Wie das Kirchenmusikfestival zu den Menschen kommt

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Terry Wey (Countertenor, l. ) und Ulfried Staber (Bariton) werden als "Multiple Voices" insgesamt 40 Stimmen im Heilig-Kreuz-Münster im Schwäbisch Gmünd erklingen lassen.
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Unter dem Titel "Ich & Wir" beginnt das Festival am Donnerstag, 16. Juli. Warum in diesem Jahr jeder daran teilhaben kann. Ganz ohne Eintritt.

Ich und wir", so das Motto des diesjährigen Festivals für europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd. Und was schon vor der Pandemie passte, das passt nun für das "Festival im Corona-Modus" fast noch besser. "Grundgedanke war das Zusammenleben in der Stadt", erklärt Intendant Klaus Stemmler das Motto, das schon längst feststand, als der Lockdown kam. "Wir müssen jetzt zusammenhalten, Toleranz und Solidarität sind wichtig", so Stemmler. Die gebe es – aber auch verstärkt Narzissmus und Ich-Bezogenheit, dem man etwas entgegensetzen müsse.

"Kultur öffnet die Herzen und stiftet Gemeinschaft", erklärt Schwäbisch Gmünd Bürgermeister Richard Arnold dazu. "Es war wichtig, auch in diesem Jahr ein EKM auf die Beine zu stellen." Wichtig auch, weil es zeige, dass es die Kultur, dass es Künstlerinnen und Künstler noch gebe. Es sei außergewöhnlich, was das Team des Kulturbüros nun auf die Beine gestellt habe. "Das EKM wird erlebbar sein."

Live erlebbar, wie Klaus Stemmler, Ralph Häcker und Katharina Lampe vom Kulturbüro betonen. Keine Streams, sondern physisch und direkt. "EKM spontan & smart" nennt das Team das Programm für den Juli und August. Es ist nicht so umfangreich wie das ursprünglich geplante, aber nicht weniger überraschend und innovativ. "Es war klar, wir machen das nicht drei Nummern kleiner, sondern einen radikalen Schnitt", sagt Stemmler. "Wir gehen zu den Menschen hinaus. Niederschwellig, ohne Eintritt, hinaus ins Freie."

Ins Freie vor allem auch beim ökumenischen Open-Air-Gottesdienst mit Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Klocker, dem Münsterorganisten Stephan Beck mit Kantoren und den spontan gegründeten "Scheuelberg Alpinhörnern" am 17. Juli auf dem Johannisplatz. 250 Menschen dürfen nach der aktuellen Verordnung dabei sein, die Plätze sind somit begrenzt, ein Sitzplan wurde konzipiert, Anmeldung ist unerlässlich, betonen die Macher des Festivals.

Nicht notwendig sind diese dagegen beim Erklingen der Stadtglockenmusik am Samstag, 18. Juli. "Nostalgia – Sehnsucht nach den Glocken" hat Detlef Dörner seine für das Festival geschriebene Komposition genannt. Eine Welturaufführung, für die sich der EKM-Preisträger intensiv mit der Geschichte der Glocken auseinandergesetzt hat, aber auch die "Corona-Zeit mit eingearbeitet hat, mit einer Fermate, einer Generalpause", wie Stemmler erklärt. Zweimal wird das Werk von den Kirchtürmen der Stadt erklingen. 17 Glockenspieler aus der Region sind dabei, die Leitung hat Alfred Ruth.

Ein "verrücktes Projekt", so der Intendant, erwartet die EKM-Besucher dann am Samstag, 25. Juli, von 14 bis 22 Uhr im Heilig-Kreuz-Münster. Die 40-stimmige Motette "Spem in alium" wird von den Sängern Terry Wey und Ulfried Staber, die zusammen einen Stimmumfang von dreieinhalb Oktaven haben, dort eingesungen. Eine Partie nach der anderen, die dann mitgeschnitten wird und mit der nächsten Partie live mitgespielt wird. Ein Musik-Puzzle, das man live mitverfolgen kann. Nur für das Endergebnis ab 21 Uhr muss man sich anmelden.

Das EKM wird erlebbar sein.

Richard Arnold OB Schwäbisch Gmünd

Ganz ohne Anmeldung könnten Musikfreunde zunächst Samstag, 1. August, ab 16 Uhr, das Stuttgarter Kammerorchester hören. Auf dem Marktplatz werden die Musiker in kleinen Gruppen Straßenmusik spielen, bevor es zum Serenaden-Konzert ins Rokoko-Schlösschen geht (Anm. erforderlich).

Hinaus ins Freie und in die Stadtteile geht es auch mit spontanen, unangekündigten Konzerten von Musikschülern und Lehrkräften. "Bevor sich die Menschen versammeln können, sind wir schon wieder weg", erklärt Katharina Lampe das Konzept dieser "Guerillakunst".

Mehr Bestand hat da der "Dreiklang" der Ausstellungen, wie der Leiter des Kulturbüros Ralph Häcker es beschreibt. Festivalauftakt ist mit der Ausstellungseröffnung von "Wir" im Labor im Chor am 16. Juli auf dem Johannisplatz. Am 24. Juli folgt mit "Skirmish. Malerei von Christian Bold" die Galerie im Kornhaus und am 31. Juli die Galerie im Prediger mit Jan-Hendrik Pelz.

"Wir wollen den Künstlerinnen und Künstlern eine Stimme geben", sagt OB Richard Arnold. Nun hofft das EKM-Team, dass die Menschen wieder den Mut haben, diese zu hören.

Die Komposition für 40 Stimmen von Tallis.
Hier haben es Staber und Wey fast geschafft.
Eine der Glocken des Gmünder Münsters.

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