Erinnerungen

Zuwendung mit Kratzern

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Kuno Staudenmaier über den Sommergarten und die kleinen Mühen

Der grüne Daumen ist nichts als Aufmerksamkeit und Zuwendung, sagt ein Sprichwort. Wer's erfunden hat, war wohl vom schönen Wort beseelt. Statt Zuwendung könnte da auch Arbeit stehen. Etwas Mühe ist schon nötig, um aus dem tristen Rasen eine lebendige Gartenlandschaft zu zaubern. Mit allem, was die Natur zu bieten hat, mit allem, was die Natur unterstützt. Vögel, Insekten und Bienen schätzen die Blumenwiese, den Streuobstbaum, die Samen, die im Kräutergarten übrig bleiben.

Gärtner haben eine doppelte Entschädigung für ihre Mühen. Schon der Blick auf den Sommergarten macht Freude. Dazu kommt die Ernte von Bäumen, Beerensträuchern und Kräuterbeet. Und wer solche Erfahrungen als Kind gesammelt hat, kommt irgendwann darauf zurück. Schließlich haften in der Erinnerung die schönen Dinge. Die Beerenernte zählt in meiner Erinnerung nicht dazu. Die Kratzer von stachligen Brombeerruten, die Stunden zwischen Sträuchern der Roten Johannisbeere – auf schwäbisch Träuble – reduzierten den Spaßfaktor. Dem Gesamtbild Garten konnten solche Einsätze nichts anhaben. Dass Menschen ohne Garten aufwachsen können, habe ich erst erfahren, als ich Schulfreunde im dritten Stock einer Etagenwohnung besuchte. Kein Grün, auch nicht auf dem Balkon. Das hat sich geändert. Gärtnern kann man auch auf zwei Quadratmetern, es gibt Platz für (fast) alles. Kräuter und Wiesenblumen machen sich auch in oberen Etagen gut. Der kleine (Balkon)garten entschädigt oft mit großer Aussicht.

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