Warum Klettern ein Teamsport ist

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Marlene und Sven erklären, was man beachten muss, um sicher zu klettern.
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Beim Schnupperkurs in der Aalener Reiner-Schwebel-Kletterhalle lernt man, worauf es beim Klettern ankommt.

Aalen. „Ganz schön hoch“, denke ich, während ich vor einer Kletterwand in der Reiner-Schwebel-Halle stehe. Aber Nervosität zeigen möchte ich nicht, schließlich sind die anderen Teilnehmer des Kletterschnupperkurses zum Großteil im Grundschulalter. „Die Schnupperkurse für Erwachsene werden nicht so gut angenommen, die machen dann eher gleich Grundkurse“, erläutert Marlene Ronecker, die gemeinsam mit Sven Nitsche den Kurs leitet.

Andererseits gibt es gar keinen Grund zur Nervosität. Denn bevor es losgeht, erklären Sven und Marlene Schritt für Schritt, was beim Klettern zu beachten ist. Die Kurzfassung: Wenn der Gurt richtig sitzt, befestigt man das Sicherungsseil daran. Das andere Ende des Seils ist am Gurt von Marlene oder Sven befestigt, die uns sichern. Besonders wichtig, bevor es losgeht, ist der Partnercheck. Sicherende und Kletternde überprüfen dabei, ob alle Karabiner und Knoten richtig sitzen und die Verbindung sicher ist. Außerdem lernen wir die Kommandos, die man beim Klettern nutzt, und wie wir uns richtig von der Wand abstoßen, um sicher wieder nach unten zu gelangen.

Marlene und Sven gelingt dabei irgendwie der Spagat dazwischen, die Kinder zu ermutigen und sie nicht dazu zu drängen, höher zu klettern, als sie eigentlich möchten. Aber schließlich haben sie auch schon Erfahrung. „2019 haben wir beide den Betreuer-Lehrgang gemacht“, erzählt die 21-jährige beim Klettern. Seitdem haben sie und Sven die Befugnis, andere Kletterer zu sichern und Kurse zu leiten.

Um sich nicht zu verletzten, muss man sich beim Herunterlassen mit den Füßen von der Kletterwand abstoßen.

Klettern ist ein Teamsport

Dann bin ich dran. Spätestens beim Partnercheck wird mir noch einmal klar, was Sven vorhin meinte, als er sagte, Klettern sei ein Teamsport. Schließlich muss ich Marlene vertrauen, aber ich fühle mich sicher.

Wer nach oben will, kann entweder „bunt“ klettern, also alle angeschraubten Klettergriffe nutzen. Oder aber man entscheidet sich nur für eine Farbe. „Das ist dann eine Route“, erklärt Marlene. Die einzelnen Routen werden von verschiedenen Kletterernden getestet, dann wird ein Schwierigkeitsgrad bestimmt. Ich nehme gelb, eine einfache Route für den Anfang.

„Am besten gehst du seitlich hoch“, sagt mir Marlene. Und gibt uns den Tipp, uns hauptsächlich mit den Beinen abzustoßen, um nach oben zu kommen. „Da hat man mehr Kraft“, sagt sie. Ein sehr guter Hinweis, wie wir später merken werden.

Dann geht’s los. Ich konzentriere mich darauf, irgendwie nach oben zu kommen und dabei tatsächlich ausschließlich die gelben Griffe zu nutzen. Und das ist gar nicht so einfach. Ich strecke Arme und Füße aus, nicht immer reicht es, sodass ich nochmal überlegen muss, wie ich tatsächlich weiterkomme. Dann stelle ich, fast schon überrascht, fest, dass ich tatsächlich ganz oben angelangt bin.

Ich schaue runter zu Marlene, denke mir erneut: „Ganz schön hoch“. Und freue mich über das Erfolgserlebnis. Ich hole mir die Kommandos in Erinnerung, die mir die Kursleiter zuvor erklärt haben und rufe „Zu“. Marlene zieht das Seil straff. Anschließend sage ich „Ab“, werde kontrolliert heruntergelassen und stoße mich von der Wand ab, bis ich wieder auf dem Bodene der Halle stehe. Das hat Spaß gemacht.

Marlene selbst klettert schon seit vielen Jahren und erzählt mir, was für sie den Reiz an diesem Sport ausmacht. „Man sieht wirklich seine Fortschritte“, sagt sie. Etwa, wenn man eine Route erklimmt, die vorher noch so schwierig zu meistern schien. „Und man gewinnt Körperspannung, bekommt ein besseres Körpergefühl“, ergänzt sie. Das kann ich auch als absoluter Laie nachvollziehen.

Beim Bouldern zählt die Technik

Wir dürfen uns noch ein bisschen austoben, klettern hoch und runter, bis es einen Ortswechsel gibt. Jetzt geht es in den Boulderbereich der Halle. Beim Bouldern ist man nicht gesichert, dafür ist die Wand auch nicht sehr hoch und der Boden mit weichen Matten ausgelegt. „Da kommt es mehr auf Technik an“, erklärt mir Marlene.

Der Boulderbereich ist mit weichen Matten ausgelegt.

Teilweise führen die Routen dort über einen sogenannten Torbogen, bei dem man irgendwann mit dem Rücken zum Boden an der Decke hängt. Ich versuche ein paar Mal, nach oben zu kommen, aber aber scheinbar fehlen mir Kraft und Koordination.

„Und, spürt ihr eure Arme schon?“, fragt Sven in die Runde. „Nein, ich spüre sie gar nicht mehr“, antwortet ein Mädchen lachend und ich verstehe genau, was sie damit meint. Da haben wir wahrscheinlich unsere Kraft zu wenig aus den Beinen geholt.

Was die Kletterhalle sonst noch bietet

Die zwei Stunden Schnupperkurs sind dann auch schon fast vorbei. Fast am Ende angekommen, zeigen uns Marlene und Sven, was die Kletterhalle sonst noch bietet. Etwa eine Strickleiter, die an die Decke führt. Und einmal mehr zeigt sich: Klettern ist ein Teamsport. Ein Kind klettert die Leiter nach oben, die anderen halten sie fest, damit es nicht zu wackelig wird.

Am Ende des Kurses geht es auf die Strickleiter.

Und weil das Beste zum Schluss kommt, schaukeln wir am Ende, heißt: Wir stoßen uns von dem erhöhten Geländer ab, schwingen ein paar Mal durch die Halle, bevor es wieder runter auf den Boden und dann nach heim geht. Ich gehe jedenfalls glücklich nach Hause. Und warte auf den Muskelkater in meinen Armen.

Zum Kommentar: Besser als gedacht

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