Züngelnde Flamme und goldener Honig

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Während des Kochens erzählt Imker Dietmar Wiech, wie es dem Bienenvolk dieser Zeitung im Winter geht. In seiner Küche entsteht derweil Süßes für zwischendurch.

Aalen

Rien ne va plus – nichts geht mehr um den Bienenstock herum. In den warmen Monaten gleicht das Areal einem Flughafen. Nun ist's hier so ruhig wie auf Berlins Alexanderplatz im Corona-Lockdown. Das Bienenvolk dieser Zeitung, das im Bienenschaugarten bei Essingen wohnt, hat sich in eine Winterkugel zurückgezogen. Die Tiere sitzen eng beieinander und heizen den Stock auf 16 bis 18 Grad ein – klingt gemütlich.

Das bedeutet aber nicht, dass es sich Imker Dietmar Wiech vor dem Ofen gemütlich machen kann. Im Gegenteil: Er füllt nun Honig ab, gießt Kerzen, bereitet alles für die kommende Saison vor. Und: Er kocht. Wie es sich für einen Imker gehört, natürlich mit eigenem Honig von der Ostalb. Ob Braten, Soße oder Dessert, das goldene Elixier darf für das Herrchen einer Hundedame nirgends fehlen.

Für Teil 9 der Bienenserie hat sich der Imker einfache Rezepte ausgesucht. Die geben Kraft im Mittagstief, sind für ein ausgedehntes Frühstück geeignet oder erfreuen Naschkatzen.

"Ich verwende zum Kochen immer etwas Salziges, Süßes und Saures. Dann sind alle Geschmacksrezeptoren befriedigt und es schmeckt noch besser", sagt der Imker und mischt die Zutaten für Kokoskugeln zusammen. Gekonnt formt er die Masse und manövriert die Bällchen auf einem Blech in den Ofen.

Die Flammen züngeln

Das Auge isst mit.

Dietmar Wiech Imker

Was mag der Bienenmann denn so gern am Honig? "Honig kommt aus der Natur, das ist mir sehr wichtig. Und darin sind viele Vitamine und Enzyme enthalten", sagt Wiech. "Honig ist gesünder als herkömmlicher Zucker, da der Fruchtzucker darin später ins Blut geht."

Energie ist ein gutes Stichwort. Die wird auch für Gang zwei benötigt. Und zwar ganz schön viel. Für die flambierten Bananen wird's feurig heiß. Das Obst in der Pfanne anbraten, Honig, Zitronensaft und Zimt dazugeben, schmoren lassen – so weit, so unspektakulär. "Jetzt müssen wir aufpassen", sagt Wiech und gießt Rum über die Bananen. Die Flammen züngeln für einige Sekunden aus der Pfanne. Dann ist der Zauber schon wieder vorbei. Bananen auf einem Teller anrichten, einen Klecks Vanilleeis dazu und guten Appetit – mhmmm das schmeckt!

Im Vergleich zum Schleckermäulchen Mensch kommen Bienen im Winter übrigens fast ohne Futter aus. 28 Kilogramm Zuckerrübensirup hat Wiech dem Volk dieser Zeitung im Oktober gefüttert. Etwa 13 Kilogramm seien davon aktuell noch übrig. "Ich gebe den Bienen lieber zu viel als zu wenig Futter", sagt der Imker, der den Tieren nicht den ganzen Honig wegnimmt. Und wie weiß er, dass die Tiere im Innern des Stocks noch leben? "Wenn eine tote Biene vor dem Stock liegt, weiß ich, dass das Volk noch lebt." Denn die Tiere schmeißen die Leichen aus dem Flugloch ins Freie, wie der Imker erklärt.

Während des Erzählens hat Wiech Milch, Eier, Kokosraspeln und Honig miteinander verquirlt und Brotscheiben in die Mischung getaucht. Na, wer kann erahnen, welche Süßspeise das wird? Arme Honigritter natürlich. Scheiben goldbraun anbraten und auf einem Teller servieren. Der Koch richtet den Nachtisch mit Himbeeren und Bananenscheiben an – und träufelt mit einem Löffel etwas Honig darüber. "Das Auge isst schließlich mit", sagt er.

Für alle, die's lieber salzig mögen, hat Wiech auch ein Rezept parat. Das gibt's auf dieser Seite.

Bestatter und Türsteher

Sie haben Türsteher. Sind Bestatter, Pflegeeltern, Honigproduzenten, ... Kurz: Die Bienen sorgen dafür, dass im Stock, ihrer Wohnung, alles rund läuft.

Seit neun Monaten begleiten wir nun Imker Dietmar Wiech durchs Bienenjahr. Alle Geheimnisse der Tiere sind auch nach dieser Zeit noch nicht gelüftet. Bei jedem Besuch im Bienenschaugarten bei Essingen gibt's Neues zu erfahren. Und genau das ist unser Ansporn für diese Serie. Wir wollen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Welt der Bienen offenbaren. Zeigen, wie wichtig die Tiere für uns und die Natur sind.

Sie bestäuben Nutzpflanzen auf dem Feld oder die Obstblüten im heimischen Garten. Um es mit Zahlen auszudrücken: Die Wirtschaftsleistung der Bienen beträgt im Jahr durch ihre Bestäubungsarbeit etwa zwei bis drei Milliarden Euro, wie Dietmar Wiech sagt.

Um die Geheimnisse der Bienen zu lüften, braucht's Imker, die für ihre Sache brennen und sich Zeit nehmen, dem Laien die Welt der Bienen näher zu bringen. Denn nur, was man kennt, kann man schützen.

In diesem Sinne: Lassen Sie sich Ihr Honigbrot am Frühstückstisch schmecken und denken Sie ab und zu an die Menschen und Tiere, denen Sie diesen Genuss zu verdanken haben.

Süßes oder Salziges?

1. Arme Honigritter: Zutaten: 1 Banane, Erdbeeren (optional), 250 ml Milch, 2 Eier, 1 EL Honig, 2 EL Kokosraspeln, 4 Scheiben Dinkeltoast. Zubereitung: Die Banane in Scheiben schneiden. Die Erdbeeren halbieren. Danach die Milch mit den Eiern, Honig und Kokosraspeln verquirlen. Die Toastscheiben in die Milch-Mischung tauchen und in der heißen Pfanne auf beiden Seiten goldbraun braten. Die Bananenscheiben dazulegen und mitbraten. Danach Toast auf einem Teller anrichten und mit Honig beträufeln.

2. Flambierte Bananen: Zutaten: 4 Bananen, 2 bis 4 EL Honig, Rum, Zitronensaft, Vanilleeis, Zimt. Zubereitung: Honig langsam und vorsichtig in der Pfanne erhitzen und Bananen darin wälzen. Zimt hinzugeben und einige Tropfen Zitronensaft darüber träufeln. Nun 54-prozentigen Rum darüber gießen und mit einem Streichholz anzünden. Nachdem das Feuer erloschen ist, eine Kugel Eis auf einen Teller geben, die Banane dazu legen und mit etwas Honig aus der Pfanne übergießen.

3. Bio-Schweinefilet mit Honig (für 2 Personen): Zutaten: 6 getrocknete Aprikosen (ungeschwefelt), 1 Zweig Rosmarin, 1 EL geschälte Kürbiskerne, 4 EL Honig, 1 Bio-Schweinefilet vom dicken Ende (etwa 300 g), Salz, Pfeffer, 10 Scheiben Bio-Bacon, 2 cl Brandy. Zubereitung: Die Aprikosen fein würfeln, Rosmarinnadeln und Kürbiskerne hacken. Alles mit 2 Esslöffeln Honig verrühren und leicht erwärmen. Das Filet rundherum salzen und in der Mitte längs einschneiden – nicht ganz durchschneiden. Die Schnittfläche mit der Aprikosenmischung bestreichen. Filet mit Baconscheiben umhüllen und mit Pfeffer würzen. Das Fleisch in einen Bräter legen und im Ofen bei 180 Grad braten. Den restlichen Honig leicht erwärmen und mit dem Brandy verrühren. Das Fleisch damit nach etwa 15 Minuten, nach 20 und 25 Minuten einpinseln. Nach etwa 25 Minuten kann das Filet aus dem Ofen. Dazu passt etwa Pilzrisotto.

Diese Rezepte empfiehlt Dietmar Wiech. Wichtig ist, auch auf die Qualität des Honigs zu achten. Am besten man kauft diesen direkt beim Imker.

Energiekugeln: für Kraft im Mittagstief

Rezept 200 g Sahne im Topf kurz erhitzen, 125 g Haferflocken, 80 g gehackte Haselnüsse, 80 g Rosinen, 130 g Kokosflocken, etwas Vanille und 100 g Honig verrühren. Mit feuchten Händen Kugeln formen, in Kokosflocken wälzen und bei 180 Grad etwa 20 Minuten im Ofen backen. Foto: maro

Gekocht wird mit Bananen und ganz viel Honig.
Et voilà: Honigbanane mit Vanilleeis.
Achtung, hier entstehen flambierte Bananen.
Honig muss nicht immer zähflüssig sein.
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