Wie die Ostalb Papst Benedikt XVI. erlebt hat

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Anlässlich des Papstbesuches 2011, besuchte eine große Gruppe aus dem Ostalbkreis den Open-Air-Gottesdienst in Freiburg. Foto: Giers, Oliver
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Gläubige trauern um den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt. Dekan Robert Kloker und Pfarrer Wolfgang Sedlmeier über Momente mit dem ersten deutschen Papst und dessen Wirken.

Aalen

An diesem Donnerstag wird der emeritierte Papst Benedikt XVI. in Rom beigesetzt. Auf der Ostalb läuten ihm zu Ehren - wie bundesweit überall auch - um 11 Uhr die Glocken katholischer Kirchen für eine Viertelstunde. Da mag sicher manch einer innehalten und sich an eine persönliche Begegnung mit Joseph Ratzinger oder Papst Benedikt erinnern - etwa Musikerinnen und Musiker der Jugendkapelle der Stadt, Teilnehmende einer „Pilgerreise“ nach Freiburg.

Sedlmeier, der Pontifex und Paris

Einer, der Papst Benedikt gleich zwei Mal ganz nahe kam, ist Wolfgang Sedlmeier. Der Aalener Pfarrer erinnert sich gerne an die Begegnungen. Einmal ist er ihm in seiner Zeit als Pfarrer der deutschen Gemeinde in Paris begegnet, als er mit einer Gruppe zu einem Treffen in Rom war. „Dort waren wir bei einer Papst-Audienz dabei“, erzählt Sedlmeier. Er habe damals in der zweiten Reihe gestanden. „Die Hand hat er mir nicht gereicht, einigen von unserer Gruppe, die ganz vorne standen, hat er die Hand gegeben.“ Natürlich bin ich ihm auch in Paris bei seinem Besuch 2008 begegnet. „Das war damals eine ganz große Geschichte“, sagt Sedlmeier und erinnert daran, dass Benedikt sehr gut Französisch gesprochen habe. Mit seiner Rede habe er damals sehr viel Aufmerksamkeit erzielt.

Zugang über Bücher

Sedlmeier hat als Theologiestudent Zugang zu Joseph Ratzinger über eines seiner Bücher, „Einführung in das Christentum“, gefunden. Das sei heute noch ein Eckpfeiler seines Glaubens. Auch die Papst-Rede vor den Abgeordneten im Bundestag 2011 sei beeindruckend gewesen. Der Pfarrer lobt Benedikts Intellekt und betont den eigenen Respekt ihm gegenüber. Aber er spart auch nicht mit Kritik.  „Tragisch finde ich seine Rolle als Glaubenswächter“, sagt er und nennt ihn unempathisch. Er habe Dinge am Schreibtisch entschieden und Menschen ausgegrenzt. Als Pontifex maximus, als größter Brückenbauer, habe er nicht gewirkt, stattdessen, so Sedlmeier habe Benedikt als Papst eher Brücken gesperrt.

Überraschende Entwicklung

„Ich bin jetzt überrascht, dass doch so viele ihn positiv würdigen, die ihn zuvor doch auch kritisiert haben“, sagt der katholische Ostalbdekan Robert Kloker. Auch wenn man einem Verstorbenen nichts Böses nachsagen soll, dürfe man jetzt nicht versuchen, alles schönzureden. Kloker spricht dabei von einem Pontifikat, das durch „einige Hypotheken belastet gewesen sei.

Auch wenn Robert Kloker Benedikt nie ganz persönlich getroffen habe, so habe er ihn doch aus der Ferne gesehen – bei dessen Pastoralreise in Bayern. Der Ostalbdekan würdigt den verstorbenen Papst als einen großen Theologen, der sich jedoch gewandelt habe – von progressiven Anfängen hin zu einer Theologie konservativen Zuschnitts; als einen Autor zahlreicher klerikaler bedeutender Werke. Und Kloker schätzt Benedikt ein als einen liebevollen Menschen mit bescheidenem Lebensstil. Das gelte für Joseph Ratzinger in seiner hohen Position in der Kirche als Erzbischof von München-Freising, als Kardinal in Rom und als Papst Benedikt XVI.. Einen guten Ruf habe er auch als Professor im Umgang mit Studenten gehabt. Weit weniger bekannt sei, dass Benedikt ein Schöngeist gewesen sei. Vor allem dem musischen Bereich sei er sehr aufgeschlossen gewesen. Er habe Klavier gespielt und sei ein großer Verehrer von Mozart gewesen.

Die Jugendkapelle und Benedikt

Und die Musik ist es, die die Aalener Jugendkapelle und Papst Benedikt XVI. zusammenführen: Sie „treffen“ sich beim Weltjugendtag im August 2005 in Köln. Ein besonderes Erlebnis für die damaligen Mitglieder der Jugendkapelle. Denn sie sehen den Papst nicht nur von der Ferne. Sie begegnen ihm auf dem Rollfeld des Köln-Bonner Flughafens: Dort musizieren sie, als Bundespräsident Horst Köhler Papst Benedikt nach seinem Deutschlandbesuch verabschiedet.

Ostälbler pilgern zur Papstmesse

Sechs Jahre später feiert Benedikt in Freiburg eine Messe mit 100 000 Gläubigen open-air – auch für 54 Ostälbler und den damaligen Abtsgmünder Pfarrer Andreas Ehrlich ein geistliches Gemeinschaftserlebnis ohne Gleichen.

Gut zu wissen

Der frühere Papst Benedikt wird am Donnerstag, 5. Januar, ab 9.30 Uhr auf dem Petersplatz in Rom mit einer Totenmesse verabschiedet. Anschließend wird er im ehemaligen Grab seines Vorgängers Johannes Paul II. in der Krypta des Petersdoms beigesetzt.

Auf der Ostalb sollen für eine Viertelstunde am Donnerstag, 5. Januar, um 11 Uhr, wie in allen katholischen Kirchen in Deutschland auch, zur Beerdigung des früheren Papstes die Glocken läuten.

In der Aalener Marienkirche und im Heilig-Kreuz-Münster in Gmünd wird am Samstag, 7. Januar, jeweils um 8 Uhr, ein Requiem gefeiert.

Die Fahnen der Kirchen sind seit Samstag und bis zur Beerdigung auf halbmast gesetzt.

Die Eucharistiefeier mit Papst Benedikt XVI. war für alle Gläubigen ein besonderes spirituelles Gemeinschaftserlebnis.
Der frühere Abtsgmünder Pfarrer Andreas Ehrlich (in Schwarz) führte die Gruppe von der Ostalb nach Freiburg zum Papstbesuch 2011.
Die Gruppe aus dem Ostalbkreis auf dem Weg zur Messe auf dem Freiburger Flugplatzgelände
An der Salvatorkirche sind die Fahnen auf halbmast gesetzt.

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