Waldstettens Bücherei jetzt mit einem essbaren Buch

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100 Jahre Bücherei: Den Festakt gestalten unter anderem Manfred Fischer, Dr. Horst Walter, Nele Groß und Luisa Kühn.
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Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Waldstetten. 

Waldstetten. Eine bewegte Geschichte steht hinter den 100 Jahren, seit denen in Waldstetten die Katholische Bücherei geöffnet hat. Von Höhen und Tiefen, anklagenden Pfarrern nach dem Weltkrieg, enteigneten Büchern in der Nazizeit und Heiligengeschichten, die sich wie ein Thriller lesen, handelte am Sonntag der Festakt anlässlich des Jubiläums im Begegnungshaus am Kirchberg.

„Mal sehen, ob die Hitze Besucher abhält“, blickte Büchereileiterin Birgit Deckert-Rudolph, die seit 20 Jahren die Einrichtung führt, gespannt zum Eingangsbereich der Begegnungsstätte. Keine Frage, die 35 Grad, die das Thermometer am Sonntagnachmittag in Waldstetten zeigte, luden nicht gerade dazu ein, sich auf den Weg nach draußen zu begeben. Oder einem Festakt beizuwohnen. Doch die Befürchtung der Leiterin war unbegründet, denn schon wenige Minuten später strömten die Gäste. Manche mit einem Fächer, der beharrlich bewegt wurde, andere mit einem Taschentuch parat, wenn eine Schweißperle ihren Weg suchte. „Ein Büchereijubiläum kann zu einer heißen Sache werden“, kommentierte Pfarrer Dr. Horst Walter schelmisch grinsend die Temperaturen. Er machte klar, dass 100 Jahre eine „stolze Zeit“ sind. Die Abkürzung KÖB für Katholische Öffentliche Bücherei interpretierte er neu. Sah das „B“ als „Beköstigung“, die umfassend sei angesichts der Bücherzahl und der Qualität. Oder er sah das „B“ als „Begegnungsort“. Denn das Mitarbeiterteam sehe seit jeher die Bücherei nicht nur als „anonyme Ausleihstelle“, sondern als einen Ort, „wo man Blicke und Beratung geschenkt bekommt“. 

Für dieses große „fachliche und menschliche Engagement“ dankte er von Herzen. 4300 Exemplare gebe es in der Bücherei. „Und seit heute 4301.“ Denn der Pfarrer überreichte ein ganz besonderes Buch: gebacken und aufgeschlagen als Kuchen, mit leckerer Zuckerglasur.

Bürgermeister Michael Rembold erinnerte sich zurück an seine Anfangszeit als Schultes von Waldstetten. Und eine der ersten Handlungen sei der Umzug der KÖB vom Rechbachweg hoch auf den Kirchberg gewesen. Er beschrieb die KÖB „als Teil des wunderbaren Kulturnetzwerks in all seiner Vielfalt“. Im Blick hatte er die Nachbarschaft zur Kunst- und Musikschule. Er beschrieb die Bücherei sinnbildlich mit einem Garten, in dem es vielfältige Blumen und Blüten gibt. Das Lesen eines Buches verglich er mit „Pilgern in Gedanken“, in eine andere Welt, entschleunigt von einem allzu hektischen Alltag. 

Gemeinsam mit der Musikschule sei man als „Hausgenossen“ unterwegs in Sachen Kultur- und Persönlichkeitsbildung, stellte Deckert-Rudolph mit Blick auf Manfred Fischer fest. Der begleitete die beiden Querflötistinnen Nele Groß und Luisa Kühn am Klavier. Fast spürte man den kühlenden Wind im Gesicht des Vogels, als das Trio die Andenmelodie „El Condor Pasa“ spielte. Nicht minder anregend war „Danses de Nègres“. Passende Absätze aus der Literatur zu 100 Jahren Bücherei bot Tilman John. Anne Eble und Bärbel Herrmann plauderten aus dem Mitarbeiter-Nähkästchen. Anja Jantschik

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