Wo einst hunderte Hexen starben

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Das Hexenmahnmal im Galgenwald in Ellwangen wurde vom Künstlerpfarrer Sieger Köder entworfen.
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Mit dem Entdeckerpass des Landratsamtes Ostalbkreis unterwegs. Wandern im Galgenwald.

Ellwangen.

Es gibt vermutlich schönerer Ziele für einen Spaziergang als ein Hexenmahnmal. Es gibt aber auch vermutlich nur wenige Ziele, die die grauenhaften Praktiken des Mittelalters so deutlich veranschaulichen, wie einen künstlerisch gestalteten Scheiterhaufen. Zu sehen ist das Mahnmal im Ostalbkreis, genauer in Ellwangen.

„Jewawi“, die Abkürzung steht für „Jetzt WAndern WIr“. Dabei handelt es sich um ein YouTube-Videoformat der Schwäbischen Post, bei dem meine Frau Aki und ich den Ostalbkreis erkunden. Wir waren unter anderem schon in Neresheim, am Rosenstein, auf dem Kalten Feld und in Schwäbisch Gmünd (alle Teile der Serie auf www.youtube.com/c/SchwäbischePostGmünderTagespost/playlist).

Gleich 25 Ideen für weitere spannende Ziele im Ostalbkreis hat uns nun das Tourismusbüro im Landratsamt beschert. Dort gibt es den Entdeckerpass. Der listet nicht nur wunderschöne Ausflugsziele auf. An allen Zielen gibt es eine Stempelbox, bei der jede Sehenswürdigkeit in eine Art Ostalb-Reisepass gestempelt werden kann.

Für eine kurze Wanderung auf festen Wegen bietet sich ein Spaziergang im Galgenwald in Ellwangen an. Start ist der Wanderparkplatz Galgenwald in Ellwangen. Er ist auf Google zu finden und befindet sich im Bereich Rosenberger Straße/Ringweg/L1073.

Warum ich mir für die Wanderung ausgerechnet eines der dunklen Kapitel in der Ellwanger Geschichte ausgesucht habe, in dem es um Hexenverfolgung geht, lässt meine Frau über den Zustand unserer Ehe philosophieren. Nachdem ich ihr aber versichern konnte, dass ich anders ticke als die Fürstpröpste Johann Christoph I. und II., die Anfang des 17. Jahrhunderts so ziemlich alles auf den Scheiterhaufen warfen, was ihnen nicht geheuer war, wird es doch ein gemütlicher etwa eineinhalbstündiger Spaziergang. Nebenbei: die meisten Menschen starben nicht durchs Feuer, sondern weil ihnen „Gnade“ gewährt und sie zuvor enthauptet wurden. Der Weg zum Mahnmal ist gut ausgeschildert. An den aufgestellten Informationstafeln lohnt sich ein Stopp und der Blick aufs geschriebene Wort. 450 Menschen fielen dem Irrsinn der Hexenverfolgung zum Opfer, jeder fünfte war übrigens ein Mann. Es wurde damals wild denunziert, um seine eigene Haut zu retten, um dann am Ende doch in Flammen aufzugehen.

Der Henker hatte überhaupt kein Interesse, das Morden zu beenden. Er verdiente in der Zeit gutes Geld. Die Herrscher brauchten damals übrigens Sündenböcke, um Dürre und Hungersnöte zu erklären. An Misswirtschaft konnte das ja nicht liegen, da musste der Teufel seine Hände im Spiel haben.

Kein geringerer als der Künstlerpfarrer Sieger-Köder gestaltete das Mahnmal, das in direkter Nähe zum bereits archäologisch untersuchten Galgen im, ja ich gebe zu, Waldgebiet mit dem wenig schmeichelhaften Namen „Galgenwald“ liegt. Ein schwarzes Kreuz in Galgenform ist dort zu sehen. Gestapelte Holzbalken symbolisieren das Feuer. Die kleine Mauer um das wuchtige Kreuz ist aus Steinen von einem Friedhof errichtet worden. Symbolisch finden die früher auf nicht geweihtem Boden Verstorbenen heute dort doch noch ihre Ruhe.

Tipp: Ein gastronomisches Angebot gibt es im Galgenwald nicht. Da lohnt sich der Gang oder die Fahrt in die Ellwanger Innenstadt oder zum Ellwanger Schloss.

  • So funktioniert's mit dem Entdeckerpass
  • Die Stempel für den Entdeckerpass liegen an jedem der 25 Orte jeweils in einem witterungsbeständigen, roten Stempelkasten bereit. Ziel ist es, mindestens 20 Stempel unterschiedlicher Stellen zu sammeln. Wer in seinem Heft mindestens 20 verschiedene Stempel gesammelt hat, kann seinen „Entdeckerpass“ bis spätestens 17. September an das Landratsamt Ostalbkreis, Stabsstelle Tourismus, Gartenstraße 97, 73430 Aalen, einsenden. Unter den Einsendern werden 50 Preise verlost, der Hauptpreis ist eine Ballonfahrt mit dem SchwäPo/Tagespost-Heißluftballon.
  • Das Päckle: Alle Informationen auch auf www.deine-ostalb.de/Entdeckerpass. Das „Entdecker-Päckle“ ist im Landratsamt Ostalb, in allen Tourist-Informationen sowie Rathäusern der Städte und Gemeinden im Ostalbkreis erhältlich. Unter tourismus@ostalbkreis.de oder Telefon (07361) 503-1793 kann das „Entdecker-Päckle“ kostenlos angefordert werden.
An jedem Ziel im Rahmen des Entdeckerpasses gibt es eine Stempelbox, in der das Ziel abgestempelt werden kann.

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