Kommentar

Zu wenig Land hier

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Gerhard Königer über den größten Konflikt unserer Zeit.

Ein Kalter Markt und zwei Veranstaltungen, die das ganze Dilemma aufzeigen, in dem sich die Landwirtschaft aktuell befindet: Am Dienstagabend beim Energieforum und am Mittwochvormittag bei der Bauernkundgebung ging es im Grunde genommen nur noch um eins: die Fläche der Bauern. Die Energiewende greift massiv in die Landschaft ein. Deutschland will klimaneutral werden und braucht dafür erneuerbare Energie.

Der Druck auf die Grundbesitzer, das sind eben vorwiegend die Bauern, wird deshalb immer größer. Sie sollen neue Windräder, Freiflächen-PV, Stromleitungen und Umspannwerke zulassen. Dieser Druck ist gar nicht nur politisch oder gesellschaftlich, sondern vor allem ökonomisch: Mit einem Hektar Solarmodule kann man schon jetzt mehr verdienen als mit einem Hektar Weizen. Könnte die ODR alle beantragten Freiflächen-PV-Anlagen sofort anschließen, würde man sich ungläubig die Augen reiben. Allein der schleppende Netzausbau verhindert aktuell noch größeren Flächenverbrauch.Dass Äcker und Wiesen der Bauern auch für neue Straßen, zum Beispiel Ortsumfahrungen in Eggenrot, Röhlingen, Zöbingen, für Wohngebiete, Sportplätze, Industrie und Krankenhäuser benötigt werden, macht die Lage nicht einfacher. Es ist absehbar, dass der Flächenbedarf nicht so schnell zu stoppen ist.

Derzeit werden jeden Tag 54 Hektar in Deutschland versiegelt. Die Gesellschaft will zwar mehr Ökologie, auch weil den Klimawandel und seine Folgen kaum noch jemand leugnen kann, aber sich selbst einzuschränken, dazu fehlt die Bereitschaft. Wer will schon zugunsten der Allgemeinheit verzichten? Auf Strom, den Ausbau der B 29, den Parkplatz in Stadtnähe, das eigene Auto, das neue Wohngebiet mit dem Bauplatz für die Kinder?

Verzicht findet erst statt, wenn es an den Geldbeutel geht. Das ist für die Landwirte keine gute Nachricht, weil man in Deutschland am Essen sehr leicht sparen kann. Billiglebensmittel findet man im Discounter.

Sind die Bauern also das Opfer der Energiewende? Es muss nicht so kommen. Wenn sie Wege finden, Energieerzeugung und Landwirtschaft klug zu kombinieren, dafür gibt es Beispiele, können sie auch Gewinner sein.

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