Barrierefreiheit geht ins Geld

  • Weitere
    schließen
+
Thema der Diskussion im Mögglinger Gemeinderat: Sollen alle Bushaltestellen im Ort abgesenkt werden?

Soll man rund eine halbe Million ausgeben - oder gibt es auch kleinere Lösungen? Mögglinger Rat debattiert intensiv über Umgestaltung von Bushaltestellen für Menschen mit Behinderungen.

Mögglingen

Bis Ende 2022 sollen Bushaltestellen barrierefrei gestaltet sein - das ist das Ziel. Keine Hürde, sondern einen ebenen Zutritt soll es geben, um in den jeweiligen Bus zu gelangen. Was bedeutet, dass umfangreiche Umgestaltungen bewältigt werden müssen. Allerdings, so betonte Bauingenieur Alexander Jörg am Freitag in der Mögglinger Gemeinderatssitzung, dass diese Barrierefreiheit an der Bushaltestelle bis 2022 keine Pflicht für Kommunen sei. Aber eben ein formuliertes Ziel.

Für Mögglingen würde eine solche Umgestaltung rund 450 000 Euro an Kosten bedeuten. Davon könnte man maximal 150 000 Euro an Bundesförderung bekommen. Doch bereits hier hatte Friedrich Lange (CDU) seine Zweifel, ob diese Kostenschätzung, die 2018 gemacht wurden, heute noch der Realität entspricht. „Wir haben im Tiefbau Kostensteigerungen von bis zu 30 Prozent. Dann wären wir bei 600 000 Euro“, gab er zu Bedenken.

Nur teilweise umbauen?

Anabel Abele (FUMB) wollte wissen, wie es sich mit den Bussen selbst verhalte. Etwa bei Reisebussen, in denen man einige Stufen innerhalb des Fahrzeugs nach oben steigen muss, um zu seinem Sitzplatz zu kommen. „Da bringt dann die barrierefreie Bushaltestelle nichts“, stellte sie trocken fest. Lange griff diesen Gedanken auf und bezweifelte, dass barrierefreie Busse in nächster Zeit neu angeschafft würden. „Den Busunternehmern geht’s schlecht“, verwies er auf Corona.

Viktor Wall (SPD) war der Ansicht, dass es in Mögglingen, abgesehen vom Schülerverkehr mit Bussen, ohnehin mehr Zugfahrer gebe. „Rentieren sich wirklich alle Bushaltestellen für einem Umbau?“, hinterfragte er. Markus Seyfang (JMB) wollte mehr Diskussion über diese hohe Investition in Mögglingen, forderte detailliertes Überlegen. Auch klang im Gremium um Bürgermeister Adrian Schlenker an, dass die Kosten unverhältnismäßig sind, die die Gemeinde für die barrierefreien Bushaltestellen ausgeben müsste. „Es geht nicht um eine all zu große Personengruppe“, erinnerte Lange an den Individualverkehr. Sowohl der Fachmann von Stadtlandingenieure aus Ellwangen als auch Bürgermeister Schlenker argumentierten, dass es politisches Ziel sei, mehr Nutzer für den Öffentlichen Personennahverkehr zu gewinnen. „Aber tagsüber fahren hier auf dem Land die Busse meist heiße Luft“ , hielt Friedrich Lange dagegen. Er schlug vor, nicht alle Bushaltestellen umzugestalten, sondern eine zentral barrierefrei zu machen. Hier hatte er die Haltestelle am Bahnhof im Blick. „Da treffen sich alle Linien und dann ist das Thema für mich erledigt“, stellte er fest.

Verweis auf Fahrdienste

Irmgard Sehner und Annette Jäger, beide SPD, überlegten, ob man nicht unter den Bushaltestellen diejenigen umgestalten sollte, die am meisten frequentiert sind. Allgemein war man sich einig, dass es durch das Bürgermobil und Behindertenfahrdienste gute Möglichkeiten für Personen mit Handicap von A nach B zu kommen. „Hier wird niemand allein gelassen“, argumentierte Wall und Lange.

Sehr lange Diskussion

Zumal man auf dem Land lebe, wo man sich helfe. Auch wurde allgemein festgestellt, dass Busfahrer stets behilflich seien, wenn es darum gehe, einen Rollator oder auch einen Kinderwagen im Bus zu verstauen.

„Hier wird niemand alleingelassen“, stellte Lange nochmals fest. Bis Redaktionsschluss war diese Diskussion nicht beendet.

Bürgermeister Schlenker wurde in der Sitzung beauftragt, für Mögglingen einer öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Stadt Gmünd bezüglich eines Gutachterausschusses in der kommenden Verbandssitzung zuzustimmen. Alle Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein sind hierzu aufgefordert. In dieser Versammlung im Mai wird auch die Musikschule thematisiert. Als Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein kündigte Thomas Kiwus für 2021 keine Gebührenanpassung an. 2022 werden die Gebühren allerdings auf den Prüfstand gestellt.

Zurück zur Übersicht: Rosenstein

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL