Weichen stellen für die Bahn

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Ein Go-Ahead-Zug bei Schwäbisch Gmünd. Das Unternehmen bedient ab Dezember 2022 auch die Riesbahn zwischen Aalen und Nördlingen. Der Landkreis sieht den größten Handlungsbedarf auf der Brenzbahn zwischen Aalen und Ulm. Archivfoto: Tom
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Der Kreis will Brenzbahn, Remsbahn und Riesbahn attraktiver machen. Auch die Reaktivierung der ehemaligen Hohenstaufenbahn wird geprüft.

Aalen

Der Landkreis setzt im ÖPNV auch auf die Schiene. Verschiedene Gutachten und Machbarkeitsstudien werden erstellt. Einen Überblick darüber, was gerade läuft und wie weit dies gediehen ist, lieferte Lukas Dreher vom Kreis-Geschäftsbereich: Nachhaltige Mobilität dem Ausschuss für Kreisentwicklung.


Brenzbahn: Die Achse Aalen-Heidenheim-Ulm ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Eine Ausweitung des Fahrplans ist daher so schnell nicht drin. Aktuell fährt der Regionalexpress im Stundentakt, der Interregioexpress im Zweistundentakt und auch Güterverkehr ist unterwegs.

Die Weiterentwicklung von Infrastruktur und Fahrplanangebots wird in der „IG Brenzbahn“ und der „Regio-S-Bahn Donau-Iller“ vorangetrieben. Der Ostalbkreis ist Mitglied bei beiden.

Der Ausbau der Brenzbahn soll in „Paketen“ geschehen. Paket I umfasst den Infrastrukturausbau im Bereich Langenau-Ulm. Das soll unter anderem einen stündlichen Express Aalen-Ulm ermöglichen. Die Gesamtkosten werden derzeit auf 163,6 Mio. Euro beziffert. Der Anteil des Ostalbkreises wird bei 4,8 bis 5,8 Millionen Euro liegen. Paket 1 geht noch 2022 in die Nutzen-Kosten-Untersuchung.

Paket II umfasst den zweigleisigen Ausbau zwischen Unterkochen und Königsbronn und zusätzliche die Bahnhalte Aalen-Süd und Oberkochen-Süd. Dieser Ausbau ermöglicht einen Halbstundentakt Aalen-Heidenheim und sichert Anschlüsse der Brenzbahn im Knoten Aalen auf Fernverkehr in Richtung Stuttgart und Nürnberg. Stand jetzt, kostet dies insgesamt 140 Millionen Euro. Der Ostalbkreis wäre mit 15 Millionen Euro gefordert – inklusive der Bahnhalte. Für Paket II wurde nun die „Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung“ beauftragt. Das kostet den Ostalbkreis 10.000 Euro. Bei einem positiven Ergebnis geht Paket II zusätzlich zu Paket I in die Nutzen-Kosten-Untersuchung ein.

Paket III umfasst die Elektrifizierung der Gesamtstrecke. Schritte hierzu soll eine Machbarkeitsstudie klären.

Ganz am Ende erfolgt die Nutzen-Kosten-Berechnung aller Pakete und Maßnahmen bis voraussichtlich 2024. Fällt diese positiv aus, soll das Projekt in Kategorie A des Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz angemeldet werden. Mit der Vorplanung von Infrastrukturmaßnahmen kann begonnen werden. Anfang der 2030er Jahre erfolgt hier die Neuvergabe der Verkehrsleistungen.


Rems- und Obere Jagstbahn: Die Remsbahn verbindet Aalen mit Stuttgart, die Obere Jagstbahn Aalen mit Ellwangen und Crailsheim. Es verkehren die Metropolexpress-Linie im Halb-, Stunden-, bzw. Zweistundentakt sowie IRE (Go-Ahead) und IC (DB) im Stundentakt.

Ziel ist es, Infrastruktur und Fahrplanangebot im Rahmen der „IG Schienenkorridor Stuttgart-Nürnberg“ weiterzuentwickeln. Ein Gutachten für ein Angebots-und Infrastrukturkonzept, basierend auf dem Deutschlandtakt, liegt vor. Ein Ergänzungsgutachten zur Weiterentwicklung des Schienenverkehrs im Ostalbkreis soll bis Ende 2022 vorliegen. 2023 ist der Abschluss der Verkehrsprognose 2040 des Bundes geplant. 2023/2024 plant der Bund die Fortschreibung des Gutachtens Deutschlandtakt.

Die Kreisverwaltung glaubt, dass zusätzliche Halte an der Remsbahn mehr Fahrgäste bringen wird. Dadurch würde aber die Fahrzeit länger. Einen Anschluss wünschen sich Essingen, Hussenhofen, Gmünd-Ost und Aalen-West. Das Landesverkehrsministerium sei für zusätzliche Bahnhalte aufgeschlossen, fordere aber einen technischen und wirtschaftlichen Nachweis sowie ein klares Bekenntnis aus der Region, sagte Dreher.

Infrastrukturell und betrieblich könne derzeit neben Aalen-West nur ein weiterer Bahnhalt auf der Remsbahn realisiert werden. Daher sollen die Bahnhalte mit dem größten Fahrgastpotenzial weiterverfolgt werden. Die letzten Zahlen stammen aus einer Untersuchung des Regionalverbands von 2012. Die Ergebnisse einer Potenzialanalyse im Auftrag des Kreises werden im April 2022 erwartet. Die Halte, die die meisten Fahrgäste versprechen, werden auf technische Machbarkeit hin untersucht.


Riesbahn: Die Strecke verbindet Aalen mit Nördlingen und Augsburg. Im Dezember 2022 übernimmt Go-Ahead Bayern den Betrieb dort. An Wochenenden wird das Angebot Nördlingen -Aalen auf einen Stundentakt verdoppelt. Jeder zweite Zug verkehrt durchgängig zwischen Aalen und München. Abends soll es zusätzliche Fahrten geben.

Go-Ahead bringt neue Triebfahrzeuge: mit Mehrzweckbereichen, bis zu 24 Fahrradstellplätzen, Gratis- WLAN, rollstuhlgerechten WCs, automatisch ausfahrbaren Schiebetritten und Hublift. Niedrige Bahnsteige erhöht die DB Netze gerade.


Hohenstaufenbahn: Der Personenverkehr wurde 1984 eingestellt, die Strecke 1997 stillgelegt. Das Land hält die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken aber für einen Baustein zur Verdopplung der Fahrgastzahlen im ÖPNV. Ein Ende 2020 vorgelegtes Gutachten bescheinigt 30 von 42 Strecken relevantes Fahrgastpotenzial. Die Bahn zwischen Gmünd und Göppingen weise sehr hohes Nachfragepotenzial auf, heißt es darin.

Gemeinsam mit den Landkreisen Esslingen, Göppingen und den Regionalverbänden Stuttgart und Ostwürttemberg hat der Ostalbkreis daher eine vom Land geförderte Machbarkeitsstudie beauftragt. Darin werden Infrastrukturmaßnahmen, Betriebskonzepte und Fahrplankonzepte erarbeitet und einer Kosten-Nutzen-Untersuchung unterzogen. Neben der Bestandstrasse werden auch alternative Trassen untersucht. Im Herbst 2022 soll der Schlussbericht vorliegen.


Bahnhofsinfrastruktur: Bahnhöfe sollen moderne, sichere und attraktive Mobilitätsdrehscheiben werden. Neben Modernisierungsmaßnahmen der Bahn fördert das Land den barrierefreien Ausbau. Kommunen müssen sich hier aber an den Planungs- und Investitionskosten beteiligen. Die Bahnhöfe Goldshöfe, Trochtelfingen und Bopfingen werden aktuell im Rahmen eines Sonderprogramms für besonders niedrige Bahnsteige ertüchtigt. Der Bahnhof Mögglingen wird bis 2029 aufgewertet. Die Modernisierung weiterer Bahnhöfe wird in Einzelvorhaben vorangetrieben.

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