Wandern am schwäbischen Canyonle

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Die Donaufelsen-Tour. SDZ-Grafik: ca
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Ein Premiumwanderweg der ganz besonderen Art ist die Donaufelsen-Tour im Naturpark Obere Donau - ideal für einen Wochenendausflug im Ländle.

Fridingen

Schuld ist eigentlich Ottmar Schweizer: schuld daran, dass diese Wanderung an diesem Tag an dieser Stelle vorgestellt wird. Ottmar Schweizer, langjähriger Mögglinger Bürgermeister und mittlerweile großer Wanderfreund, hatte mir diese Region dringend anempfohlen: jene Gegend, die die touristischen Vermarkter des Naturparks Obere Donau selbstbewusst als "schwäbischen Grand Canyon" bezeichnen. Zugegeben, das Obere Donautal gehört nicht zum Ostalbkreis. Dennoch, in Zeiten wie diesen, in denen die Ostälbler Ausflugsziele in der Heimat den großen Flugreisen vorziehen, habe ich mir das einmal angeschaut – und möchte eine Runde dort, vielleicht die Königsetappe, vorstellen – und zur Nachahmung empfehlen.

Vorab: Es gibt den Donauberglandweg, der von Lemberg bis Beuron führt und der gut in vier Etappen zu meistern ist. Ist super. Wir haben uns aber für die Reihe "abgesteckt" für eine Rundwanderung entschieden, die an einem Tag gut zu schaffen ist, wenngleich sie wegen der rund 600 Höhenmeter auf knapp 16 Kilometern nicht ohne ist: die "Donaufelsentour", quasi das Filetstück des "Schwäbocanyons", bei Fridingen gelegen.

Der Start: Wo beginnt eine Rundwanderung? Das ist eine Frage, deren Beantwortung eine grundsätzliche Erörterung wert wäre. Die wir uns aber hier aus Platzgründen schenken. Wir starten am Knopfmacherfelsen. Dort ist ein großer Parkplatz – und wir haben eine Höhe von bereits 766 Metern, worüber wir uns freuen. Wenngleich wir, als wir darüber nachdenken, erkennen, dass wir bei einem Rundkurs nichts gewinnen, wenn wir hoch beginnen, eher im Gegenteil. Dass es am Knopfmacherfelsen ein schön gelegenes Ausflugslokal gibt, hat mit der Entscheidungsfindung nichts zu tun. Ist aber auch nicht schlecht. Zumal es dort einen Getränkeautomaten gibt, an dem wir uns mit gepflegten Kaltgetränken versorgen für die Wanderung. Bevor es losgeht mit dieser, schauen wir am Knopfmacherfelsen vorbei, einer von vielen Aussichtspunkten – und gleich ein gewaltiger. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick in diesen Canyon hinein. Der Fels hat seinen Namen im Übrigen nach einer Sage, in der der Knopfmacher Fidelis Martin eine Rolle spielt und zudem eine Frau. Die Geschichte geht nicht gut aus für den Knopfmacher, verhilft ihm aber immerhin zur Unsterblichkeit, weil der Fels jetzt so heißt.

Die Wanderung: Nun geht die eigentliche Wanderung los. Wir entscheiden uns dafür, in Richtung Jägerhaushöhle und Schloss Bronnen zu starten. Es geht zunächst gemütlich bergab, ein romanischer Weg. Kein Problem. Nun geht's über die Donau: Steinquader, die im Flussbett liegen, helfen beim Queren.

Die Höhepunkte: Dann geht es zackig hoch, an der Jägerhaushöhle vorbei, die wir uns anschauen: eine große Halle. In ihr wurden in den 1970er Jahren zahlreiche Knochenwerkzeuge und Jagdwaffen aus der Mittelsteinzeit gefunden. Da lebten Menschen, wohl in der Zeit zwischen 5000 und 8000 vor Christus. Kurz darauf, nach weiterem Anstieg auf einem steilen Felsenweg, sind wir am Schloss Bronnen, majestätisch gelegen mit Blick auf alles, was schön ist. Früher war's das Jagdschloss derer von Enzberg. Jetzt ist es verpachtet. Schöne Panoramaussichten gibt's nun an ganz vielen Stellen entlang des Weges. Und ein weiterer Höhepunkt ist die Ruine Kallenberg, wo wir grob die Hälfte erreicht haben. Gevespert, das gehört zur Wahrheit, haben wir schon vorher an einem der vielen Aussichtspunkte. Auch von der Ruine aus: Panorama pur. Nun es geht es, teils steil, bergab durchs Wolfental zur Ziegelhütte, wo man einkehren kann. Wir überqueren die Donau ein zweites Mal – und müssen, erst gemächlich, dann weniger gemächlich wieder die Höhe gewinnen, über die wir uns zu Beginn gefreut haben. Vorbei am Skihang Antoni erreichen wir die Mattheiser Kapelle, erbaut im Jahr 1921 zur Erinnerung an im Ersten Weltkrieg Gefallene. Als wir dort vorbei kommen, sehen wir Liegende, ein gutes Dutzend Männer auf Herrenausflug, sichtlich erschöpft von was auch immer, teils schlafend. Von dort ist es nicht mehr sehr weit – und wir sind wieder am Ausgangspunkt der Wanderung, am Parkplatz Knopfmacherfelsen.

Unser Fazit: eine klasse Wanderung in stetem Auf und Ab, dadurch auch etwas für Menschen, die sportliche Touren bevorzugen. Die Landschaft ist großartig. Ob's den Titel "Canyon" verdient: Canyonle tät's auch.

Die Wanderung lässt sich gut verbinden mit einem Ausflug in die Region oder aber mit einem Abstecher an den Bodensee: Stockach ist nur 21 Kilometer entfernt von Fridingen.

www.donaubergland.de/wandern/donauwellen/

Statt einer Brücke: die Donau auf Felsquadern queren.
Eine große Sache: die Jägerhöhle, zu Urzeiten bewohnt.
Blick hinauf zum Schloss Bronnen.
Unten fließt die Donau, links und rechts davon erheben sich felsige Berge. Burgen, Schlösser und Ruinen säumen den aussichtsreichen Weg: die Donaufelsen-Tour ist ein Genuss.

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