Kommentar

Wie wir über die Fußball-WM berichten

+
Lars Reckermann
  • schließen

Was ist der richtige Umgang mit der Fußballweltmeisterschaft in einem totalitären Staat? So hat die Redaktion darüber diskutiert und entschieden.

Am 20. November startet die Fußball-WM…, die Winter-Weltmeisterschaft. Fußball steht für Emotionen und Leidenschaft. In einer Sache sind sich die Fußballfans bei dieser WM einig: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar auszurichten, ist falsch. Wir haben in der Redaktion intensiv diskutiert. Wie gehen wir damit um? Sollen wir das sportliche Großereignis nur am Rande beachten? Das würde dem Sport nicht gerecht werden. Deshalb haben wir beides gemacht und machen beides: Wir behalten den Gastgeber im Blick – und den Fußball.

Die Vorfreude auf eine Fußball-WM war bislang eine andere. Public Viewing, Fanartikel, Deutschlandfahnen am Auto. In unserer Zeitung haben sie bislang andere Geschichten gelesen. „Kultur kickt Katar“, Gastronomen, die kein einziges Spiel übertragen wollen, Protestaktionen gegen Menschenrechtsverletzungen, Bürgerinnen und Bürger der Ostalb, die eine deutliche Meinung zum Gastgeberland Katar äußern. Aber auch Fußballfans, die den Sport nicht für eine korrupte Vergabe aufgeben wollen. Fest steht aber: Ein Sommermärchen, dass die Herzen der Fans erreicht, wird die WM 2022 nicht.

Gleichwohl: Sind wir doch einmal ehrlich. Wer hat sich für die Menschenrechtslage in Katar interessiert, bevor die WM dorthin vergeben wurde? Wegschauen war nie eine gute Lösung. Deshalb schauen wir nicht nur vor der WM genau hin, sondern auch während der WM. Sportlich jedoch nicht in dem Umfang, wie wir das bei früheren Fußballweltmeisterschaften gemacht haben. Wir berichten in der gedruckten Zeitung täglich auf zwei WM-Seiten über die sportlichen Aspekte. Darüber hinaus berichten wir schneller auf unserer Internetseite. Wer auf unserer Homepage das Schlagwort „Fußball-WM“ aufruft, kann nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch alle Hintergrundberichte lesen. Das Flutlicht leuchtet bei dieser WM nicht nur „aufm Platz“. Es leuchtet auch auf die sonst finsteren Machenschaften eines totalitären Staates. 

Deshalb wiederhole ich noch einmal unsere Entscheidung: Wir behalten den Gastgeber im Blick – und den Fußball.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare