentralisieren.

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