Was gute Architektur ausmacht

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Explorhino – Werkstatt junger Forscher, Aalen
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Unterwegs mit der Jury im Ostalbkreis. Architekten geben dabei Einblicke in ihre Berufswelt und erklären, wie man die Allerbesten von den Besten unterscheidet.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Alle drei Jahre kommen sie zusammen. Architekten und Laien, im ganzen Land, Region um Region. 15 Kreisgruppen wurden in Baden-Württemberg gebildet, um die Allerbesten von den Besten zu trennen und die Arbeit von Architekten mit einer Hugo-Häring-Auszeichnung zu würdigen. Am Ende dieser Vorauswahl steht dann der landesweite Gewinner des Hugo-Häring-Preises.

Die Jury-Gruppe Ostwürttemberg macht sich Mitte Oktober in der Aalener Villa Koepf ans Werk. 25 Architekten, Architektinnen und Bauerherren haben ihre Arbeiten eingereicht. Aus Schwäbisch Gmünd, Aalen und Mutlangen, aber auch aus Heidenheim. Älter als zehn Jahre dürfen diese nicht sein.

Es ist kurz nach 9 Uhr, als die sechsköpfige Jury, bestehend aus den BDA-Architekten Stefan Rapp, Peter Michael-Dauner, Alexander Lange, Aalens Baubürgermeister Wolfgang Steidle und den beiden Pressevertretern vor den großen Tafeln brütet, auf denen sich die Wettbewerbsteilnehmer präsentieren. Die vier Architekten beäugen konzentriert unter anderem Form und Struktur, und ob das Bauwerk etwas zur Entwicklung des Bauens beitragen könnte. Die Redakteure finden das eine schön, das andere nicht so schön, das eine einfallsreicher als das andere. Andere Kriterien, die durchaus erwünscht sind, wie die Fachleute erklären und versichern. Auch dieser Blick von Außen ist wichtig. Am Ende einigen sich alle auf eine Auswahl von immerhin 13 Bauwerken, die vor Ort besichtigt werden.

Den Fachleuten auf den Zahn fühlen können die Laien anschließend bei der mehrstündigen Rundfahrt. Mit einem großen Bus, organisiert wie das ganze Verfahren von der BDA-Kreisgruppe mit ihrem Vorsitzenden Bernd Liebel und dessen Assistentin Elly von Scheidt – und pandemiekonform mit Maske vor dem Gesicht geht es los: Aalen, Kochertal, Gmünd und zurück nach Aalen. Man redet darüber, was gute Architektur eigentlich ausmacht. Dazu zählt etwa, dass man auch sieht, wenn sich jemand beim Entwurf und Bau angestrengt hat, die Details stimmen, dass man Ideen gut umgesetzt und verfolgt hat, sind sich die Fachleute einig. Aber auch, dass sich ein Gebäude gut in die Umgebung einfügt. "Also nicht der Pudding auf dem Zwiebelrostbraten", veranschaulicht Stefan Rapp. "Das perfekte Haus, das gibt es aber nicht", ergänzt Alexander Lange, der zusammen mit Rapp mit der Vorstellung aufräumt, dass Architekten immer in ihren eigenen, selbst entworfenen Traumhäusern leben.

In Ballungsräumen, wie beispielsweise Stuttgart, sei das gar nicht möglich, weil es dort gar keine Flächen zum Bebauen mehr gebe. Da nehme er lieber die Altbaubauwohnung, am besten in einer Gründerzeitvilla.

Mit der Vorstellung, dass Architekten vor allem damit beschäftigt sind, traumhafte Eigenheime für andere zu entwerfen, räumen die Experten ebenfalls auf. Rund 95 Prozent der heute neu gebauten Einfamilienhäuser sind Fertighäuser.

Die werden nur in Einzelfällen geplant. Zu den wichtigsten Aufgaben heutiger Architekten gehöre es, sich vor allem um Nachhaltigkeit im energetischen Bereich Gedanken zu machen. Aber auch darum, schon daran zu denken, was mit den verbauten Materialien passiert, wenn man ein Gebäude zurückbaut. Denn die sollten am besten recycelbar sein.

Warum eine Hugo-Häring-Auszeichnung und Architekturwettbewerbe wichtig sind

Zunächst einmal: Auch Architekten messen sich gerne mit den Kollegen, wie die Experten erklären. Es gehe ja auch darum, zu zeigen, wer die beste Lösung für eine bestimmte Aufgabe, ein bestimmtes Problem bietet. Daneben ist es aber auch wichtig, seine Qualifikation zu dokumentieren. Auch, wenn die Architekturbüros zunächst mit Investitionen im fünfstelligen Bereich bis zu 30 000 Euro bei einem Planungswettbewerb in Vorleistung gehen. Denn wer nicht gewinnt, der verliert Geld. Das ist bei der Hugo-Häring-Auszeichnung anders. Hier geht es um bereits realisierte Objekte. Ob nun Büro- oder Verwaltungsgebäude, Kindergärten, Freizeitbauten, Sakralbauten und andere Gebäude. Am Ende eines langen Tages mit der Jury steht die Auswahl der Allerbesten der Besten fest.

Hugo-Häring-Auszeichnungen der Jury Ostwürttemberg gehen an

  • Kundenzentrum Bosch, Schwäbisch Gmünd; wulf architekten gmbH
  • Null-Energie-Fachklassentrakt Schubart-Gymnasium Aalen, Liebel/Architekten
  • Neubau IHK Ausbildungszentrum Aalen, Tusker Ströhle Architekten
  • Explorhino Aalen, AV 1 Architekten
  • Wohnen im Mörikepark, Schwäbisch Gmünd, kaestle & ocker Architekten
  • Mehrfamilienhaus Stadtoval, Kayser Architekten
  • Haus am Albtrauf, Aalen, Liebel/Architekten

Wie der Hugo-Häring-Preis ausgelobt wird

Hugo Häring gilt als einer der wichtigsten Initiatoren des Neuen Bauens. Nach ihm ist der seit 1969 verliehene Hugo-Häring-Preis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg benannt. Der Bund Deutscher Architekten BDA Baden-Württemberg verleiht im Abstand von drei Jahren den Hugo-Häring-Preis an Bauherren und Architekten für ihr gemeinsames Werk. Das Verfahren ist zweistufig, in der ersten Stufe werden die Auszeichnungen verliehen, in der zweiten Stufe die Hugo-Häring-Landespreise. Die Preisträger werden aus den in der ersten Stufe ausgezeichneten Objekten ausgewählt. Es können mehrere Arbeiten gewürdigt werden. Der Preis besteht aus einer Plakette bzw. einer von Herbert Hajek entworfenen Plastik und einer Urkunde.

Wohnen im Mörikepark, Schwäbisch Gmünd
Kundenzentrum Bosch Automotive Steering, Schwäbisch Gmünd
IHK Bildungszentrum, Aalen
Null-Energie-Fachklassentrakt, Aalen
Haus am Albtrauf
MFH Aalen, Stadtova,

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