Wohnungssuche: eine Chance für Langzeitarbeitslose

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Einer Kundin des Jobcenters drohte die Kündigung ihrer Wohnung. Sie hat den Weg gefunden in die Beratung der Caritas. Syilvia Reszt (r. im Bild) sichert ihr Hilfe und Unterstützung zu.
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Wie die Caritas mit dem Jobcenter Ostalbkreis zusammenarbeitet, um Alg II- und Sozialgeldempfängern bei der Wohnungssuche zu helfen.

Aalen

Eine Wohnungssuche ohne Job und ohne eigenes Einkommen: „Das ist gerade für Langzeitarbeitslose eine kaum zu überwindbare Hürde“, sagt sinngemäß Markus Mengemann, Regionalleiter der Caritas Ost-Württemberg. Gleiches bestätigt Thomas Koch, Geschäftsführer des Jobcenters Ostalbkreis. „Wohnraumsuche und Wohnraumsicherung sind überdurchschnittlich häufig Thema in den Beratungsgesprächen mit unseren Integrations- oder Leistungsberatern.“

Aus diesem Dilemma heraus sei das Jobcenter Ostalbkreis vor etwa zwei Jahren auf die Caritas Ost-Württemberg zugekommen. In einem gemeinsamen Schulterschluss entstand das Projekt „Wohnen: Sicherung-Suche-Coaching“ der Caritas Ost-Württemberg.

Wie sich das Projekt „Wohnen“ finanziert: Es finanziert sich aus kommunalen Mitteln des Kreishaushalts. Im konkreten Fall sind das Gelder, die durch den sogenannten Passiv-Aktiv-Transfer freigeworden sind. Dahinter steht ein Projekt des Landes Baden-Württemberg, mit dem das Land schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen eine sozialpädagogisch begleitete, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Firmen und Betrieben ermöglichen will. Also aktive Teilhabe, statt passiver Empfang der Mittel aus dem SGB-II-System.

„Wir gehen auf die Arbeitgeber zu und haben allein im laufenden Jahr ostalbweit etwa 60 Personen in dieses zu 100 Prozent geförderte Arbeitsverhältnis vermitteln können“, sagt Thomas Koch. Davon seien zehn Personen wieder ausgeschieden, „meist aus gesundheitlichen Gründen“. Für 2022 strebe man an, zwischen 70 und 80 Personen auf diese Weise fördern zu können. Damit erspart sich also der Landkreis für diese Personen die Finanzierung von Unterhalt und Wohnung. Mit diesen frei gewordenen Mitteln wird das Projekt „Wohnen: Sicherung-Suche-Coaching“ der Caritas Ost-Württemberg finanziert. Dabei beraten und begleiten Mitarbeiter der Caritas Jobcenter-Kunden individuell bei der Suche nach angemessenem Wohnraum oder helfen ihnen etwa bei Konflikten mit den Vermietern.

Im Dezember 2019 hat der Kreistag erstmals der Finanzierung des Projekts mit jährlich bis zu 70 000 Euro aus den eingesparten Unterhaltskosten zugestimmt. Koch: „Wir setzen einen Pauschalbetrag von etwa 100 Euro ein pro Person und Monat. Daraus errechnet sich das vom Kreistag festgelegtes Jahresvolumen von etwa 75 000 Euro.“

Wie das Projekt „Wohnen“ abläuft: Empfänger von Arbeitslosengeld II (Alg II) und Sozialgeld, die bei ihrem Beratungsgespräch im Jobcenter von einem Wohnproblem berichten, erhalten einen Gutschein. Diesen, so Julia Franzmann, Bereichsleiterin Leistung beim Jobcenter Ostalbkreis, habe man eigens entwickelt, um auch die Menschen zu erreichen, denen es schwerfällt, den Weg in die Beratung der Caritas Ost-Württemberg zu finden. „Mit diesem Gutschein können sie unverbindlich einen Termin bei der Caritas-Ost-Württemberg vereinbaren“, erläutert Franzmann. Speziell für dieses Projekt beschäftigt die Caritas Ost-Württemberg aktuell zwei Mitarbeiter mit einem Umfang von insgesamt 75 Prozent.

Das Wohnraumcoaching: Leiterin des Wohnraumcoachings der Caritas Ost-Württemberg ist Sylvia Reszt. Je nach unterschiedlicher Problemstellung, so Reszt, werden die Betroffenen in Kleingruppen gecoacht, dafür stehen drei Module zur Verfügung: „Die Wohnungssuche“, „Das Mietverhältnis“ und „Eingezogen - und jetzt?“ Das Beratungsangebot komplettieren zwei ehrenamtliche Wohnbegleiter. Deren Aufgabe: Bei der Organisation der Wohnungssuche unterstützen, begleiten und motivieren.

Die erste Bilanz: Innerhalb des ersten Jahres, seit Beginn des Projekts am 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021, wurden 141 Gutscheine vom Jobcenter Ostalbkreis für Alg II- und Sozialhilfeempfänger ausgegeben. „Von 141 Personen nutzten 77 die Erstberatung bei der Caritas. Und von diesen wiederum konnten wir 35 Fälle abschließen“, berichtet Thomas Koch.

Zehn Fälle vermittelt: Was das konkret heißt, erläutert Julia Franzmann: „Zehn Fälle wurden in neue Wohnungen vermittelt. In den 25 weiteren Fällen gab es Konflikte mit den Vermietern, die Kündigung drohte. Durch das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Caritas konnten wir erreichen, dass die Mieter in ihrer Wohnung bleiben konnten.“

"Tür-Öffner": die suche nach freien Wohnungen

Die Entscheidung: Der Ausschuss für Arbeit und Grundsicherung des Kreistags entscheidet in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 9. Dezember, über die Fortführung des Projekts „Wohnen“ der Caritas Ost-Württemberg. Die Landkreisverwaltung schlägt vor, dafür bis zum Jahr 2024 jährlich 70 000 Euro zusätzlich im Haushalt des Jobcenters einzuplanen.
Das Konzept „Wohnen“ ergänzt die bereits bestehende Kooperationsvereinbarung „Tür-Öffner - Kirchliche Wohnrauminitiative“ des Landkreises mit der Caritas Ost-Württemberg.
Die Wohnungssuche: „Wir suchen im Ostalbkreis und im Landkreis Heidenheim leerstehende Wohnungen für Menschen, die aufgrund ihrer Einkommens- und Lebenssituation sonst keine Wohnung finden“, erläutert Markus Mengemann, Regionalleiter der Caritas Ost-Württemberg. Ziel sei ein langfristiges Mietverhältnis. „Unsere Mitarbeiter begleiten Vermieter und Mieter auch während des Mietverhältnisses“, sagt Mengemann. Interessenten, die eine Wohnung vermieten wollen, kontaktieren die Caritas unter (07361) 8064240

Markus Mengemann
Julia Franzmann
Thomas Koch
Sylvia Reszt

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