Wie man Kinder vor Misshandlungen schützen kann

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Eltern, die Anzeige gegen gewalttätige Partner erstatten möchten, können sich vom Weissen Ring unterstützen lassen
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Der Weisse Ring im Ostalbkreis erklärt, wie man Kindern helfen kann und worauf man achten muss

Bopfingen. Viele Menschen fragen sich aktuell, wie es passieren konnte, dass ein Kind in Bopfingen zu Tode misshandelt wird – und es scheint, als hätte niemand etwas bemerkt.

"In erster Linie sind Kindergärten, Schulen und Ehrenamtliche in der Kinder und Jugendarbeit gefragt, um mögliche Kindeswohlgefährdung zu erkennen", sagt Werner Stanislowski, Außenstellenleiter beim Weissen Ring im Ostalbkreis.

Es sei wichtig, dass alle Personen, die einen engen Kontakt zu Kindern haben, aber auch Nachbarn, Bekannte usw. sensibel reagieren und bei einem Verdacht das Jugendamt einschalten. " Oftmals werden die Eltern sagen, das Kind sei die Treppe heruntergefallen oder habe sich gestoßen. Das zu klären ist dann Aufgabe der zuständigen Behörden.

Schwierig sei es auch, wenn Ärzte Verletzungen feststellen – zwar können sie bei einem ernstzunehmenden Verdacht auf Kindesmisshandlung Polizei und Jugendamt benachrichtigen, sie müssen aber abwägen, ob das Kindeswohl höher zu werten ist, als die ärztliche Schweigepflicht.

Eltern, die bei Häuslicher Gewalt Anzeige erstatten möchten, können sich vom Weissen Ring beraten und unterstützen lassen. "Es gibt in vielen Fällen eine kostenlose Rechtsberatung durch einen frei zu wählenden Anwalt", so Stanislowski. "Dann schauen wir, welche weiteren Schritte erforderlich sind."

Zudem begleiten die Helfer des Weissen Rings Betroffene durch das ganze Strafverfahren. Die Kriminalitätsopfer sollen sich nicht alleine gelassen fühlen. Was aber, wenn man als Außenstehender den Verdacht hegt, dass ein Kind misshandelt wird? Grundsätzlich müsse die Polizei der Sache nachgehen, wenn Anzeige erstattet wird, erläutert Stanislowski.

Deshalb ist sei es nicht verkehrt zunächst einmal den Sachverhalt dem Jugendamt, der Erziehungs- und Familienberatungsstelle beim Landratsamt oder aber einem Mitarbeiter des Weißen Rings zu schildern und dort Rat einzuholen. Das kann zunächst auch anonym erfolgen. Somit trägt man nicht alleine die Verantwortung.

Dennoch will er nicht, dass unbescholtene Familien denunziert werden. "Man muss nicht gleich jemanden beschuldigen", sagt er. Wichtig sei , dass man bei einem konkreten Verdacht Fachberatungsstellen einschaltet, welche dann die die entsprechenden Maßnahmen treffen können oder Ratschläge geben und Verantwortung für das Kindeswohl übernehmen müssen. Er schlägt auch vor alle Feststellungen und Anrufe zu dokumentieren.

Wie erkennt man, dass Kinder misshandelt werden?

Auch die Polizei hat Tipps, wie Außenstehende erkennen können, dass Kinder misshandelt werden.Die Anzeichen:

Verhaltensveränderungen: Da sich Kindesmisshandlungen vor allem innerhalb der Familie ereignen, sind ihre Opfer auf Hilfe von außen angewiesen – und das umso mehr, je jünger sie sind. Doch wie kann man Kindesmisshandlung erkennen?

Verletzungen: Sichtbare Verletzungen (wie blaue Flecken, Blutergüsse, Abschürfungen, Brand- und andere Wunden, Knochenbrüche) deuten auf eine Gewaltanwendung hin. Einen Hinweis auf solche Verletzungen kann auch das Verhalten des Kindes geben, wenn es sich etwa weigert, nach dem Sport zu duschen oder wenn es im Unterricht nie kurze Hosen oder T-Shirts trägt.

Psychische Gewalt hinterlässt dagegen fast nie direkt sichtbare Spuren. In allen Fällen von Kindesmisshandlung können auch Verhaltensänderungen Hinweise sein: Wenn Kinder etwa besonders aggressiv oder auch still werden und sich aus ihrem sozialen Netz zurückziehen. Misshandelte Kinder können auch auf einmal einen starken Leistungsabfall oder unerklärliche Lernschwächen aufzeigen beziehungsweise ohne fassbaren Grund Sprachstörungen aufweisen und wieder beginnen sich einzunässen.

Auch Vernachlässigungen können erkannt werden, zumindest dann, wenn das Kind den Kindergarten oder die Schule besucht: Ungepflegtes Äußeres, schmutzige, nicht alters- und witterungsgerechte Kleidung, unregelmäßiger oder kein Besuch der Kindertagesstätte und/oder Schule, Fehlen von Arbeitsmaterialien, Sportzeug oder Pausenbrot, Aufweisen immer wiederkehrenden Insektenbefalls wie Kopfläuse.

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