Wie Hündin Nala bei der Therapie helfen kann

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Nala bekommt von Sabrina eine Karotte.
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Im Haus am Zanger Berg in Heidenheim werden auch blinde- und sehbehinderte Menschen aus dem Ostalbkreis betreut. Ein Beispiel.

Die Hündin Nala und Sabrina.

Heidenheim

Es ist ein stiller Moment. Einer, in dem auch ein aufmerksamer Beobachter kaum eine Regung sehen kann. Sabrina und Nala liegen auf einem großen, runden Kissen. Seite an Seite. Mensch und Hund. Normalerweise kein ungewöhnliches Duo. Aber Sabrina und Nala haben haben eine andere Verbindung als Frauchen und Tier. Die 21-jährige Sabrina hat eine Sehbehinderung und ist mehrfach beeinträchtigt, Nala ist bei der Nikolauspflege-Stiftung in Heidenheim im Haus am Zanger Berg als Therapiehund die Begleiterin von Heilerziehungspflegerin Anke Simon.

Anke Simon kümmert sich um die 21-Jährige Sabrina, die aus einer Gemeinde im Ostalbkreis stammt und zusammen mit anderen blinden, sehbehinderten und mehrfachbeeinträchtigten Menschen dort betreut und gefördert wird. Seit einiger Zeit auch mit Nala.

Eine Karotte direkt aus der Hand

„Wir sind ein Mensch-Hundeteam“, sagt Anke Simon. Seit zweieinhalb Jahren hat sie Nala. Sie war schon als Therapiehund ausgebildet. „Ich habe sie so übernommen und dann Stück für Stück hier mit in die Einrichtung eingebracht“, erzählt Anke Simon. Mittlerweile sei Nala jeden Tag dabei, begleite Therapieeinheiten mit den Klientinnen und Klienten. Manchmal spaziere sie auch in den anderen Gruppen herum.

In Sabrinas Gruppe kennen alle die Labrador-Hündin. Ganz leise, kaum hörbar wurde sie auch von der 21-Jährigen Sabrina begrüßt. Nur ein Flüstern des Namens zwar, aber Sabrina ist deutlich aufmerksamer, als Anke Simon mit der Hündin neben ihren Rollstuhl tritt. Die Heilerziehungspflegerin hat eine Karotte in der Hand, offenbar eine willkommene Leckerei für den Hund. Sabrina kann sie mit der Hilfe von Anke Simon mit der Hand umgreifen. Ganz vorsichtig knabbert Nala aus Sabrinas Hand daran.

Das Füttern von Karottenstücken fördere nicht nur die Koordination und Motorik, sondern es verlange auch Aufmerksamkeit und Konzentration. Außerdem wirke Nala motivierend, indem sie die Klientin immer wieder sanft anstupse und so nach weiteren Leckerbissen verlange. Dies mache nicht nur Mensch und Hund Freude, sondern fördere unter anderem auch die Empathie für ein anderes Lebewesen.„Wenn es für einen Klienten das Ziel gibt, Mobilität beizubehalten, dann kann man mit dem Hund Türen öffnen“, erklärt Anke Simon dazu.

Einzelförderung, die entspannt

„Nala holt die Menschen den ganzen Tag dort ab, wo sie sind“, ergänzt dazu Stefanie Madan, die stellvertretende Leiterin des Hauses am Zanger Berg. Menschen, die an Epilepsie erkrankt seien, Spastiker, Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen hätten hohe Anspannungen, die weniger würden, wenn ein Tier neben ihn liege oder schalfe. „Tier haben manchmal die Gabe, Dämme brechen zu lassen.“ Nicht zu unterschätzen sei, dass die Hündin auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz positiv wirke.

Tatsächlich ist Nala ein besonders ruhiger, freundlicher, aber auch unaufdringlicher Hund - auch Fremden gegenüber. Anke Simon setzt sie in der Regel individuell für die Einzelförderung ein. Nicht beliebig, sondern nach einem Förderplan, der auch Ziele beschreibt. Auch Menschen mit mitunter komplexen Beeinträchtigungen, die ihre Gefühle für uns oft schwer wahrnehmbar äußern könnten, würden im Kontakt mit dem Hund deutlich lachen und Emotionen zeigen. „Dabei kann man auch immer wieder beobachten, dass auch Personen, die große Mühe haben, sich selbstständig kontrolliert zu bewegen, den Kontakt zum Hund suchen“, erzählt Anke Simon. Der Hund wiederum freue sich über die vielen Streicheleinheiten, die er bekomme.

Ein Tier wie die Hündin biete für die Klienten die Motivation, Ziele in der Therapie zu erreichen. „Wenn ein Mensch mit einem Tier zusammen ist, dann kann er so sein, wie er ist. Der Hund bewertet nicht und legt sich dazu“, sagt die Therapeutin. Nach einer Weile trete dann eine Entspannung ein.

Wenn man Sabrina und Nala zusammen auf dem Kissen sieht, sieht das auf jeden Fall ganz danach aus.

Therapiehündin Nala und Sabrina entspannen sich auf dem Kissen, Therapeutin Anke Simon ist immer dabei, wenn die Hündin bei den Klientinnen und Klienten unterwegs ist. Foto: dot

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