Durchgekaut

Wunschessen für Nordlichter

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Cordula Weinke

Cordula Weinke erzählt von besonderen Begegnungen mit Linsen und Spätzle

Aus der schwäbischen Küche ist das Gericht nicht wegzudenken. Nordlichter können sich die Kombination allerdings kaum vorstellen: Linsen mit Spätzle? Was ist das denn für ein komisches Essen, fragte ich ungläubig, als mir vor jetzt 40 Jahren der "Kreuz-Karle" in der damals alteingessenen Gmünder Wirtschaft sein Tagesessen anbot. Die Frage, was ich mir denn unter Komponente drei des Gerichts vorstellen sollte, sogenannten "Saiten", ganz zu schweigen. Linsen kannte ich als Nordhessin ausschließlich in der Linsensuppe, mit Kartoffeln und Gemüse bereichert, gerne auch mit kleinen Speckwürfeln. "Saiten" waren für mich ein Begriff aus der Musik, bei uns Zuhause gab es als Würstchen immer Frankfurter oder Wiener.

Das hat sich längst geändert. Das sogenannte schwäbische Nationalgericht ist zu einem meiner XX Lieblingsessen geworden. Nicht nur an eisigen Wintertagen, sondern hin und wieder sogar im Sommer gelüstet es mir danach. 40 Jahre "reingeschmeckt" hinterlassen ihre Spuren.

Aber natürlich kennen auch richtige "Fischköpfe" sowie andere Bewohner, die heute noch nördlich des "Weißwurstäquators" zuhausen sind, inzwischen diverse Linsengerichte. Linsen sind angesagt, ob als Gemüsebeilage, als Salat, im Auflauf, oder sogar als Linsenkuchen und veganer Brotaufstrich.

Für Kenner der schwäbischen Küche gibt's allerdings nach wie vor kaum etwas Feineres als - ja genau: Linsen mit Spätzle. An einem der Sommerwochenenden in diesem Jahr, als es ausnahmsweise mal richtig heiß war, kam meine Nichte aus Köln nach langer Zeit mal wieder auf die Ostalb zu Besuch. Zwei Wunschessen durfte sie sich bei uns bestellen. Die 26-Jährige zögerte nicht lange, dann meinte sie: Wenn es euch dafür nicht zu heiß ist, macht an einem Tag doch Kässpätzle. Und am anderen unbedingt Spätzle mit diesem schwäbischen Linsengemüse und den Würstchen drin. Linsen eben, mit Spätzle und Saiten.

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