Wo wird die neue Deponie gebaut?

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Szene auf dem Ellert. Die Deponie ist komplett verfüllt. Mineralisches Material landet inzwischen einzig auf der Deponie Reutehau. Der Landkreis sucht einen Standort für eine neue Deponie. Die grün markierten Flächen auf der Landkarte kommen dafür potenziell in Frage.
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Obwohl sie erweitert werden, reichen die Kapazitäten der Deponien Reutehau und Ellert langfristig nicht aus. Eine neue Deponie könnte im nord-östlichen Ostalbkreis entstehen.

Aalen

Die Deponiekapazitäten im Land, auch auf der Ostalb, sind an der Kapazitätsgrenze. Vor allem für die Deponierung mineralischer Abfälle – Bauschutt und Abbruchabfälle – fehlt zusehends der Raum. Diese Abfälle müssen auf Deponien der Klasse I und II abgelagert werden. Der Landkreis hat daher bereits 2021 beschlossen, seine beiden Deponien Ellert und Reutehau zu erweitern, um sich Luft zu verschaffen. Jeweils 500.000 Kubikmeter mehr Raum wird dies bringen. Weil dies aber langfristig nicht ausreicht, wird nun ein weiterer Standort für eine Kreis-Deponie gesucht. Die soll bis in etwa zehn Jahren stehen.

Über den aktuellen Stand des Verfahrens hat Kreiskämmerer Karl Kurz am Dienstagabend den Kreistag informiert. Demnach sind im ersten Schritt bei der Suche nach möglichen Standorten anhand der Gesamtkarte des Ostalbkreises potenziell geeignete Deponiegelände ermittelt worden. Es seien Geodaten herangezogen und auf Basis dieser Flächen gekennzeichnet worden, die aufgrund von einem oder mehreren Ausschlusskriterien nicht oder nur eingeschränkt als Standort für eine Deponie geeignet sind, erklärte Kurz.

Ausschlusskriterien sind hierbei Oberflächenwasser und Grundwasser (Grundwasserschutzgebiete, Fließgewässer, Überschwemmungsgebiete, stehende Gewässer), Siedlungsflächen (zwischen einer Deponie und Siedlungen muss 300 Meter Abstand bestehen); Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete scheiden aus, ebenso wie Gebiete mit weißem Jura und Gipskeuper, die aus geologischer Sicht nicht geeignet sind.

Süden und Nordwesten sind raus

Nach Auswertung dieser Kriterien scheide der Süden des Landkreises im Bereich der Albhochfläche vollständig als möglicher Standort aus, sagte Kurz. Hier gebe es zahlreiche Umwelt- und Naturschutzbereiche, ein Großteil der Fläche sei als Wasserschutzgebiet ausgewiesen und im dortigen Karstgebiet seien Erdfälle generell nicht auszuschließen. Zur Erklärung: Ein Erdfall ist eine Senke an der Erdoberfläche, die durch das Einbrechen oder Nachbrechen nicht wasserlöslicher Deckschichten über einem natürlichen Hohlraum im Untergrund entsteht.

Im Nordwesten des Landkreises liegt der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald mit zahlreichen Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzgebieten, so dass dieser Bereich ebenfalls nicht als möglicher Standort in Frage komme.

Insgesamt scheiden durch diese „Negativkartierung“ bereits rund 79 Prozent der Gesamtfläche des Ostalbkreises als möglicher Deponiestandort aus. Die verbleibenden Flächen finden sich insbesondere im Nordosten des Landkreises, primär in einem Gebiet zwischen Tannhausen im Norden und Kirchheim am Ries im Süden. Dieser Bereich ist dünn besiedelt und zählt wenig ausgewiesene Schutzgebiete.

Weitere, aber deutlich kleinräumigere Flächen, die als Standorte geeignet erscheinen, finden sich zwischen Aalen und Schwäbisch Gmünd, im Bereich des Albvorlands sowie an den Höhenzügen seitlich des Leintals.

So geht es nun weiter

Als positive Standortbedingungen formuliert werden unter anderen die Verkehrsanbindung, die Infrastruktur, günstige geologische oder günstige topographische Rahmenbedingungen.

Potenziell geeignete Flächen werden nun im Rahmen von detaillierten Standortgutachten eingehend auf ihre Eignung hin geprüft. Für diese Aufgabe zieht der Landkreis ein externes Büro hinzu. Der Kreistag stimmte zu.

Ebenso einstimmig fiel das Votum für den Start einer Informationskampagne aus. Auch diese wird ein externes Büro auf den Weg bringen. Weil der Landkreis breite Akzeptanz für einen Deponiestandort erzielen will, soll die Öffentlichkeit früh informell informiert werden. Angedacht ist eine Projekthomepage, mit Videos, Experteninterviews und kontinuierlicher Information darüber, was gerade läuft. Es soll zudem Öffentlichkeitstermine zur Vorstellung des Projektes geben. Dabei sollen Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Planung aufgezeigt werden.

Recycling wird intensiviert

Um langfristig Deponiefläche zu schonen, soll künftig der Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfällen eine noch größere Bedeutung zukommen. Der Ostalbkreis prüfe derzeit, so Kurz, in Abstimmung mit der GOA parallel zur Standortsuche „Lösungsstrategien und Maßnahmenvorschläge zur Optimierung der Verwertung mineralischer Abfälle“. Hier gebe es neue Verfahren und auch in der Zukunft würden auf diesem Felde neue Verfahren entwickelt werden.

Durch Wiederverwendung bereits verbauter Ressourcen und das Recycling ressourcenhaltiger Abfälle und deren sekundärer Nutzung, könne der Bedarf an Primärbaustoffen maßgeblich gesenkt werden, warb Kurz. Und er wies darauf hin, dass so gleichzeitig ein schonender Umgang mit verfügbaren Deponiekapazitäten gewährleistet werde.

Die Kosten für die Planung des Projektes trägt der Ostalbkreis.

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