Nachruf

Zum Tode von Dr. Rudolf Grupp: Ein Journalist vom alten Schlag

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Dr. Rudolf Grupp
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Dr. Rudolf Grupp ist gestorben. Er war als Redakteur, Chef vom Dienst und Chefredakteur maßgeblich beteiligt am Aufbau der Schwäbischen Post und der Gmünder Tagespost.

Ellwangen/Aalen/Schwäbisch Gmünd. In der Nacht auf Samstag ist Dr. Rudolf Grupp gestorben, er wurde 89 Jahre alt. Über 40 Jahre lang hat er als Journalist für diesen Zeitungsverlag gearbeitet und beide Tageszeitungen, die Schwäbische Post und die Gmünder Tagespost an entscheidenden Stellen geprägt.

Rudolf Grupp wird am 4. März 1932 in Bösingen (Landkreis Rottweil) geboren. 1938 kommt er nach Ellwangen, der Vater war als Lehrer an die Eichschule in Rindelbach beordert worden. Ab 1942 besucht Grupp das Ellwanger Gymnasium, erlebt das Kriegsende als Schüler und macht 1951 Abitur. Für die Schwäbische Post, die seit 1948 erscheint, schreibt er schon als Schüler die ersten Berichte. Als ihm nach dem Schulabschluss ein Volontariat angeboten wird, überlegt er nicht lange und steigt in den Journalistenberuf ein.

Zwei Jahre lang erlernt er das Tagesgeschäft einer Lokalzeitung im Nachkriegsdeutschland. Die Berichterstattung dieser Zeit ist geprägt vom beginnenden Wirtschaftswunder, von den sich festigenden demokratischen Strukturen der Adenauer-Ära und vom Ende der Spruchkammerverfahren gegen die Akteure der NS-Diktatur.

Nach dem Volontariat studiert Grupp ab 1953 Geschichte und Zeitungswissenschaft in München und Wien, promoviert 1958. Noch im selben Jahr beginnt er als Redakteur bei der Schwäbischen Post und leistet auch Aufbauarbeit in Schwäbisch Gmünd, wo der Verlag 1959 die Gmünder Tagespost als zweite Tageszeitung im Verlagshaus gegründet hat.

Mehrere Jahre berichtet Rudolf Grupp aus seiner Heimatstadt Ellwangen, wird Nachfolger von Dr. Manfred Thier. Jeden Abend müssen die fertigen Berichte mit der Bahn rechtzeitig nach Aalen transportiert werden, um vor Andruck noch umbrochen zu werden. Der damalige Chefredakteur Erwin Hafner ruft 1963 Rudolf Grupp nach Aalen. Als Chef vom Dienst ist er fortan verantwortlich für das gesamte Blatt. Diese Funktion übt er bis 1986 aus.

Schon bevor 1985 Richard Wengert, der Chefredakteur der Gmünder Tagespost, in Pension geht, wird Grupp zu seinem Nachfolger aufgebaut. Ab dem 1. Mai 1986 leitet Grupp die GT bis zu seiner Pensionierung 1995. Den Wettbewerb um den Leser in Konkurrenz zum alteingesessenen Platzhirsch führt er ausgesprochen erfolgreich.

Rudolf Grupp war ein Journalist von altem Schlag, er legte größten Wert auf eine seriöse Berichterstattung. Klare Sprache, tiefe Recherche, objektive Betrachtung, korrekter Umgang mit der Information und die Achtung der Persönlichkeitsrechte waren ihm besonders wichtig. Das Boulevard, die reißerische Aufmachung, der sensationsheischende Bericht waren nicht sein Fall. Grupps Schwerpunktthemen waren neben der Lokalpolitik, Verkehrs- und Infratrukturentwicklung auch Kultur, Geschichte und Traditionen. So hob er beispielsweise in der Schwäbischen Post 1977 den Maibaumwettbewerb aus der Taufe, in Gmünd setzte er den Anfang des europäischen Kirchenmusikfestivals. Beide Veranstaltungen wurden zum festen Programm der Zeitung und finden bis heute statt.

Auch außerhalb des Berufs war der vierfache Familienvater noch vielfach engagiert. In Ellwangen war er von 1965 bis 1984 Stadtrat für die CDU und entschied mit über Eingemeindungen, Stadtumfahrung und Wellenbad. Seit der Jugend war er Mitglied beim Bund Neudeutschland (ND), den er 12 Jahre leitete. Er war Kirchengemeinderat, Mitglied im Stiftsbund und beim Geschichts- und Altertumsverein und war auch nach seiner Pensionierung 1995 als Stadtführer aktiv. 2009 wurde Rudolf Grupp für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Gerhard Königer

Rudolf Grupp
Die Schwäpo-Redaktion in den 80er-Jahren: Von links Rochard Scheuber, Chefredakteur Erwin Hafner, Helmut Banschbach, Dr. Rudolf Grupp, Mary Sidon, Hermann Hafner, Elfriede Stippler und Manfred F. Kubiak.

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