Wenn der Satellit den Erntezeitpunkt bestimmt

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Der Mais ist für die Milchviehbetriebe, die Schweinemäster und die Landwirte mit Biogasanlagen ein wichtiges Energiefutter.
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Beim Maistag auf dem Versuchsfeld von Johannes May in Neuler stellen vier Saatgutzüchter ihre Sorten vor. Digitale Tools sollen den Anbau erleichtern.

Neuler Quer durch den Maisacker von Johannes May zwischen Neuler und Schwenningen ist eine drei Meter breite Schneise geschlagen. So werden Unterschiede sichtbar, denn auf diesem Versuchsfeld sind viele verschiedene Maissorten angebaut, von jeder vier Reihen. Am Montagabend haben die Pflanzenbauberater Valentin Ocker und Martin Diemer vom Landratsamt Ostalb, Geschäftsbereich Landwirtschaft, zum Maistag eingeladen. Vertreter der fünf Saatgutfirmen Linagrain, Saatenunion, KWS, Agromais und Lidea (Fusion von Euralis und Causade) führen die rund 70 Interessierten von Sorte zu Sorte und preisen die Eigenschaften und Vorteile ihrer Produkte.

Manche Stängel auf dem Versuchsfeld sind vier Meter hoch, doch beim Mais geht es nicht allein um die Größe. Widerstandskraft gegen klimatische Schwankungen, Kälte, Nässe oder Trockenheit und gegen Pilzbefall und Schädlinge ist wichtig, der Stärkegehalt, die Verträglichkeit im Magen der Kuh. Es gibt zwar einzelne Landwirte, die den Mais dreschen, doch die meisten bauen die Pflanze für das Silo an. In der Regel wird Anfang Oktober, wenn das Korn reif ist, der Bestand gehäckselt und eingelagert. Wichtige Eigenschaft: die Sorte muss im Korn viel Stärke bilden, darf aber im Blatt nicht vorzeitig welken, weil sonst bei der Ernte die dürren Pflanzenteile davonflattern und Masse fehlt. Die Pflanzenbauberater warnen davor, zu früh zu ernten: "Sonst fahren wir Wasser durch die Gegend und im Futter fehlt die Power". Das Maiskorn soll hart sein, der Stengel, wenn man ihn zerdreht, keinen Saft mehr absondern. Der Berater von Lidea zeigt, wie man an der Kornprobe den richtigen Erntezeitpunkt erkennen kann.

Andere Firmen setzen bereits auf Unterstützung aus dem Weltall. Agromais bietet seinen Kunden satellitengestützte Erntezeitprogosen an. "Wer diese Sorte kauft, bekommt einen Zugang zu SkyTS", verspricht die Beraterin. In diesem Computerprogramm kann der Landwirt seine Felder markieren, die Firma wertet Satellitenbilder aus und erkennt an den Farben, ob der Mais schon reif ist. Diese Information kann der Bauer abrufen. KWS geht sogar noch weiter und verspricht auf der Basis von Satellitenbildern die optimale Ermittlung des Saatzeitpunkts. Der Landwirt bekomme dann eine flächenbezogene Information, die sogar eine gesteuerte Aussaat erlaube.

Die Begeisterung über die "digitalen Tools" hält sich auf dem Feld von Johannes May eher in Grenzen. Manche Landwirte sind offenbar skeptisch, dass der Satellit ihre doch eher kleinen Flächen auf der Ostalb genau genug auflösen kann. "Das mag vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern funktionieren, wo ein Acker Quadratkilometer hat. Aber hier bei uns verlasse ich mich lieber auf meine Augen", sagt einer. Ohnehin ist die Stimmung unter den Landwirten eher ernüchtert. In der Viehhaltung sind die Kosten gestiegen und die Preise gefallen, auf schweren Böden brachte das kühle und nasse Jahr 2021 nur mäßige Erträge, aber viele Schädlinge und Pilzerkrankungen. Nicht bei jedem steht der Mais so gut da wie auf dem Versuchsfeld von Johannes May.

Die Pflanzenschutzberater des Landwirtschaftsamts wissen um die Sorgen der Bauern. Sie geben im Anschluss noch Hinweise zu aktuellen Vorschriften bei Düngung und Pflanzenschutz, die Pflicht zur genauen Dokumentation und die Einschränkungen für den Einsatz von Glyphosat.

Gerhard Königer

Maistag in Neuler: fünf Pflanzenzuchtfirmen stellten Maissorten vor, die für die Böden und die klimatischen Bedingungen auf der Ostalb geeignet sind.
Rund 70 Landwirte kamen zur Demonstration des Maissortenversuchs auf das Feld von Johannes May in Neuler.
Rund 70 Landwirte kamen zum Maistag auf das Feld von Johannes May nach Neuler.

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