Wandern wie im Märchenwald

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Die Hafental-Runde beginnt in Spraitbach, idealerweise an der Schule dort. SDZ-Grafik: Carmen Apprich
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Unterwegs im Hafental: In der aktuellen Ausgabe unserer Reihe mit Wandertipps aus der Region geht es wild zu – und es gibt zum Schluss eine leckere Überraschung.

Spraitbach

Du immer mit Deinem Rosenstein", das höre ich immer wieder, wenn ich die schönen Wanderungen preise, die es am Albtrauf rund um Heubach gibt. In der Regel folgen dann Sätze, die meist beginnen mit "Warst Du überhaupt schon mal in Dingenskirchen?" Ähnlich war es bei der Wanderung, die wir dieses Mal in unserer "abgesteckt"-Reihe vorstellen möchten: "Warst Du schon einmal im Hafental?", das hat jemand gesagt, der dort schon schöne Touren erlebt hat. Ich war noch nicht dort, wusste, um ehrlich zu sein, zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass es ein Hafental gibt im Ostalbkreis. Denn Schifffahrt ist ja jetzt nicht so Thema hier bei uns. Um es vorwegzunehmen: Schiffe gab's keine dort. Aber es ist eine Wanderung geworden, die absolut empfehlenswert ist.

Alles beginnt in Spraitbach, das zum Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald gehört, als einzige Gemeinde aus dem Ostalbkreis zusammen mit Gschwend und Lorch. Dort, in Spraitbach, kann man gut parken – etwa an der Schule – und die Wanderung starten. Leicht bergabwärts geht es unterhalb der Tennisplätze und dann vorbei am idyllisch gelegenen Vereinsheim des Fischereivereins Spraitbach, wo uns ein aus verzinktem Blech gestalteter Angler grüßt. Es geht im Anschluss durch die Flora eines netten Waldstückchens, bevor wir das Kohlgehau erreichen, ein Gehöft mit einer ehemaligen Hofstelle, wo jetzt Ferienwohnungen vermietet werden. "Wenn dieses Haus so lange steht, bis alle Schuld und Angst vergeht, dann bleibt es alle Zeit bestehen, bis diese Welt wird untergehen", steht da, in Stein gehauen, an einer Hauswand. Passt irgendwie in diese Corona-Zeit. Wir wandern dennoch weiter.

Im Anschluss geht es durch hügelige Wiesen, vorbei an einem Hof mit frei gehaltenen Tieren leicht bergab in Richtung zu einer ehemaligen Ölmühle. Und jetzt wird es richtig märchenhaft. Da liegen alte, eisenbeschlagene Wagenräder, die Moos angesetzt haben. Ein alter Pflug steht am Weg, Handpumpen und anderes landwirtschaftliches Gerät: Alles so drapiert, dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlt. Ein Bänkle gibt's auch, sodass man eine Pause machen kann, bevor es in den Wald geht, unterhalb des Gehöftes vorbei – in Richtung Hintersteinenberg, wie auf einem kleinen Holzschildchen steht. Wir folgen dem Lauf des Reichenbaches, ein abenteuerlicher Weg, der immer wieder den Bachlauf quert. Mal helfen stabil gebaute Holzbrücken, mal welche, die nicht ganz so stabil scheinen, uns aber tragen.

Wenn dieses Haus so lange steht, bis alle Schuld und Angst vergeht, dann bleibt es alle Zeit bestehen.

Spruch an einer Hauswand

Die Waldluft ist wunderbar, sattes Grün vor allem am Gewässer, eine Atmosphäre wie in einem Märchenwald, der Weg abwechslungsreich und, ja, ein wenig trittsicher sollte man schon sein. Sogar einen richtigen kleinen Wasserfall sehen wir. Im Anschluss, auf jetzt wieder festerem Pfad, folgen wir ein Stück dem Luitgenwaldweg, bis wir auf den Hafentalweg kommen. Am Luitgenbrünnele kommen wir vorbei – und, oberhalb des vorher gegangenen Weges wieder zurück zur Ölmühle. Dort gehen wir nun in die andere Richtung auf den Hafental-Rundweg: dem Wegzeichen des Albvereins folgend, ein blauer Querstrich. Es geht über Wiesen und Auen entlang des Gewässers zum Reichenbachstausee, wo Angler ihr Glück versuchen. Wir folgen weiter dem blauen Wegzeichen, bis wir ein Schild finden, auf dem auf das Hofcafé hingewiesen wird. Und weil wir gehört haben, dass es dort gute Kuchen und Fladen geben soll, machen wir uns auf den Weg dorthin: Es stimmt! Das haben wir selbstlos recherchiert. Unterhalb des Cafés gibt es übrigens eine schöne Marienkapelle, die Blasius Kurz in den ersten Nachkriegsjahren erbaut hat, wovon ein historischer Zeitungsartikel kündet, der in dem Kapellchen ausgehängt ist. Im Anschluss stärken wir uns im Hofcafé – und wandern weiter nach Spraitbach, am Waldrand entlang.

Fazit: eine abwechslungsreiche Wanderung, die auf gut zehn Kilometern Wegstrecke eine unglaubliche Vielfalt bietet. Gut drei Stunden sollte man einkalkulieren, wenn man die schöne Landschaft etwas genießen möchte. Man braucht ordentliches Schuhwerk, richtige Wanderschuhe sind besser als Turnschuhe.

Der Reichenbachstausee liegt idyllisch in einer Talsenke. Angler versuchen dort ihr Glück.
Mit der Zeit wächst Moos über das Rad am Wegesrand.
Mit dieser Schwengelpumpe wurde einst Wasser gehoben.
Im Hafental bei Spraitbach sieht es ein wenig aus wie in einem Märchenwald. Und der Weg ist ein richtiges kleines Abenteuer.

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