Wohnungssuchende sind oft überfordert

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Der symbolische „Türöffner“ soll auf die Initiative von Caritas und Kooperationspartner hinweisen. Im Bild (v. l.): Claudia Bahle, Irene Laukert-Wangler, Christian Baron, Robert Kloker, Inga Grosse und Markus Mengemann, Regionalleiter der Carit
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Initiative „Türöffner“ der Caritas Ostwürttemberg bringt vielen Familien neues Dach über dem Kopf.

Schwäbisch Gmünd. „Türöffner“ nennt sich die kirchliche Wohnraumoffensive der Caritas Ostwürttemberg, und der Begriff ist durchaus wörtlich zu nehmen. Viele kinderreiche Familien, Alleinerziehende oder Menschen mit Migrationshintergrund verdanken der Initiative neuen Wohnraum. Allein im vergangenen Jahr fanden so 111 Menschen ein neues Dach über dem Kopf.

Im kirchlichen Gemeindezentrum Franziskaner in Schwäbisch Gmünd startete das Projekt 2019, dort zogen Caritas und die Kooperationspartner Ostalbkreis und Stadt jetzt eine erste Bilanz. Dass Wohnraum ein knappes Gut ist, da sind sich alle Beteiligten einig. Deshalb schätzt Ostalb-Dekan Robert Kloker auch die Bemühungen der Caritas und bringt auch die Kirchengemeinden selbst ein. „Wir wollen Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern sie vorleben“, sagt er im Blick auf Wohnraum, den die Kirchengemeinden im Kreis schon vermietet haben. Der Türöffner“ sei ein „kirchliches Paradeprojekt“.

Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron unterstützt nicht nur das Caritas-Projekt, sondern bringt Erfahrungen der Stadt mit ein. Dort wurde 2018 eine Wohnrauminitiative gestartet, inzwischen haben sich viele Hauseigentümer gemeldet, die ohne eine solche Begleitung überfordert wären. „Wir unterstützen die Menschen bei der Wohnungssanierung und vermitteln Mieter.“ Eigentümer hätten ein hohes Vertrauen in die städtische Begleitung, weil sie sicher sein könnten, nicht etwa Mietnomaden ins Haus zu bekommen.

Inga Grosse, Projektmitarbeiterin „Türöffner“ der Caritas, kennt aktuelle Fälle. So gab es jüngst eine sechsköpfige Familie, die seit einigen Monaten in einer größeren Stadtwohnung leben kann. Der Caritas wurde eine Wohnung angeboten, die für eine größere Familie Platz bietet. Nun bewährte sich die Kooperation mit der Stadt Schwäbisch Gmünd, die die passenden Mieter auf ihrer Warteliste hatte. „Die Familie hätte auf dem ersten Wohnungsmarkt keine Chance“, sagt Inga Grosse. Und Claudia Bahle vom Landratsamt Ostalbkreis kennt die Umstände, die für erfolgreiche Vermittlungen nötig sind. Wohnungssuchende seien überfordert, könnten sich bei Besichtigungsterminen nicht eloquent präsentieren, vielleicht nicht versiert reden und schon gar nicht schnell entscheiden. Die Begleitung sei deshalb so wichtig, bei Gesprächen im Vorfeld, aber auch beim Papierkrieg vom Antrag für ein Mietkaution-Darlehen bis zur Anmeldung von Strom und GOA. Bei dieser Begleitung arbeiten nun Caritas, Stadtverwaltung und Kreis Hand in Hand. Alle bringen ihre Erfahrungen ein, gesammelt in vielen Vermittlungen.

Irene Laukert-Wangler vom Amt für Familie und Soziales in Gmünd, berichtet über 130 Wohnungen, die durch die städtische Initiative Menschen mit knappem Budget bereitgestellt werden konnten. 50 000 Euro hat die Stadt dafür jährlich im Haushalt, so können zum Beispiel Renovierungszuschüsse geleistet werden. Christian Baron sieht da noch Luft nach oben. „In der Innenstadt gibt es noch viele nicht ausgebaute Dachschrägen“, sagt der Bürgermeister und wünscht sich, dass noch mehr Hauseigentümer ihre Räume anbieten. „Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt“, meint er weiter. Das gelte ganz besonders für preiswerten Wohnraum. Gründe dafür sieht er auch in verändertem Nutzungsverhalten. Während vor Jahrzehnten 60 Quadratmeter für eine vierköpfige Familie durchaus infrage kamen, sei heute eine deutlich größere Wohnfläche nötig.

Kuno Staudenmaier

Wer eine Wohnung anbieten möchte, kann sich an Irene Laukert-Wangler (07171)603 5044 oder an Inga Grosse (07361)8064240 wenden.

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