Wanderhoden, Zellteilung und verbale Inkontinenz

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Heinrich del Core im Gmünder Himmelsgarten.

Ein bestens gelaunter Heinrich del Core sorgt im Himmelsgarten für Amüsement.

Der Beifall nach einem 90-minütigen Dauerprogramm war am Freitagabend mehr als verdient. Mit Heinrich del Core ging das Open-Air-Festival "Mit Abstand am Besten" in die zweite Runde, vor ausverkauftem Haus.

Nach einem halben Jahr wieder vor Publikum spielen zu dürfen kommentierte der Kabarettist mit "ihr habt mir so gefehlt". 500 Besucher sind laut Corona-Verordnung für Freiluftveranstaltungen derzeit genehmigt und über diesen lag während der gesamten Vorstellung ein unterschwelliges Gelächter, das durch lauten Beifall immer wieder unterbrochen wurde.

Das neue Programm von del Core, "Glück g'habt", konnte der stets mit roten Schuhen auftretende Künstler nach seiner Premiere lediglich ein paar Mal präsentieren. Die halbjährige Zwangspause hatte dem Comedian sichtlich nicht geschadet, denn voller Elan und Spielfreude hüpfte der Entertainer von einem Thema zum nächsten. Bekannte Nummern sorgten ebenso für Amüsement wie neue Geschichten, "alle selbst erlebt", wie der bekennende Italo-Schwabe versicherte.

Vorbereitung ist der halbe Auftritt, allerdings stellt eine in Aussicht gestellte Veranstaltung in der neu zu bauenden Vollzugsanstalt in Rottweil den Künstler vor größere Überlegungen, man könne die Insassen ja schlecht mit "seid ihr freiwillig da?" oder "wer hat eine Eintrittskarte geschenkt bekommen?" begrüßen. Wie sich Häftlinge vermehren, fiel del Core dann doch ein, "durch Zellteilung".

Mit verklärtem Blick schaute der Entertainer zurück in die Familienurlaubsreisen in Vaters Ascona "mit 60 PS" und dem permanenten Gequengel der Fahrzeuginsassen. Dank multimedialer Unterhaltungselektronik bekommen die Kids heute von einer stundenlangen Autofahrt nichts mehr mit – "am Ziel muss man die aus dem Auto zerren". Ach ja, und wie schön waren die Zeiten der jährlichen Kreuzfahrt. Die Gäste würden immer jünger, bemerkte del Core, "so ab 70 aufwärts". Die Lösung dieses Phänomens hatte der Entertainer gleich mit im Gepäck: "Rundumversorgung und billiger als ein Seniorenwohnheim." Ob das vorgeschaltete "MS" bei Schiffen "Mumien im Schlepptau" bedeutet, diese Frage konnte er nicht beantworten.

Er sprang aber übergangslos zu seinen Erfahrungen im Supermarkt über. Heinrich geht nicht gerne einkaufen, der Grund, "ich finde dort nichts". Sein Wunsch nach einem "Einkaufsnavi" fand bei den Gästen lautstarke Zustimmung. Und natürlich steht Heinrich – wie fast alle Besucher lautstark zustimmten – "immer an der falschen Kasse". Und dann seine Begegnung mit der Polizei bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle, hier sei seine "verbale Inkontinenz" nicht förderlich.

Der gelernte Zahntechniker schwelgte in Erinnerungen an seinen früheren Beruf, erstmals urkundlich erwähnt sei das Handwerk des Zahntechnikers im Jahr 1517, als Martin Luther seine "95 Prothesen" an die Schlosskirche von Wittenberg nagelte. Die darauffolgende persönliche Erfahrung eines Zahnarztbesuches weckte in den Zuschauern eine kollektive Erinnerung und Mitleid und gipfelte in der Erkenntnis, "Zahnärzte sind die Einzigen, die für Sadismus bezahlt werden".

Seine Gesundheit liegt del Core sehr am Herzen, seine "Wanderhoden" und die empfohlene Therapie "die Eier hochlegen" begeisterten einmal mehr. Ob nach seiner äußerst bildhaften Beschreibung einer Darmspiegelung die Anwesenden sich solch einer Vorsorgeuntersuchung noch unterziehen, sei dahingestellt.

Auf Wunsch des Publikums verabschiedete sich der Italo-Schwabe mit seinem Erfahrungsbericht über ein "Hightech-Bad", oft gehört, aber immer wieder ein purer Genuss für Ohren und Fantasie.

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