Was den Raum der Talente und Patente so besonders macht

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Einen Wunsch hat Ostalb-Kennerin Nadine Kaiser noch: „Kreis und Region dürfen gerne noch selbstbewusster auftreten.“
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Die Wirtschaft auf der Ostalb brummt seit Jahren. WiRO-Geschäftsführerin Nadine Kaiser erklärt das Geheimnis des steten Erfolgs.

Schwäbisch Gmünd

Zur Ostalb-Kennerin wurde Nadine Kaiser im Eiltempo: Seit drei Jahren ist sie Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg, kürzer: WiRO. Davor war sie unter anderem für die Wirtschaftsförderung des Nordschwarzwalds zuständig. Sie kennt die Region und den Ostalbkreis mittlerweile aus dem Effeff  – und kann zusätzlich den Vergleich zu anderen Gegenden im Ländle ziehen.

„Was den Ostalbkreis – und auch die Region Ostwürttemberg – auszeichnet, ist das enge Netzwerk der regionalen Akteure“, sagt Kaiser und meint damit Kommunen, Institutionen, Firmen und Wissenschaft. Daraus würden sich kurze Wege, eine effiziente Zusammenarbeit und ein großer Wille ergeben, gemeinsam Projekte umzusetzen. „Das gibt es in dieser Intensität nur selten“, sagt sie. Gleiches gelte für den Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft. „Die Folge sind ein Wissens- und Technologietransfer, der Innovationen befördert.“ Immerhin ist die Region, und damit auch der Ostalbkreis, bundesweit Spitze, was die Zahl der Patente angeht. „Nicht umsonst sind wir die „Region der Talente und Patente“. Und das ist in unserem Fall nicht nur ein schlau ausgedachter Werbeslogan, sondern Fakt“, erklärt sie und schmunzelt.

Im Kern ist der Ostalbkreis ein Wirtschaftsraum mit Schwerpunkt im Produzierenden Gewerbe. Zu den bestimmenden Branchen zählen Automobilindustrie, Maschinen-, Anlagen-, und Werkzeugbau, Oberflächentechnologie, der Bereich Forst, Holz und Papier, Erneuerbare Energien, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Firmen aus den Bereichen Photonik sowie optische Technologien. Die Abhängigkeit vom produzierenden Gewerbe galt noch im vergangenen Jahrzehnt als Makel, als Experten allerorten mahnten, Deutschland und vor allem Baden-Württemberg müsse das Dienstleistungssegment stärken. Die Region ist indes mit ihren Schwerpunkten zuletzt sehr gut gefahren, denn: „Im Ostalbkreis sind Wachstumsbranchen und Zukunftstechnologien vertreten, die durch Kreativität, Innovation und Leistungsfähigkeit überzeugen.“ Das gilt nicht nur für die großen Aushängeschilder wie Zeiss, Varta oder Mapal, sondern auch für die Hidden Champions, die, häufig noch familiengeführt, den Ton in ihren Branchen angeben. „Die Ostalb zeichnet sich durch diese besondere Mischung der wirtschaftlichen Stärke familiengeführter mittelständischer Unternehmen, die den Wirtschaftsraum durch ihre Innovationsfreudigkeit, Standortverbundenheit und damit einhergehender sozialer Verantwortung maßgeblich mitgestalten, aus.“

Die etablierten Firmen sind das Eine, umso wichtiger ist der Nachwuchs – und da hat der Ostalbkreis einiges in petto. „Wir haben im Raum eine sehr aktive Start-up-Szene, insbesondere an den regionalen Hochschulen, die auch von der gewachsenen Gründer-Infrastruktur profitieren, unter anderem auch durch das von der IHK Ostwürttemberg angebotene Netzwerk „Startup-Region Ostwürttemberg.“ Die Mischung aus Kreativität, Erfindergeist, Innovationskraft und unternehmerischem Mut auf der Ostalb stimme. Das zeige auch der alljährlich vergebene Innovationspreis, der außergewöhnliche unternehmerische Leistungen in der Region sowie Erfinder, Patente und Gründer prämiert.  Gerade in der Corona-Krise, sagt Kaiser, habe sich die Region und der Ostalbkreis durch eine große Solidarität und Zusammenhalt zwischen den Firmen ausgezeichnet.

„Generell ist der Ostalbkreis sehr gut aufgestellt“, sagt Nadine Kaiser. Allerdings habe man natürlich mit Herausforderungen zu kämpfen, die typisch für eine ländliche Region sind, etwa der Ausbau von ÖPNV, Breitband oder Mobilfunk. Und dann sind da noch die „3 großen D“, die die Wirtschaft allgemein herausfordern: der demographische Wandel, die Digitalisierung und Dekarbonisierung.  Ebenfalls von besonderem Interesse: der Fachkräftemangel. „Deshalb hat sich der Ostalbkreis intensiv für den Aufbau eines Welcome Centers in der Region eingesetzt, das im September 2020 gestartet ist und schon große Erfolge erzielen konnte“, führt Kaiser aus. Doch die Aktivitäten zur Fachkräfterekrutierung könnten noch ausgebaut werden.

Und dann ist da noch der Makel der schwäbischen Bescheidenheit, der ja eigentlich keiner ist. Selbst als ländlicher Raum stehe man in ständiger Konkurrenz zu Metropolen wie Stuttgart oder München. „Der Ostalbkreis kann sich durchaus selbstbewusst auf seine Stärken und Vorzüge konzentrieren und mit diesen nach innen und außen werben – auch wenn dies natürlich nicht dem Primat der schwäbischen Bescheidenheit entspricht“, sagt Kaiser. Der Grund: Viele Großprojekte oder Förderprojekte gehen oft in die größeren Städte – hier könne die Region noch stärker auf sich aufmerksam machen, so die Geschäftsführerin, die sich wünscht: „Kreis und Region dürfen gerne noch selbstbewusster auftreten.“

 

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