Welche Rolle spielten die Behörden?

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Unfassbar - das trifft die Stimmung, nicht nur in Bopfingen im Fall des zu Tode gequälten 23 Monate alten Jungen.
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Landratsamt Schwäbisch Hall antwortet nur allgemein und verweist auf den Datenschutz. Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler schildert die Stimmung in der Stadt.

Bopfingen

Unfassbar - das trifft die Stimmung, nicht nur in Bopfingen im Fall des zu Tode gequälten 23 Monate alten Jungen. Nun hat das zuständige Jugendamt in Schwäbisch Hall endlich auf die Fragen geantwortet, die die Schwäbische Post längst gestellt hat. Eingangs heißt es im Schreiben aus Schwäbisch Hall: „Es ist unfassbar, was passiert ist. Wir sind zutiefst bestürzt und bedauern den Tod des Kindes. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des Kindes.“

Allzu viele Auskünfte zur Sache gibt es danach aber nicht: „Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass ein Bezug zur Familie hergestellt werden kann und somit der Rechtskreis des Sozialdatenschutzes betroffen ist. Eine Auskunft können wir deshalb grundsätzlich nur mit Einwilligung der Betroffenen geben.“

Da aktuell keine solche Einwilligung vorliege, könne man die Fragen nur in allgemeiner Form beantworten. „Wir sichern Ihnen aber zu, dass wir mit den Betroffenen in Kontakt treten, um eine Einwilligung zur Datenweitergabe in begrenztem Umfang zu erhalten. (...) Was wir bestätigen können ist, dass in der Familie auf Veranlassung des Jugendamtes Schwäbisch Hall eine Sozialpädagogische Familienhilfe eingesetzt war“, heißt es in der Antwort der Pressestelle im Landratsamt Hall.

Dass die Familie in den Ostalbkreis gezogen ist, diese Information sei weitergeleitet worden. „Eine Datenweitergabe an andere Jugendämter erfolgt unter Beachtung der gesetzlichen Regelungen des Sozialgesetzbuches VIII und des Sozialdatenschutzes. Der Ostalbkreis wurde von unserer Seite aus informiert“, heißt es hier.

Dies bestätigt Kreissprecherin Susanne Dietterle. „Eine Information über den Zuzug in den Ostalbkreis ist erfolgt. Die Zuständigkeit und Bearbeitung verblieb jedoch weiterhin beim Landkreis Schwäbisch Hall“, antwortet Dietterle.

Die SchwäPo wollte vom Landkreis Schwäbisch Hall wissen, wer die sozialpädagogische Betreuung übernommen hat, und weshalb diese Stelle keine Anzeichen für Misshandlung entdeckt hat? „Mit dieser Aufgabe war ein freier Träger der Jugendhilfe beauftragt. Weitergehende Auskünfte können unter Hinweis auf den Sozialdatenschutz nicht gegeben werden“, lautet die Antwort aus Schwäbisch Hall.

Schockstarre in Bopfingen

„Unbefriedigend“ findet das auch Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler. Die Stadt Bopfingen sei „nicht darüber informiert worden, dass hier eine Familie herzieht, die intensive Betreuung durch das Jugendamt erfährt“. Weder in der Kita noch in der Schule habe man einen „Schimmer davon gehabt“, ein Einwirken, wie auch immer, sei daher unmöglich gewesen. „Das ist kein Vorwurf und es ist auch völlig offen, ob das etwas geändert hätte, aber ich denke, es ist schon sinnvoll, wenn die Leute, die Kinder in Kita oder Schule betreuen, Bescheid wissen“, sagt Bühler. Es sei sicher schwierig für die Behörden, mit den rechtlichen Vorgaben umzugehen. Datenschutz sei prinzipiell im Interesse der Familien, „aber in so einem Fall hat die Öffentlichkeit ein Recht zu erfahren, ob hier alles richtig gelaufen ist, und zwar nicht aus Neugier, sondern aus Betroffenheit“, findet Bühler.

Die Stimmung in der Stadt sei geprägt von einer „unheimlichen Betroffenheit“. Per Telefon, WhatsApp und über soziale Medien hätten sich viele bei ihm schockiert gemeldet. Es sei unfassbar, meinten viele, dass so etwas auch in einer kleinen Stadt, für manche gar in unmittelbarer Nachbarschaft geschehen kann. „Das ist wirklich das Schlimmste, was es gibt. Wenn ein kleines Kind so zu Tode kommt“, sagt Bühler.

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