Wieder Streik im öffentlichen Dienst

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Die zweite Warnstreikwelle hat am Dienstag Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd erreicht. Was sich Arbeitnehmer von diesem Streik erhoffen.

Aalen/ Schwäbisch Gmünd/ Ellwangen

Die 500 ist die Zahl des Tages. So viele Arbeitnehmer haben sich am Dienstag auf dem Aalener Sparkassenplatz versammelt, um für mehr Geld zu streiken. Mit Fahnen und Schildern in den Händen, legen sie dafür einen Teil des öffentlichen Betriebs lahm und hängen Ver.di Gewerkschaftssekretärin Ilka Ulrich an den Lippen. Sie sagt, worum es geht:

Das Ziel ist eine Erhöhung des Tarifgehalts um 4,8 Prozent im öffentlichen Dienst. "Das bedeutet mindestens 150 Euro mehr für Arbeitnehmer und mindestens 100 Euro mehr für die Azubis und dualen Studierenden", erklärt sie. "Die Arbeitgeber wollen, dass wir einknicken, doch das Einknicken können sie knicken", sagt Ulrich und die Menge stimmt mit lautem Klackern und Pfeifen zu.

Unter den Streikenden ist auch Gabi Deleidi von den Gmünder Bäderbetrieben. Sie hofft, dass das Streiken endlich ein Signal setzt. "Die Arbeitgeber sollen sich weiter an die Tische setzen und verhandeln", sagt sie.

Eine ähnliche Meinung hat auch Martin Jahn von der katholischen Betriebsseelsorge in Aalen. Auch er erhofft sich von diesem Tag Erfolge. "Ich wünsche mir wirklich, dass das Streiken ein Umdenken in der Politik bewirkt", sagt er. Es gebe seit Jahren Sozialabbau, und es sei einfach ungerecht, dass die Politiker mit Steuern bezahlt werden, aber nichts zurückkomme. Seiner Meinung nach werde die Mitte immer dünner. "Man hat das Gefühl, dass wir alle in einem Boot sitzen, aber die Politik in einem größeren Boot von oben herabschaut", erklärt er. Und das sei für die Demokratie einfach nicht richtig.

Auch die beiden Kardiologinnen Dr. Stefanie Zeiher und Dr. Christine Hummel vom Ostalb Klinikum sind bei dem Streik dabei. Sie erhoffen sich ein angemesseneres Gehalt und hoffen auf bezahlte Pausen. "Es wird von uns verlangt, dass wir aufspringen, wenn ein Notfall reinkommt", sagt Hummel. Und das auch während der Pausen. Auch die Zulagen für den Wochenenddienst seien "einfach lächerlich", sagt Zeiher. "Es ist schade, wie schnell die Arbeitgeber vergessen haben, was wir alle im Krankenhaus in der Hochphase der Corona-Krise durchgemacht und geleistet haben", sagt sie.

Ich wünsche mir wirklich, dass das Streiken ein Umdenken in der Politik bewirkt.

Martin Jahn Katholische Betriebsseelsorge

Nach Philipp Blessing, Personalrat der Kreissparkasse, könne die Politik nach immer mehr streben, "doch wenn am Ende des Jahres dabei 4,8 Prozent mehr Geld auf dem Lohnzettel stehen, ist alles gut."

Arbeitnehmer aus dem öffentlichen Dienst wie Stadtverwaltung, Stadtwerke, Landratsamt sowie Arbeiter aus den Ostalbkliniken in Aalen und Ellwangen sind an diesem Tag dabei, sowie Gmünder Arbeitnehmer aus Stadtwerke und städtischer Verwaltung. Ver.di fordert dabei eine Erhöhung von 4,8 Prozent auf die Entgelte, auf zwölf Monate gelegt. "Das bedeutet, dass wir nach einem Jahr erneut streiken werden", sagt Ulrich.

Die Arbeitgeber bieten allerdings nur einen Inflationsausgleich zwischen 0,6 und 0,8 Prozent auf 36 Monate. "Sie halten uns damit nur den ausgestreckten Arm hin und mehr nicht. Das geht so nicht und ist einfach zu wenig", erklärt Ulrich. Deshalb, "wenn sich bei den Arbeitgebern nichts bewegt, dann bewegen eben wir uns immer weiter", sagt Ulrich.

Die Streikwelle geht an diesem Mittwoch weiter. Dann in Heidenheim. Um 12 Uhr ist die öffentliche Kundgebung auf dem Eugen–Jaekle–Platz.

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