Was macht in der Pandemie Mut und stark?

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Robert Kloker, Dekan
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Wie können sich Christen mithilfe ihres Glaubens krisenfest machen? Was Theologen raten.

Aalen. Die Corona-Pandemie rückt neue Fragen in den Fokus. Die Krise macht einsam. Dialog und Gemeinschaft leiden. Begegnungen sind kaum möglich. Wie macht man sich Mut, und wie krisenfest? Kann der Glaube dabei helfen?

Robert Kloker, katholischer Dekan: Grundsätzlich sind Krisen Zeiten der Neuausrichtung – auch im religiösen Bereich, sag Robert Kloker. Der Glaube lebe wesentlich von Zeichen und Ritualen. "Diese helfen, Situationen zu deuten und zu bestehen." Der Glaube gebe der Not Ausdrucksmöglichkeiten, die sonst oft nicht so gegeben seien. Gleichzeitig rufe er aus der Isolation zum gemeinsamen Tun und Sorgen auf. "Nicht nur im solidarischen Handeln füreinander, sondern auch im Beten und im liturgischen Feiern miteinander, wenn auch unter eingeschränkten Bedingungen, durchbrechen wir das Alleinsein und verbinden uns zu gemeinsamem Tun", sagt der Dekan. Der Glaube an Gott gebe die Möglichkeit, sich mit seinen Sorgen und Nöten nicht alleine zu fühlen. Klagen und Nöte hätten einen Adressaten – Gott. Er gebe Kraft zum Durchhalten.

Martin Schuster, stellvertretender evangelischer Dekan:

Von einem zwei Säulen-Prinzip spricht Martin Schuster im Zusammenhang mit Krisen. "Jeder ist zunächst für sich selbst verantwortlich – auch in Krisenzeiten", sagt der Theologe zur ersten Säule. Es gehe darum, als Christ Vorsorge zu treffen in jeder Situation, ganz praktisch – für sich selbst und für sein nahes Umfeld. Denn Krisen kämen unerwartet. Wie für die Jünger Jesu, als dieser gekreuzigt worden sei. "Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht also eine Krise." Damit ist Schuster bei der zweiten Säule. Die Krise werde überwunden durch die Auferstehung Jesu und die pfingstliche Ermutigung zu neuen Wegen. Für Christen gebe es keine krisenfreie Existenz. Vertrauen, Hoffnung und Beten gäben Bibel und Gesangbuch als Strategie an die Hand.

Matthias Harsányi, Baptisten-Pastor: Drei Glaubenserfahrungen geben Pastor Harsányi in Krisen Hoffnung und Kraft. Er vertraue darauf, dass er von Gott bedingungslos geliebt und angenommen sei. Das gebe ihm das starke Gefühl der Geborgenheit und des Halts. Zudem vertraue er auf echte Beziehungen zu Menschen. "In der Pflege intensiver Gemeinschaft und wesentlicher Gespräche spiegeln, fördern und stärken wir einander", sagt Harsányi. Es brauche nur ein wenig guter Freunde. Und er vertraue der Liebe in sich. "Ich lerne, zu mir zu stehen und Herausforderungen anzunehmen." Wenn man sich selbst annehme, werde man zu Veränderungen bereit. "So kann ich in meiner Persönlichkeit reifen und in der Krise eine Chance entdecken." Das Vertrauen in Gott mache Hoffnung: "Denn, was ich brauche, ist in und nahe bei mir", sagt der Pastor.

Rainer Zimmerschitt, evangelisch-methodistischer Pastor: Gott lässt uns nicht allein. "Dank dieser Zusage aus der Bibel, durch Gespräche und Liedtexte können wir uns in einer Krise selbst stärken", sagt Zimmerschitt. Das gebe Orientierung und Halt. Aus dieser Stärke heraus könne man für andere da sein. In Wort und Tat, mit einem Anruf, einem Strauß. Die Krise verdeutliche, wie Menschen ticken. In der Gesellschaft gehe eine Schere auf. "Die, die helfen und die, die egoistisch handeln – und trotz Verbots feiern." Niemand sei Einzelkämpfer, es gehe um sozialen Verbund. Das sei die große Chance mit politischer Relevanz. "Wenn wir lernen, auf uns zu achten, sieht die Welt anders aus.

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