Vor allem Männer zocken seit Corona mehr

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Laut der KKH Kaufmännischen Krankenkasse spielen insgesamt 61 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen aktuell Computerspiele – egal ob online oder offline. Jeder dritte Mann und jede vierte Frau zocken an mindestens zwei Tagen pro Woche, je 18 Prozent der Frauen und Männer teils sogar täglich. Symbolbild

Rollenspiele & Co. verzerren Realität, aber ein Experte der KKH Kaufmännische Krankenkasse betont auch positive Effekte.

Aalen. Ob online oder offline, ob am PC, an der Konsole, mit Tablet oder Smartphone: Seit der Corona-Krise spielen vor allem immer mehr Männer Computerspiele. Obwohl die Lockdown-Phasen längst vorbei und sämtliche Aktivitäten seit geraumer Zeit wieder möglich sind, daddelt laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH - Kaufmännische Krankenkasse aktuell jeder achte Mann häufiger als vor der Pandemie. In der Lockdown-Phase 2020 gab dies einer ähnlichen KKH-Umfrage zufolge sogar jeder fünfte männliche Gamer an. Auf das Spielverhalten der Frauen scheint sich die Pandemie hingegen weniger auszuwirken: Aktuell zockt nur jede 13. Frau mehr als zuvor. 2020 gab dies immerhin jede achte Gamerin an. 

Laut der KKH spielen insgesamt 61 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen aktuell Computerspiele – egal ob online oder offline. Jeder dritte Mann und jede vierte Frau zocken an mindestens zwei Tagen pro Woche, je 18 Prozent der Frauen und Männer teils sogar täglich. Mit Blick auf die Spiellänge gibt es hingegen größere Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Deutlich mehr Männer als Frauen daddeln lieber länger, vor allem an den Wochenenden: Mehr als die Hälfte der Gamer spielt dann mindestens eine Stunde täglich an PC, Konsole, Tablet oder per Smartphone – im Gegensatz zu rund einem Drittel der Gamerinnen. 16 Prozent der Männer spielen samstags und sonntags täglich mindestens zwei Stunden und länger, neun Prozent sogar mindestens fünf Stunden. Dies trifft hingegen nur auf acht beziehungsweise ein Prozent Frauen zu. An den Werktagen gamen beide Geschlechter etwas weniger lange.

„Spielen bis zum Umfallen – das ist offenbar immer noch die Ausnahme“, bilanziert Michael Falkenstein, Experte für Suchtfragen bei der KKH. Dabei ist nicht jeder, der mehrere Stunden am Stück spielt, auch automatisch süchtig. Laut Falkenstein gibt es aber klare Alarmsignale. Dazu gehört etwa, die Kontrolle über Häufigkeit und Dauer des Spielens völlig zu verlieren, das Spielen nicht abbrechen zu können, vor andere Aktivitäten zu stellen und auch bei negativen Konsequenzen weiterzumachen. „Süchtig nach Computerspielen ist jemand, der seine Familie und Freunde, die Schule oder die Arbeit vernachlässigt, der sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt, kaum noch schläft, Hobbys und sportliche Aktivitäten sausen lässt.“

Gründe für mehr oder weniger exzessives Computerspielen sind Spaß, Zeitvertreib, Stressabbau und das Abschalten vom Alltag. Für Männer scheint darüber hinaus die Gruppendynamik entscheidend zu sein. Das hatte bereits die KKH-Umfrage aus dem Jahr 2020 gezeigt. 22 Prozent von ihnen spielen, weil es die Freunde auch tun. Dies trifft aber nur auf sechs Prozent der Frauen zu. Michael Falkenstein wundert das nicht: „Männer bevorzugen häufig Spiele, in denen sie sich mit anderen, eben auch mit Freunden, messen können. Das sind zum Beispiel Rollenspiele.“ Diese können besonders fesseln, denn die Übernahme einer Rolle ist meist mit einer starken Identifizierung verbunden. „Online-Rollenspiele können Bedürfnisse befriedigen, die viele in der realen Welt vermissen“, erläutert der KKH-Experte. Besonders Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl nutzen solche Games, um sich von Frust und Unsicherheit zu befreien. Denn: Durch Erfolgserlebnisse im Rollenspiel können Misserfolge im Alltag leichter kompensiert werden. Falkenstein weist aber auch auf die positiven Effekte von Computerspielen hin. „Wenn Spielerinnen und Spieler sich mit anderen zusammenschließen, erleben sie nicht nur gemeinsam etwas, sondern gehen auch soziale Verpflichtungen ein.“ Gerade in den Lockdown-Phasen der Pandemie seien Computergames eine Möglichkeit des sozialen Austausches gewesen. Wer allerdings jeden Tag und dann noch mehrere Stunden am Stück spielt, riskiert eine Sucht und damit seine Gesundheit.

Um exzessiv spielenden Menschen zu helfen, sei es vor allem wichtig, die Ursachen für eine Sucht zu ermitteln, erläutert Falkenstein. Das können etwa Depressionen oder soziale Angststörungen, aber auch eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. Solche Erkrankungen können eine Spielsucht auslösen, die wiederum andere Erkrankungen wie Fettleibigkeit, verstärkten Alkohol- und Nikotinkonsum, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Augenprobleme verursachen kann. Menschen, die nicht mehr vom Spielen loskommen, sollten sich Hilfe suchen – etwa bei einer Suchtberatungsstelle oder in einer Selbsthilfegruppe.

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