Wo der Ostalb-Wertstoff landet

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Früher landete Müll nicht auf Deponien der GOA, sondern auf nicht beaufsichtigten Müllplätzen, die es in jeder Gemeinde gab. Die Plätze wurden später irgendwann verfüllt. Unser Symbolbild zeigt die Deponie Ellert.
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Die GOA managt die Wertstoffkreisläufe auf der Ostalb auf vielen Wegen. Als jüngstes Projekt steigt das Unternehmen nun in eine Aktion zum Sammeln von Altfetten ein.

Aalen

Was passiert mit dem Müll im Ostalbkreis? Umfassend darüber informiert hat GOA-Geschäftsführer Arne Grewe jüngst im Kreisausschuss für Umweltschutz.

Hausmüll:Der Hausmüll wird bei der GOA umgeschlagen und landet in Müllverbrennungsanlagen in Würzburg oder Ulm.

Gelbe Säcke: Diese werden bei der GOA umgeschlagen und gehen in eine Leichtverpackungssortieranlage nach Waiblingen, die von der Alba betrieben wird.

Altglas: Dies wird bei der GOA von einem Systembetreiber abgeholt und geht in Glaswannen, die vertraglich gebunden sind.

Altholz: Althölzer schreddert und siebt die GOA, bevor das Material, je nach Qualität, in die Spanplattenindustrie oder in Biomasseheizkraftwerke geht.

Sperrmüll: Der landet, je nach Inhalt, in der Verbrennung oder nach Aufbereitung der GOA in der Gewerbeabfallsortieranlage.

Dosen:Diese werden nach dem Verpackungsgesetz bei der GOA umgeschlagen, verdichtet und dann durch die Systembetreiber der dualen Systeme abgeholt.

Sonderabfälle: Diese klassifiziert, sortiert und verpackt das GOA-Fachpersonal bevor die Stoffe in die Sonderabfallbehandlungsanlagen gehen.

Elektronikschrott: Dieses Material wird nach gesetzlich vorgegebenen Sammelgruppen sortiert. Durch die neue Zertifizierung als Erstbehandlungsanlage darf die GOA die Abfälle vorbehandeln. Dies beinhaltet neben der Entnahme von Batterien und Akkus auch das Entfernen von Kabeln sowie die Zusammenführung zu logistischen Einheiten. Vorsortierte Sammelgruppen gehen nur in zertifizierte Erstbehandlungsanlagen.

Papier, Pappe, Kartonagen: Die Papiersorten werden in der Altpapierbehandlungsanlage sortiert und teils zu Ballen gepresst und gehen zu etwa 90 Prozent zur Firma Palm in Neukochen.

Klärschlammaufbereitung: Klärschlamm aus dem Kreis wird über die Deponien Ellert und Reutehau umgeschlagen, das heißt, kleinere Mengen werden zu größeren zusammengefügt und von Subunternehmern zu Verbrennungsanlagen gebracht. Die Menge von etwa 28.000 Tonnen, die die GOA handelt, sei groß genug, so Grewe, dass sie eine eigene Anlagentechnik vertrage. Neben der Abfallbehandlung gehe es hier um das umweltpolitische Ziel der Rückgewinnung des Phosphors. Weiter gehe es um Wirtschaftlichkeit und Mehrwert bei der GOA.

Kunststoffe: Kunststoffe werden auf dem Ellert angeliefert, sortiert und gegebenenfalls gepresst. Die so hergestellten Kunststoffsorten werden an die Recyclingwirtschaft abgegeben. Folienabfälle werden gewaschen, zerkleinert und wieder zu Folien verarbeitet. Bei alten und defekten Mülltonnen baut die GOA die Metallachse aus, sortiert die Tonnen nach Farben und gibt sie dann an Granulierbetriebe. Diese waschen das Granulat und stellen es den Herstellern solcher Tonnen zur Verfügung. Für diesen Stoffstrom erhält die GOA jedes Jahr die entsprechenden CO2-Einsparungszertifikate, weil der Mülltonnenkreislauf dadurch geschlossen ist.

Die Kunststoffe aus der Sammlung bei den Wertstoffhöfen werden derzeit lose abgeholt und auch hier verschiedenen Kunststoffaufbereitungsfirmen zur Verfügung gestellt. Ab Anfang 2023 werden die Kunststoffe zur neuen Kanalballenpresse auf der Deponie Reutehau geliefert. So hat die GOA eine größere Wertschöpfung in der Vermarktung und gleichzeitig eine redundante Kanalballenpresse zum Ellert.

Biogene Abfälle: Die GOA verfügt über zwei voneinander getrennte Erfassungssysteme für biogene Abfälle. Sie erfasst die Biobeutel aus der Küche und die Gartenabfälle (Laub, Gras, Sträucher und Pflanzen/Blumen) in der Grünguttonne. Derzeit hat die GOA über 11.000 dieser Sammelgefäße im Einsatz. Abfälle aus der Grünguttonne werden geschreddert, gesiebt und das holzige Material geht in die Biomasseheizkraftwerke. Die Siebüberläufe werden auf dem Ellert kompostiert. Damit kann die GOA Frischkompost als auch Pflanzkomposte, und diese güteüberwacht, herstellen.

Die Biobeutel sind gut geeignet für eine Biogasanlage, da die Ausbeute an Methangas besonders groß ist. Daher plant die GOA eine eigene Biogasanlage. Dort sollen Biobeutel, aber auch Küchen- und Kantinenabfälle (Speiserestetonne) verarbeitet werden. Dann könnte die GOA die derzeit an Subunternehmer vergebenen Aufträge im eigenen Haus erledigen.

Für das erzeugte Biogas (Methangas) gibt es viele Einsatzmöglichkeiten: Derzeit nutzt die GOA das Deponiegas auf Ellert und Reutehau in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung. Aus Biogas kann aber unter anderem auch Flüssiggas als LNG werden oder auch Synthesegas zur Herstellung von Methanol, als sogenanntes Biomethanol, das unter anderem als Kraftstoff verwendet werden kann.

Ziele des GOA-Chefs: „Wir werden die im eigenen Bereich vorliegenden Abfälle in eigenen Anlagen aufbereiten. Die GOA verfügt über eine Abfallmenge, die in den jeweiligen Bereichen ausreicht, um eine Aufbereitungsanlage wirtschaftlich zu betrieben. Das Ganze natürlich unter den wirtschaftlichen Gesichtspunkten und im Sinne des Klima- und Umweltschutzes. Ziele sind es, Ressourcen einzusparen, CO2 zu vermeiden, CO2 neutraler zu werden und die GOA in eine Funktion als Lieferant für Rohstoffe, Energie und Sekundärrohstoffe umzuwandeln, sie vollends aus der Ecke der Müllabfuhr herausbringen und als Partner oder Lieferant für die Region anzubieten“ sagt Grewe.

Aktion „Jeder Tropfen zählt“

Aalen. Derzeit wird Altfett gesammelt und geht zu den Firmen Remondis und Lesch. Dieses Material wird in Fässern als lose Schüttung abgeholt. Nun will sich die GOA an der Initiative „Jeder Tropfen zählt“ beteiligen und dazu die Haushalte mit Sammelgefäßen ausrüsten.

Diese seien absolut dicht, sicher, mit einer großen Öffnung versehen und fassten 1,2 Liter, sagt GOA-Chef Arne Grewe. Sie verfügten über eine Füllstandsanzeige, seien leicht, bruchfest und hitzebeständig bis 70 Grad und damit ideal in Küchen aufzustellen. Fette, egal ob zum Braten oder Öle aus eingelegten Lebensmitteln, Fritteusenreste, sonstige Fette und Öle sollen hier eingefüllt werden.

Die GOA hofft, dass pro Haushalt im Jahr 0,7 bis ein Liter Altfett eingesammelt werden kann.

Die Abgabe der Sammelbehälter soll auf allen Wertstoffhöfen erfolgen. Zudem sollen Rücknahmeautomaten aufgestellt werden. Diese fassen 200 Behälter, senden online die Daten, sind autark über Akku oder solar, stehen 24/7 zur Verfügung und könnten bei Supermärkten aufgestellt werden. Die Initiative soll die Kosten für die Reinigung und Sanierung von Abwasserkanälen reduzieren. Auch im Haus hilft dies, denn wer Altfette in den Ausguss kippt, riskiert, dass dieses beim Erkalten die Rohre verstopft.

Die Behälter werden in einer Behandlungsanlage entleert, gewaschen und desinfiziert. Das Altfett selbst wird aufbereitet und kann dann zu einem HVO Kraftstoff (CO2 neutraler Kraftstoff) umgewandelt werden. Bereits jetzt werden in einem Test sechs GOA-Lkw mit HVO Kraftstoff betankt, der aus im Ostalbkreis eingesammelten Altfetten erzeugt wurde. Für diesen CO2 neutralen Kraftstoff müssen die Fahrzeuge nicht umgerüstet werden. Es kann auch problemlos Diesel getankt werden. Die Fahrzeuge müssen weniger „ausbrennen“, was Dieselrußpartikelfilter und den Messsendern eine längere Lebensdauer beschert. Auch verursacht dieser Kraftstoff weniger Feinstaub.

Der Nachteil bei diesem Kraftstoff ist jedoch, dass er derzeit um etwa 25 Prozent teurer ist und in nur wenigen Raffinerien hergestellt wird. Daher sieht das weiterführende Konzept den Zusammenschluss mehrerer Landkreise und Gemeinden vor, um in einem Verbundsystem mindestens 5000 Tonnen Altfett einzusammeln und dieses über eine Anlage zu Kraftstoff zu machen. Ziel der GOA ist es, die derzeitig benötigte Menge von 1,2 Millionen Liter Diesel pro Jahr selbst herzustellen oder den Rohstoff zur Verfügung zu stellen. ⋌mas

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Biomüll.
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Hausmülltonne.
Grüne Tonne.
Blaue Altpapiertonne.

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