Polizei kontrolliert an diesem Wochenende auch im Ostalbkreis verstärkt Motorradfahrer

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Wer einmal auf diesen Aufnahmen zu sehen ist, hat meist deutlich über die Stränge geschlagen: „Dort ist Tempo 70 erlaubt. Da sind Motorräder aber oft mit bis zu 200 Sachen unterwegs. Die hier sind mit 120 noch langsam“. So erklärt Polizist Alexander Schneider die Videoaufnahme des mit Hightech vollgepackten Zivilfahrzeugs. SP-Fotos: rat
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Wie das Polizeipräsidium Aalen beim landesweiten Aktionswochenende Motorradfahrer für die Gefahren sensibilisieren will und welche Technik dabei zum Einsatz kommt.

Ellwangen/Aalen/Kirchberg

Die Handhabung ist nach kurzer Eingewöhnung kinderleicht. Über unterschiedliche Pieptöne meldet das fernglasgroße Messgerät sofort, ob die Messung erfolgreich war - und zeigt anschließend zuverlässig Entfernung und Geschwindigkeit an. Messfehler ausgeschlossen.

Was wie eine Leistungsschau der Verkehrspolizeiinspektion Kirchberg an der A 6 anmutet, hat leider einen ernsten Hintergrund. „Zwar geht die Anzahl der Motorradunfälle leicht zurück, doch wenn Motorradfahrer verunglücken, dann meist schwer bis tödlich“, hält Polizeipräsident Reiner Möller fest.

Darum beteiligt sich das Polizeipräsidium (PP) Aalen an dem landesweiten Aktionswochenende mit dem Kontrollschwerpunkt Motorradfahrer. 100 Beamte an 26 Kontrollstellen in den drei Kreisen überprüfen Geschwindigkeit und Abstand der zwei-, aber natürlich auch vierrädrig motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Zum Einsatz kommt dabei ein breites Spektrum an Gerätschaften, demonstriert Polizeidirektor Thomas Heiner: von kompakten Lasermessgeräten über moderne mobile Polyscanner (besser als „Superblitzer“ aus den runden Säulen bekannt) bis hin zu klassischen Lichtschranken.

Zum Einsatz bei den Motorradkontrollen kommen unter anderem Lasermessgeräte.
Zum Einsatz kommt ein breites Spektrum an Gerätschaften

Dazu kommt ein 260 PS starkes Videoüberwachungsfahrzeug in Zivil, das den Verkehr vor und hinter dem Fahrzeug filmen und ebenfalls während der Fahrt Abstand und Geschwindigkeit messen kann.

Frisch eingetroffen: ein Polyscanner im schuss- und feuerfesten Anhänger, „Enforcement Trailer“ genannt. Dieser Blitzer kann autark mehrere Tage im Einsatz bleiben. Jedes der Geräte bietet unterschiedliche Reichweiten und Vorteile für die Polizei, von 50 Metern beim Polyscan bis hin zu 1000 Metern beim mobilen Laser. Letzterer ist sehr beliebt bei Verkehrskontrollen, weil schnell aufgebaut und einsatzbereit. Dafür können die mit Lichtschranken verbundenen Kameras wiederum in beide Fahrtrichtungen blitzen.

„Wir machen aber keine Jagd“, betont Möller. „Unser Fokus liegt darauf, die Fahrer zu sensibilisieren und Unfälle zu verhindern.“ Darum begleiten Polizisten aus der Präventionsarbeit die Kontrollen. Die Ellwanger Präventionsexperten Otto Kruger und Hans Heidingsfelder kennen die Probleme. „Die B19 durch das Kochertal oder die Strecke zum Löwenstein sind beliebt bei Motorradfahrern, und leider auch Unfallschwerpunkte“, weiß Kruger. „Dabei sind die meisten Fahrer sehr einsichtig, wenn wir sie rausziehen und ansprechen. Und das ist unser Ziel: in den Dialog kommen.“ Die meisten Motorradfahrer seien glücklicherweise vernünftig unterwegs, ergänzt Heidingsfelder, doch vor Selbstüberschätzung nicht gefeit. Zu hohe Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer eins.

Wenn Motorradfahrer verunglücken, dann meist schwer.“

Reiner Möller, Polizeipräsident

Landesweites Aktionswochenende

Das Polizeipräsidium Aalen beteiligt sich am landesweiten Aktionswochenende zur Bekämpfung von Motorradunfällen vom 7. bis zum 9.Mai.

Während des Wochenendes werden flächendeckend in allen drei Landkreisen in Ostwürttemberg an 26 Stellen Kontrollen durchgeführt. Dabei werden rund 100 Polizeibeamte und -beamtinnen im Einsatz sein. Diese Kontrollen werden durch die polizeiliche Prävention begleitet, um durch persönliche Gespräche mit den Verkehrsteilnehmern für die Gefahren zu sensibilisieren.

Die Anzahl der Unfälle, bei denen Motorradfahrer oder Motorradfahrerinnen beteiligt waren, fiel im Jahr 2020 im PP Aalen mit dem landesweiten Trend auf 429 (454). 249 Unfälle wurden von den Motorradfahrern und Motorradfahrerinnen selbst verursacht. Dies entspricht einem Rückgang um -3,5% im Vergleich zum Vorjahr (258). Die Zahl der Motorradunfälle mit Personenschaden fiel auf 351 (-5,4%). Die Anzahl der dabei von Motorradfahrern verursachten Unfälle reduzierte sich um -6,4% auf 220 (235). Die Zahl der Getöteten blieb mit 6 auf dem Vorjahresniveau.

Die Hauptunfallursache war überwiegend „Geschwindigkeit“ mit 65%. Danach folgen mit 14% „Abstand“ und mit 11% „Überholen“.

Polizeipräsident Reiner Möller und Polizeidirektor Thomas Heiner vor dem geöffneten brandneuen „Enforcement Trailer“ (von links).
Der Redakteur im Selbstversuch am Lasermessgerät..

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