Unwetterlage in der Region: Wasser und kein Ende?

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Vor gut zwei Wochen: Feuerwehr und THW füllen auf dem Gelände einer Baufirma in Neuler Sandsäcke bei Starkregen und Gewitter ab, um die Überflutungen einzudämmen.
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Wie ist es angesichts der anhaltenden Gewitter und Starkregen um Rückhaltebecken, Alarmketten und Trinkwasser in der Region bestellt?

Ellwangen. Angesichts der tragischen Ereignisse durch Fluten in der Eifel und Nordrhein-Westfalen stellt sich die Frage nach dem aktuellen Stand in der Region. Wie sieht es mit den Reserven der Rückhaltebecken und -maßnahmen aus? Wo sind die derzeit besonders kritischen Stellen? Wie funktioniert die Alarmkette im Ernstfall, und an wen sollte ich mich wenden?

Die gute Nachricht: Der Geschäftsbereich obere Gewässer des Landratsamts stuft in unserer Region die Hochwasserlage der vergangen Tage als weitgehend bewältigt ein.

„Die Hochwasserrückhaltebecken der Verbände sind abgewirtschaftet und stehen wieder mit vollem Rückhaltevolumen zur Verfügung. Nach den derzeit vorliegenden Vorhersagen ist vorerst nicht mit einem weiteren Hochwasser zu rechnen“, erklärt Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamts, auf Nachfrage.

Trinkwasser: Lage entspannt

Stefan Powolny, Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen, gibt für die Trinkwasserversorgung ebenfalls Entwarnung: „Es gibt und gab keine Einschwemmungen oder Verunreinigungen bei unseren eigenen Quellen, auch in der Vergangenheit nicht. Auch beim Fernwasser sind die Versorger entspannt.“

Wie die Lage aber aussähe, wenn auch bei uns so etwas wie in NRW und Rheinland-Pfalz passiert, kann Powolny nicht beantworten: „Das kann niemand einschätzen,“

Automatisierte Alarmierung

Wie funktioniert eigentlich die Alarmkette?

Die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg gibt bei Hochwasser eingehende Meldungen und Warnmeldungen umgehend an die zuständigen Dienststellen weiter.

Dies sind gemäß der Hochwassermeldeordnung (HMO) des Landes Baden-Württemberg die Meldungen und Warnungen des Deutschen Wetterdienstes über Wetterereignisse mit außerordentlichen Regenfällen sowie raschen Schneeschmelzen. Für die Weitergabe der Meldungen gibt es einen festgelegten Verteilerschlüssel.

Die dazugehörigen Meldepegel bei uns in der Region Jagst, Kocher, Rems melden ebenfalls automatisch an die zuständigen Stellen. Auf kommunaler Ebene liegen separate Hochwasser-Alarmpläne, in denen entsprechenden Maßnahmen zur Schadensabwehr geregelt sind, vor.

Alle Rückhaltebeckensysteme sind automatisch geregelt und werden fernüberwacht.

Wie sehen die Maßnahmen im möglichen Katastrophenfall aus?

Alle Schadensmeldungen laufen zunächst über die Integrierte Rettungsleitstelle Ostwürttemberg in Aalen ein. Sollte sich zeigen, dass sich die Kapazitäten der Feuerwehren, Rettungsdienste und THW ihren Grenzen nähern, werden vorab in den Hochwasser-Alarmplänen definierte Stellen bei der Landkreisverwaltung informiert und alarmiert.

Bei Bedarf wird unter Vorsitz des Landrats oder einer Stellvertretung aus der Behördenleitung der sogenannte Verwaltungsstab einberufen, der die weiteren Schritte festlegt. Dazu gehören etwa das Organisieren von weiteren Kräften und Gerät im Kreis bis hin zum Anfordern von Überlandhilfen, wie aktuell im Fall Ahrweiler und NRW.

Über den Kreisbrandmeister beziehungsweise den Geschäftsbereich Brand- und Katastrophenschutz besteht eine enge Abstimmung mit dem technischen Führungsstab der Blaulichtorganisationen.

THW: erhöhte Alarmbereitschaft

Reiner Mangold, Zugführer THW Ellwangen, erklärt dazu: „Wir werden im Ernstfall in der Region über unseren digitalen Meldeempfänger durch die Rettungsleitstelle Ostalb informiert. Aktuell ist die Lage bei uns in der Region beherrschbar. Wir sind aber Tag und Nacht Gewehr bei Fuß, wenn wir benötigt werden.“

Konkret stehen aufgrund der Ereignisse zwei Einsatzgruppen des THW derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft, falls die betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hierfür weitere Überlandhilfen anfordern. Dies sind die Fachgruppe „Wasserschaden/ Pumpen“ sowie die Fachgruppe „Baufachberater“.

Im Einsatzfall versucht das THW, Sandsäcke vor Ort zu füllen. „Wir haben zwar immer eine kleine Menge auf Vorrat, die wir zum Einsatz bei uns in der Region mitnehmen, bis zu 300 Stück. Aber den Großteil befüllen wir dann aus logistischen Gründen dort, wo sie gebraucht werden. So jüngst bei den Einsätzen nach den Starkregenfällen in Rainau und Neuler, wo wir uns in einer Sandgrube sowie bei einer Baufirma vor Ort den Sand für 500 weitere Säcke geholt haben.“

Todesfalle Keller

Wie es zu den Opfern kommt, die in überfluteten Kellerräumen immer wieder zu beklagen sind, erklärt Mangold so: „Leider rennen manche aus Angst um ihr Hab und Gut in den Keller, um etwas zu retten. Das ist aber leider das Falsche und kann rasch zur Todefalle werden.“

Grund hierfür sei vor allem die Geschwindigkeit, mit der das Wasser ankomme. „Das Wasser findet seinen Weg, ob durch Abwassersysteme, Lichtschächte oder Kellerfenster. In kürzester Zeit haben sie dann auf der Zugangstür zum Keller einen enormen Wasserdruck im Tonnenbereich, das wird leider völlig unterschätzt.“ Die Tür ist dann nicht mehr zu öffnen.

Sicherer ist es, im Ernstfall die Feuerwehr zu alarmieren. Hier hilft die Notrufnummer 112. Gehen mehrere Hochwasser-Notrufe aus einer Gegend ein, werden so auch bei Bedarf über die integrierte Rettungsleitstelle das THW und oder weitere Kräfte aktiviert.

Wir sind Tag und Nacht Gewehr bei Fuß, wenn wir benötigt werden.“

Reiner Mangold, Zugführer THW Ellwangen

Das raten THW und Landratsamt

Vorsorge treffen Wichtig ist es, bereits längerfristig Vorsorge zu treffen. Dies gilt vor allem für Bewohner in Gewässernähe oder bei bekannten Problemen mit Oberflächenwasser oder Rückstau aus dem Kanal. Sollte der Wetterdienst entsprechende Wetterlagen ankündigen, dann sollten vorab Kellerräume, in die Wasser eindringen kann, geräumt werden. Auch sollten Fenster und Türen sowie Abflussöffnungen, über die Wasser aus dem Kanal eindringen könnte, abgedichtet werden. Rückstauklappen sollten regelmäßig geprüft werden.

Und wenn der Keller volläuft? Elektrische Geräte und Heizungen in gefährdeten Räumen sollten wegen der Stromschlaggefahr vorsorglich abgeschaltet werden. Besser sogar: Die Sicherungen ganz raus.

Auf keinen Fall bei eindringendem Wasser versuchen, im Keller irgend welches Hab und Gut zu retten. Dann gilt: Schutz suchen in höher gelegenen Räumen. Letztlich ist ein Sachschaden besser als verletzte Personen oder sogar Todesfälle. jku

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