Wie in Brasilien gekocht wird

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In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
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Der Kochtreff der Aalener Kulturküche trifft sich nach der Pandemie wieder in der Bohlschule. Welche überraschenden Einblicke es dabei in die brasilianische Küche gibt.

Aalen. "Los geht es, glaube ich, mit einem Caipirinha“, sagt Knut Frank. Der Vorsitzende des Vereins Kulturküche blickt vorsichtig nach links. Dort sitzen an der bereits gedeckten Tafel im gelben Shirt Karo und Arthur und nicken strahlend in die Runde. Das junge Paar kommt aus Brasilien. Seit 2017 lebt es in Deutschland. Eigentlich wollten Karo und Arthur nur zwei Jahre lang bleiben. Nun, nach fünf Jahren, gestalten die werdenden Eltern den Neustart der Kochtreffs der Kulturküche nach der Pandemie in der Küche der Aalener Bohlschule. Das muss ja auch ein bisschen gefeiert werden.

Statt Vorspeise einen Caipi

Und es gibt, zumindest aus Sicht von Brasilianern, wohl kaum Geeigneteres dafür wie einen „Caipi“. „Damit wir dann auch ein wenig mehr Gas geben können“, witzelt Arthur vor den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Die stehen noch ein wenig ratlos da. Bis auf Günther und Walter - man ist in der Kulturküche per Du - die sich in ihrer Kochzeile beherzt der flüssigen Vorspeise annehmen. Und damit auch die Gruppen an den drei anderen Kochzeilen animieren, sich selbst ans Limetten schneiden zu machen. Zwei gehören in jeden Drink, dazu weißer Zucker, wie Karo lachend, aber bestimmt, betont. „Wir würden in Brasilien niemals braunen Zucker nehmen“, sagt sie. Und gibt den Tipp, das Glas mit 100 Millilitern Wasser aufzufüllen - „gegen die Kopfschmerzen“. Immerhin hat Cacharca, der weiße Zuckerrohrmost, von dem 50 Milliliter in den Caipi kommen, einen Alkoholgehalt von 38 Prozent. Und es geht ja erst los mit dem Kochen ...

Ein wenig Anarchie muss sein

Das scheint simpel. Ein Salat namens „Vinagrette“ aus klein gewürfeltem grünen Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Limettensaft gehört dazu. Er kommt mit auf den Teller, wie Caro später am Tisch erklären wird, und soll für Frische sorgen. „Limette, Zwiebeln, Knoblauch und Reis, das ist in Brasilien eigentlich immer dabei“, sagt sie. Soße, die ja quasi zum Schwäbischen Kulturgut gehört, gibt es so gut wie nie, fährt Caro fort. „Vielleicht, weil es in Brasilien so heiß ist.“

In jeder Gruppe machen sich zwei ans Schnippeln. Auch Hanna, schon im Ruhestand und verwitwet, kümmert sich um den Salat. „Für mich alleine koche ich ja kaum noch“, sagt sie. Aber für die Küche aus anderen Ländern, dafür interessiere sie sich sehr, erzählt sie. Deshalb sei sie dabei mit ihrem Sohn. Diejenigen, die keinen Salat machen, kümmern sich um die Bohnen und den weißen Reis. Ist der „Arroz Branco“ erst mal in Knoblauch und Öl fünf Minuten glasig gedünstet, kommen Wasser und Salz dazu. Der Rest ist: Warten. Denn Karo weist strikt an, den Reis auf keinen Fall umzurühren - und bricht damit die Kochgewohnheiten der ein oder anderen.

Zwar gibt's keine Vorspeise - die Nachspeise darf aber nicht fehlen. Eine „Mousse de Maracuja“ soll es sein. Dafür stehen in jeder Kochzeile fast ein wenig einsam die vier Zutaten bereit. Gezuckerte Kondensmilch, Creme fraiche, eine Packung Maracuja Püree. Das alles kommt in den Mixer und dann garniert mit frischer Maracuja in den Kühlschrank.

Zeit, in Gespräch zu kommen, während Reis und Bohnen weiter vor sich hinköcheln und hier und da doch der Reis gerührt wird. Ein bisschen Anarchie muss sein. „Das macht richtig Spaß. Bei dem einen schmeckt es am Ende so, beim andern so“, sagt Guido, ein Dauergast beim Kochtreff. Seit zehn Jahren kommt er immer wieder und hat schon kroatisch, jugoslawisch und chinesisch gekocht. Teilweise sei das durchaus herausfordernd gewesen. „Zuhause kochen wir eher schnell was“, sagt er.

Kohlrabi - aber nur das Kraut

Unkompliziert zu kochen ist auf jeden Fall auch das Gericht Feijao Tropeiro. Vorausgesetzt, man hat die Bohnen vorher eingeweicht. Als in den insgesamt vier Töpfen alles zusammengemixt ist, kommen zum Schluss die Kohlrabiblätter dazu. „Kohlrabi gibt es in Brasilien nicht“, erklärt Arthur. Dort koche man das Gericht mit „Cove“ auf den Tisch. Eine Art Kraut, das es zumindest in Aalen nicht zu kaufen gebe. „Wir haben durchprobiert“, erzählt Karo. Kohlrabiblätter würden dem Geschmack an nächsten kommen, sagt sie und rollt die Blätter zusammen zu einer Rolle, um zu zeigen, wie man sie so ganz einfach dünn schneiden kann.

Dann geht es zu Tisch und alle Gruppen probieren auch von dem, was die anderen gekocht haben. Als sich alle zufrieden zurücklehnen, hat Evi Frank, die mit Ayla Idrizi die Kochtreffs organisiert, noch einen Überraschungsgast organisiert. Der Musiker Javier Herrera singt als Ständchen „Guantanamera“ und „Marmor, Stein und Eisen“. Zur Belohnung bekommt er eine Portion Feijao Tropeiro mit auf den Weg. Der Caipi ist ausgegangen.

Mehr zum Verein Kulturküche und den Kochtreffs online unter www.kulturkueche-aalen.de

Mehr Bilder sehen Sie online auf www.schwaepo.de und wwww.tagespost.de

Viele Limetten für viele Caipirinhas.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Gemeinsam werden die Kochanweisungen studiert.
Die Wurst wartet auf den Gang in die Bratpfanne.
Konzentration bei der Arbeit.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Noch etwas Zitrone und der Salat ist fertig.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Das Plaudern darf nicht vergessen werden.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Gemeinsam kochen und nun gemeinsam genießen.
Noch mal schnell geschaut, wie es weitergeht.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
Cabanosi und Bohnen für die Feijao Tropeir.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.
Fertig. Als Snack gibt es noch „Schweineohren“-Chips dazu.
Karo mixt einen Caipi, trinken darf ihn jemand anders.
Gekocht wird beim Kochtreff des Vereins Kulturküche in Aalen in mehreren Gruppen. Hanna und ihr Sohn Jochen haben sich entschieden, die „Vinagrette“ vorzubereiten. Jeder fasst mit an, jeder kocht und jeder räumt am Ende mit auf. Fotos: Oliver Giers
Die Tafel ist angerichtet.
In der Kulturküche geht es brasilianisch zu.

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