Wie das Ostalbklinikum Patientenbetten managt

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Seit Herbst 2020 wird am Ostalbklinikum ein Bettenmanagementsystem praktiziert
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Im Verwaltungsrat erläutern Mediziner das neue System, das mehr Planbarkeit und Effizienz bringen soll.

Aalen. Bettenmanagement im Krankenhaus – das klingt nach Betriebswirtschaft und Bürokratie, weniger nach Patientenfürsorge. Im Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb haben zwei Mediziner aus dem Ostalbklinikum Aalen vorgestellt, wie sie mithilfe eines komplexen Systems versuchen, beides optimal miteinander zu verzahnen. Dr. Peter Strauß ist Oberarzt in der Chirurgie I und als solcher auch OP- und Bettenkoordinator. Seine Kollegin Dr. Caroline Grupp, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme, fungiert als stellvertretende Bettenkoordinatorin.

Die Kennzahlen: 1200 Mitarbeitende. Zehn Chefärzte. 399 Betten hat das Ostalbklinikum insgesamt, ohne die Psychosomatik sind es 357. Doch nur 262 davon konnten im Februar auch „betrieben“ werden, legte Dr. Peter Strauß dar: „Das Delta von über 100 Betten ist vor allem dem Mangel an Fachkräften, insbesondere Pflegekräften, geschuldet.“ Stellen könnten nicht besetzt werden; es fehle Personal, um die Patienten zu versorgen. Negativ ausgewirkt hätten sich zudem coronabedingte Krankheitsausfälle in der Pflege.

Warum Bettenmanagement? Bei 20 000 stationären Patientinnen und Patienten im Jahr seien Krankenhausbetten eine wertvolle Ressource, erläuterten die Mediziner. Planung ist dabei das A und O – die hat aber eine Grenze: Denn allein 12 400 dieser Patientinnen und Patienten, das entspricht 62,5 Prozent, sind Notfälle. Sie kommen über die Zentrale Notaufnahme, also ungeplant. Die Zentrale Notaufnahme verzeichnet 31 000 Fälle jedes Jahr, 40 Prozent davon werden stationär aufgenommen.

Bettenkontingente: Nur eine Minderheit der stationären Patientinnen und Patienten kommt also zu einer geplanten Therapie oder Operation. Dennoch sei es das Ziel, dass kein Bett unnötig frei bleibt und dass jede Abteilung Belegung, Versorgung und am Schluss auch die Entlassung „ihrer“ Kranken besser planen kann, so Dr. Grupp sinngemäß. Daher habe man sich entschlossen, Bettenkontingente nach Fachbereichen zu verteilen. Notfallpatienten werden in jeder Abteilung mit einer Durchschnittszahl berücksichtigt.

So funktioniert‘s: Täglich bis 14 Uhr müssen die einzelnen Abteilungen ihre Bettenbelegung in eine Tabelle eintragen. Die zentrale Bettenkoordination prüft und gibt die Einbestellungen von Patienten für den nächsten Tag frei, weist gegebenenfalls auch Änderungen an und checkt weitere Möglichkeiten, dass Patienten entlassen werden können. Am Folgetag wird evaluiert.

Stärken und Schwächen: „Der ideale Ablauf ist noch nicht da“, gab Dr. Strauß zu. Im Herbst 2020 sei man gestartet, Corona bremse in mancherlei Hinsicht.

Als Stärken des Systems sehen die beiden Mediziner, dass es damit eher gelinge, die Quote von Notfällen und „bestellten“ Patienten in der Bettenplanung zu optimieren und dass es mehr Planung, Transparenz und Kommunikation zwischen den Abteilungen gibt. Schwächen seien das zeitaufwendige Ausfüllen von Tabellen, fehlende EDV und dass Notfälle nur als Durchschnittswerte eingerechnet werden können. Dr. Grupp: „Und der eine oder andere muss das System auch noch konsequent leben.“ Zudem kollidiere es mit Zielvereinbarungen der Chefärzte, „Nebenwege“ seien noch nicht unterbunden.

Das sagen die Politiker: Überrascht zeigte sich Thilo Rentschler (SPD) ob der hohen Zahl der Patienten, die über die Notaufnahme stationär aufgenommen werden. „Ist das typisch für ein Akutkrankenhaus?“, wollte er wissen. Laut Dr. Grupp sind die Zahlen in Mutlangen mit Aalen vergleichbar. In Ellwangen ist der Anteil geringer, was unter anderem an der Schwerpunktbildung in Aalen liege.

Wird das Bettenmanagement mit den anderen Kliniken koordiniert?“, frage Volker Grab (Grüne). Kliniken-Vorständin Sylvia Pansow kündigte an, dass man in Mutlangen nach dem Betrieb der neuen Notaufnahme ebenfalls ein Bettenmanagementsystem etablieren wolle, in Ellwangen sehe man keine Notwendigkeit. Herbert Fischer (CDU) monierte, dass bei den Erläuterungen die finanziellen Auswirkungen des Systems nicht dargestellt wurden. Landrat Bläse hofft auf den neuen Koalitionsvertrag: Darin sei festgehalten, dass Notfallaufnahmen besser vergütet werden sollen. Bläse: „So oder so – das fehlende Personal ist der beschränkende Faktor.“⋌Bea Wiese

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