Wie "Onsre Linsa" zum Renner auf der Ostalb werden

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Heidrun Zoller vom Zeirenhof in Schechingen mit den selbst gezüchteten Linsen, die es als "Onsre Linsa" zu kaufen gibt - ein Biolandprodukt.
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Heidrun und Friedemann Zoller vom Biolandbetrieb in Schechingen bauen seit nunmehr sieben Jahren ihre Linsen an - mit großem Erfolg.

Schechingen. Ob grün, rot oder schwarz: Linsen sind hierzulande überaus begehrt. In Feinschmeckerrestaurants genauso wie in vegetarischen oder in veganen Küchen. Nicht mehr nur als "schwäbisches Nationalgericht", den Linsen und Spätzle, sind die Hülsenfrüchte der Renner, sondern zum Beispiel in Salat-Variationen. Das merken auch Heidrun und Friedemann Zoller vom Biolandbetrieb Zeirenhof in Schechingen. Seit nunmehr sieben Jahren bauen sie ihre Linsen an, "OnsreLinsa" genannt. "Der Verkauf läuft ausschließlich über die Direktvermarktung, trotzdem sind die Linsen immer rasch ausverkauft", erzählt Heidrun Zoller. Begonnen hätten sie mit einem Hektar. Fünf Hektar Linsen pro Jahr bauen die Zollers inzwischen an.

Die Erfolgsgeschichte von "OnsreLinsa" begann 2013 im Remstal; genauer: in Plüderhausen, also unweit der Ostalb. "Wir haben im Rems-Murr-Kreis eine Hofstelle von meinen Schwiegereltern übernommen, in Alfdorf", erklärt Heidrun Zoller. Der dortige Amtsleiter habe damals alle Höfe des Landkreises abtelefoniert. "Er suchte jemand, der Linsen für die Remstal-Gastronomie anbauen will. In Anlehnung daran, dass es in Plüderhausen auch ein Gebiet gibt, das Linsenberg heißt." Und weil Heidrun und Friedemann Zoller immer offen für neue Herausforderungen seien, hätten sie zugesagt.

Die spannendste Frage zum Einstieg sei gewesen: Woher bekommen wir das Saatgut? Die Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ habe sie nicht in ihren Verbund aufgenommen, "weil sie dabei streng vorgehen", erläutert die 53-jährige Bioland-Landwirtin. "Unsere Anbauflächen befinden sich eben nicht auf der Schwäbischen Alb." Ihr erstes Saatgut bekamen die Zollers dann aus Frankreich. Die Herkunft ist heute noch auf jeder 500-Gramm-Packung von "OnsreLinsa" nachzulesen: Typ "du Puy". Die grünen Le-Puy-Linsen kämen ursprünglich aus der Auvergne, erklärt Heidrun Zoller. "Inzwischen bauen wir sie selber an." Vor allem ihr Mann Friedemann (54) sei dafür zuständig.

"Anfangs ist mein Mann übers Feld gerobbt, um zu sehen, ob die Linsen schon reif sind."

Heidrun Zoller, Biolandwirtin

Aussaat ist im März, mit der Sommerkultur. "Weil die Linse eine Rankhilfe benötigt, hat mein Mann anfangs mit Hafer gearbeitet, mittlerweile setzt er auf Gerste." Bis zu einem halben Meter ranke die Linse an den Getreidehalmen empor. "Wenn die Gerste reif ist, werden Linse und Gerste zusammen mit dem Mähdrescher geerntet." Das sei irgendwann im August so weit. "Anfangs war es gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden", erinnert sich Heidrun Zoller. Denn wenn die Linse oben noch grün ist, kann es sein, sie ist unten schon reif." Um die Linsen, die ganz unten liegen, zu begutachten, sei ihr Mann im ersten Jahr übers Feld gerobbt. "Inzwischen läuft die Ernte entspannter ab."

Wichtig sei, die Feldfrucht ganz tief am Boden abzuschneiden. "Dann müssen die winzigen Linsen sofort trocknen und von Unmengen an Steinchen und Gerste getrennt werden." Das sei sehr aufwendig. Heidrun Zoller erklärt: Die Reinigung erfolge zuerst auf ihrem Hof über Siebe. Dabei würden auch halbe Linsen oder vereinzelte Scherben entfernt. Die weiteren Arbeitsschritte übernehme eine Fremdfirma, genauer: die Getreidegenossenschaft von Bioland. "Die arbeiten mit einer Fotooptik."

Ganz klar: Linsen, die in entsprechender Verpackung zum Verkauf beziehungsweise für den Kochtopf bereit liegen, kennen wir. Aber wie sehen die Linsen eigentlich in ihrem ursprünglichen Zustand aus, wenn sie auf dem Feld geerntet werden? Um das ihrem Besuch zu zeigen, hat Heidrun Zoller einen kleinen Schaugarten auf ihrem Zeirenhof in Schechingen eingerichtet. Häufig kämen Landfrauen oder Schulklassen zu ihr und seien an solchen Vorführungen interessiert, sagt sie. Die 53-Jährige zieht ein rankendes Gewächs aus dem Boden, mit vielen kleinen grünen Blättchen - und bräunlichen Schoten. Heidrun Zoller öffnet eine der Schote - und heraus kommen zwei winzige Linsen. "In jeder Schote sind maximal zwei Körner", erklärt sie.

"Weil unsere Linsen eine feste Konsistenz haben und beim Kochen ihren Biss behalten, eignen sie sich nicht super nur als Gemüse, sondern auch für Salate", sagt Heidrun Zoller. Linsensalate in allen möglichen Variationen zuzubereiten, mache ihr großen Spaß. "Wichtig ist, dass der Salat lange genug ziehen kann", betont sie. In der vegetarischen und veganen Küche seien ihre Linsen auch sehr gefragt, weil sie beispielsweise hochwertige Fettsäuren enthalten, sagt sie. Heidrun Zoller läuft erneut zu ihrem Schaugarten und erzählt: "Weil wir gerne etwas ausprobieren, versuchen wir uns jetzt auch an neuen Produkten: Leindotter und Öllein für hochwertiges Öl." Sie kommt mit Kapseln der Leinpflanzen zurück und zeigt: Aus so einem Öllein-Boppel kommen etwa sechs Körner. "Die schmecken im Müsli sehr lecker", schwärmt sie. "Aber wir lassen die Ernte hauptsächlich in der Ölmühle in Hönig hochwertig verarbeiten."

  • "Onsre Linsa" vom Zeirenhof gibt's auch in Hofläden
  • Den Zeirenhof in Schechingen bewirtschaften Heidrun und Friedemann Zoller seit 24 Jahren. Inzwischen haben die Biolandwirte die Direktvermarktung von Fleisch beendet. Im Vordergrund steht nun die Direktvermarktung der eigenen Linsen, "Onsre Linsa" genannt.
  • Die Linsen gibt's bei diesen Hofläden im Ostalbkreis: Biolandhof Fauser in Mutlangen; Landhandel Gütlin, Horner Mühle 2 in Horn; Heimatsmühle, Aalen; Heimatkiste in Ruppertshofen; Landmetzgerei Jäger, Eschach-Holzhausen; außerdem bei "Regional und Unverpackt" in Schwäbisch Gmünd und in Aalen. Unter www.zeirenhof.de gibt's weitere Infos.
  • "Linsa-Leckerei" vom Zeirenhof
  • Herbstlicher Linsensalat mit Walnüssen: 250 g "OnsreLinsa" 35 bis 40 Minuten kochen und abtropfen lassen. Vermischen mit 50 g gehackten Walnüssen, einer zerdrückten Knoblauchzehe, einem Bund zerhackter Frühlingszwiebeln und einer Portion Vinaigrette (1 TL Salz, 4 TL Balsamico, 5 EL Öl in Form von Olivenöl- Sonnenblumen- oder Walnussöl). Sie können auch Ihre Salatsoße verwenden. Das Ganze mit Salz und Pfeffer würzen und zum Marinieren einige Stunden (mindestens 4 Stunden) stehen lassen. Den Linsensalat in eine Servierschüssel geben und bis zum Essen kalt stellen. Kurz vor dem Servieren mit 1-2 EL gehackter Petersilie garnieren.
Vom Zeirenhof in Schechingen: selbst gezüchtete Linsen, die es als "Onsre Linsa" zu kaufen gibt - ein Biolandprodukt.
Linsen "Onsre Linsa"
Heidrun Zoller vom Zeirenhof in Schechingen mit den selbst gezüchteten Linsen, die es als "Onsre Linsa" zu kaufen gibt - ein Biolandprodukt.
"Onsre Linsa" vom Zeirenhof in Schechingen
links: Linsen, Mitte: Öllein, rechts: Leindotter
Linsen mit Öllein vom Zeirenhof in Schechingen
Linsen mit Öllein vom Zeirenhof in Schechingen
"Onsre Linsa" vom Zeirenhof in Schechingen
Vom Zeirenhof in Schechingen: selbst gezüchtete Linsen, die es als "Onsre Linsa" zu kaufen gibt, zusammen mit dem Getreide, mit dem die Linsen geerntet werden
Vom Zeirenhof in Schechingen: selbst gezüchtete Linsen, die es als "Onsre Linsa" zu kaufen gibt - ein Biolandprodukt.

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