Wolf-Verdacht nahe des Rechbergs

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Symbolbild Wolf

Im nahen Ottenbach hat mutmaßlich ein Wolf ein Kalb gerissen.  Ein Fachinstitut für Wildtiergenetik untersucht  sichergestellte Gen-Proben.

Ottenbach

In Ottenbach hat mutmaßlich ein Wolf ein Kalb gerissen. Darauf deutet einiges hin, genetische Proben werden jetzt im Frankfurter Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik untersucht. Das tote Tier war am Donnerstag, 11. August, von einem Wildtierbeauftragten  aus einem Nachbarkreis, mutmaßlich dem Ostalbkreis, dokumentiert worden, berichtet das Landesumweltministerium.

Zwei Tage später, am Samstag, 13. August, kam es im Gemeindegebiet von Vöhrenbach im Schwarzwald-Baar-Kreis zu einem ähnlichen Fall. „In beiden Fällen kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Wolf die Kälber angegriffen hat“, heißt es aus dem Ministerium. Das Kalb in Vöhrenbach wurde innerhalb des sogenannten Fördergebiets Wolfspräven­tion Schwarzwald gefunden, Ottenbach und das umgebende Tal der Liebe liegt jedoch außerhalb der Fördergebiete. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Göppingen, liegt aber südwestlich des Rechbergs dicht an der Grenze zum Ostalbkreis und nur wenige Kilometer von Schwäbisch Gmünd entfernt. 

Leichte Beute

Im Ottenbacher Rathaus war der Fall am Dienstag zunächst noch nicht bekannt, erst um 10 Uhr sei eine E-Mail aus dem Regierungspräsidium Stuttgart gekommen und habe über die Lage informiert, berichtet Hauptamtsleiterin der Gemeinde, Mirjam Dommer. „Ich habe mir schon oft gedacht, hoffentlich kommt der Wolf nicht zu uns“, sagt die Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Ina Zwicker aus Roßwälden. Dass er „irgendwie vielleicht kommen wird“, sei aber eigentlich klar gewesen. „Aber dass es so schnell passiert ...“ Wobei sie dafür plädiert, nun erst einmal abzuwarten, was die DNA-Probe ergibt. 

Dass ein Wolf es auf ein Kalb absieht, ist für Zwicker nichts Ungewöhnliches: „Das ist dem Wolf egal, was es am Ende für ein Weidetier ist. Je nachdem, wie hungrig er ist, ist er da flexibel.“ Wölfe würden auch größere Rinder reißen, aber vor allem ganz junge Kälber seien eine leichte Beute: „Weil es sich nur wegduckt wie ein Rehkitz.“

Bereits an Ostern 2019 war in der Gegend mindestens ein Wolf nachgewiesen worden: Bei Steinheim und Bartholomä fotografierte eine Wildtierkamera ein Tier und in Böhmenkirch wurden ein von einem Suchhund aufgespürter Kothaufen eindeutig einem Wolf zugeordnet. Der letzte Hinweis auf das Raubtier war ein in der Nacht vom 4. auf 5. Mai zwischen Bartholomä und Weißenstein gerissenes Reh. Somit war 2019 erstmals ein gesicherter Nachweis auf Wölfe in der Region erbracht worden. Spektakulär war, dass die Kamera den Wolf inflagranti dabei ertappte, wie er gerade ein Reh riss.

Die Nutztierverbände sowie die Wildtierbeauftragten der Region seien über den aktuellen Sachverhalt informiert, teilt das Ministerium mit und bittet darum, eventuelle Beobachtungen mit Verdacht auf einen Wolf umgehend zu melden - entweder per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de oder telefonisch unter der Nummer (0761) 4018-274. Dirk Hülser

Herdenschutz in Ottenbach nicht notwendig

In Baden-Württemberg gibt es zwei Fördergebiete Wolfsprävention: im Schwarzwald und im Odenwald. Ein Fördergebiet wird dann ausgewiesen, wenn ein Wolf wiederholt und über einen längeren Zeitraum immer wieder nachgewiesen wird. Landwirte und Schäfer in diesen Gebieten bekommen finanzielle Unterstützung zum Herdenschutz – kriegen aber Schäden nur erstattet, wenn sie Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere binnen eines Jahres umgesetzt haben.

In Ottenbach ist ein Herdenschutz nicht notwendig, deshalb könnte der Landwirt, so sich der Wolfs-Verdacht bestätigt, vom Land entschädigt werden.

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